DAUN, 10.05.2016 - 15:57 Uhr
Entertainment - Veranstaltungen

MTM 2016: Medien und Migranten

Mehr Studien notwendig

Wie informieren sich Migranten und Flüchtlinge? Wie kann diese Zielgruppe erreicht werden? Und: Welche Verantwortung tragen Medien bei der Integration? Diese Fragen diskutierte Christoph Lanz auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland 2016 in Leipzig am 10. Mai, mit Zakia Chlihi vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, Mamad Mohamad vom Landesnetzwerk Migrantenorganisationen Sachsen-Anhalt, dem Journalisten Constantin Schreiber von n-tv und Prof. Dr. Georg Ruhrmann von der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Ruhrmann eröffnete die Diskussion mit einem Impulsreferat und appellierte daran, dass Integration keine einseitige Leistung der Ankommenden bleiben dürfe. Erst wenige Studien lägen aktuell zur Frage vor, wie sich die nach Deutschland kommenden informieren: Die FU Berlin untersuche derzeit die Mediennutzung vor, während und nach der Flucht; eine andere Befragung von 17 unbegleiteten Jugendlichen bestätigte die zentrale Funktion des Smartphones, sowohl als Kommunikations- wie auch als Mittel der Orientierung, wobei, wie Mamad Mohamad ergänzte, die face-to-face-Kommunikation für Ankommende einen ebenso wichtigen Stellenwert einnehme.

Ruhrmann forderte mit Nachdruck eine Neuauflage der Studie „Migranten und Medien“, die zuletzt 2011 von ARD und ZDF durchgeführt worden war. Etwa die Frage, wie die Qualität von Medien von Menschen, die zu uns kommen, wahrgenommen werde, sei zentral. Zudem sei das Mediennutzungsverhalten von nach Deutschland Kommenden auch aus journalistischer Perspektive hochinteressant.

Ruhrmann kritisierte, dass wissenschaftliche Erkenntnisse noch zu wenig wahrgenommen und etwa von Politikern in deren Entscheidungsfindungsprozesse einbezogen werden. Auch die Arbeit des BAMF müsse bekannter werden. Dessen Mitarbeiterin Zakia Chlihi stellte die App „Ankommen“ vor, die u.a. in Zusammenarbeit mit dem Bayrischen Rundfunk und der Arbeitsagentur in wenigen Wochen entwickelt wurde und über Arbeit und Ausbildung, das Asylverfahren, das Leben in Deutschland von den Ladenöffnungszeiten bis hin zum Grundgesetz informiert sowie einen von der Stiftung Warentest als „gut“ eingestuften Online-Deutschkurs anbietet.

Deutlich wurde in der Diskussion, dass zwischen reiner Informationsbereitstellung sowie journalistisch aufgearbeiteten Inhalten differenziert werden muss: So kritisierte Constantin Schreiber von n-tv, dass das Bundesamt für Presse und Information bisher zu wenig geleistet habe. Schreiber selbst spricht fließend arabisch und moderiert die von ihm konzipierte Sendung „Marhaba – Ankommen in Deutschland“, die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnet wurde. Die permanente Untertitelung der Sendung diene nicht nur der sprachlichen Verständlichkeit, sondern reflektiert auch das Nutzungsverhalten – viele würden die Sendung ohne Ton auf dem Smartphone schauen.

Einen ganzen Kanal speziell für Flüchtlinge einzurichten, diesem Gedanken standen vor allem Schreiber und Chlihi skeptisch gegenüber: Zu verkrampft und didaktisch könne das auf Ankommende wirken, authentischer und interessanter sei es, deutsche Programminhalte zu rezipieren, beispielsweise über eine Daily Soap die Sprache zu lernen oder zu erleben, dass einer der Darsteller selbstverständlich einen türkischen Namen trägt oder eine Moderatorin wie Nazan Eckes bei RTL moderiert.


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