Bei der symbolischen Inbetriebnahme des Bayernrings (v.l.n.r.): M-net Geschäftsführer Nelson Killius und Dr. Hermann Rodler, Ministerialdirektor Dr. Alexander Voitl vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat und swa-Geschäftsführer Alfred Müllner. Bei der symbolischen Inbetriebnahme des Bayernrings (v.l.n.r.): M-net Geschäftsführer Nelson Killius und Dr. Hermann Rodler, Ministerialdirektor Dr. Alexander Voitl vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat und swa-Geschäftsführer Alfred Müllner. - © Foto: M-net -
DAUN, 22.01.2020 - 15:50 Uhr
Entertainment - Unternehmen

Neuer Glasfaserring für die Zukunft Bayerns: M-net stellt Quanten-Netz vor

M-net läutet laut eigener Aussage eine neue Ära der digitalen Informationsübertragung ein. Wie der bayerische Glasfaseranbieter heute mitteilte, hat das Unternehmen im Beisein von Ministerialdirektor Dr. Alexander Voitl, der in Vertretung des Bayerischen Staatsministers der Finanzen und für Heimat Albert Füracker teilnahm, feierlich seinen neuen Bayernring vorgestellt. Der laut M-net europaweit einzigartige Glasfaserring erstreckt sich über 1.200 Kilometer und bilde den neuen Kernbereich des Telekommunikationsnetzes von M-net. Das Besondere: In dem glasfaserbasierten Quanten-Netz erfolge die Übertragung der Daten durchgängig über Licht – ohne Umwandlung in elektrische Signale. Die mögliche Übertragungsleistung liege nach aktuellem Stand der Technik bei 76 Terabit pro Sekunde über eine Glasfaser. Die Fertigstellung soll bis Ende 2020 erfolgen.

Mit seinem neuen Quanten-Netz stellt M-net eine neue Hochgeschwindigkeits-Datenautobahn zwischen München und dem weltweit größten Internetknotenpunkt Frankfurt vor, welche die massiven Anforderungen an die Übertragungsbandbreite und Latenz im 5G- sowie Industrie 4.0-Zeitalter laut M-net mehr als erfüllt. Das Glasfaser-Ringnetz ist 1.200 Kilometer lang und sei in hohem Maße ausfallsicher. Es besteht aus zwei Ringen, wie M-net erklärt: dem nun in Betrieb genommenen Bayernring von München nach Nürnberg und dem Südwestring von München nach Frankfurt, der Bayern und Baden-Württemberg verbindet und bis Jahresende in Betrieb gehen soll. Der Bayernring verfügt über zusätzliche Relais-Standorte in Ingolstadt und Regensburg, der Südwestring über die Relais-Stationen Augsburg, Ulm, Würzburg, Stuttgart und Karlsruhe. An den Stationen können Quanten – also Lichtsignale für die Übertragung im Netz – aus- und eingekoppelt werden.

M-net nutze für das glasfaserbasierte Quanten-Netz neueste Technologie und steigere dadurch die Transportkapazität im eigenen Netz um das Zehnfache, wie das Unternehmen erklärt. Nach aktuellem Stand der Technik sollen Übertragungsraten von bis zu 600 Gigabit pro Sekunde auf einer einzelnen Wellenlänge des Lichts bzw. bis zu 76 Terabit pro Sekunde über eine Glasfaser möglich sein. Mit dieser Bandbreite könnte die gesamte Information der bayerischen Staatsbibliothek mit einem Datenvolumen von 928 Terabyte in weniger als 2 Minuten heruntergeladen werden, rechnet M-net vor. Gleichzeitig sinke die Latenzzeit auf einen Wert im einstelligen Millisekundenbereich und sei damit prädestiniert für Echtzeitanwendungen jeglicher Art.

Dr. Hermann Rodler, Technischer Geschäftsführer bei M-net, erklärte: „Der Bayernring ist ein rein photonisches Netz, in dem die Information zu 100 Prozent mit Licht übertragen wird. Unseres Wissens nach ist ein glasfaserbasiertes Quanten-Netz dieser Größe und mit derart moderner Technologie bisher einzigartig in Europa. Mit dem Bayernring beweisen wir eindrucksvoll unsere Stellung als Technologieführer im Bereich Glasfaser. Jeder da draußen soll wissen: Das Photon ist mächtiger als das Elektron! Und darauf bauen wir – auch in Zukunft!“

Ministerialdirektor Dr. Alexander Voitl vom Bayerischen Staatsministerium der Finanzen und für Heimat freut sich über den technischen Fortschritt: „Die Digitalisierung ist eine der größten Herausforderungen für Bayern – vor allem im globalen Wettbewerb. Umso wichtiger ist die Initiative und das Engagement von Unternehmen wie M-net, die als Innovationstreiber die technologischen Voraussetzungen für den Erfolg der hiesigen Wirtschaft schaffen. Nur so bleibt Bayern als Wirtschaftsstandort stark – und auch in Zukunft für Unternehmen sowie die Menschen, die hier leben und arbeiten möchten, attraktiv.“

Mehr Sicherheit und bessere Ökobilanz

Das neue Kernnetz von M-net sei nicht nur viel schneller, leistungsfähiger und zuverlässiger als zuvor. Es setze auch neue Maßstäbe in Punkto Sicherheit. So strahlen Glasfaserkabel laut M-net – anders als beispielsweise Kupferkabel – keine Signale aus und seien besonders abhörsicher. Auch hätten elektromagnetische Einflüsse von außen keine negativen Auswirkungen auf den Betrieb, da nur optische Signale zur Datenübertragung zum Einsatz kommen.

Zugleich sei der neue Bayernring, bei dem die neueste Generation Transponder des Partners Nokia zum Einsatz kommt, um ein Vielfaches energieeffizienter als die derzeitigen Verfahren im Glasfaserausbau, die noch Gigabit DWDM Knoten für die optisch-elektronische Wandlung erfordern. Am meisten komme dieser Vorteil des Quanten-Networkings im Zugangsnetz zum Tragen: So entstehen für eine Versorgung mit effektiv 200 Mbit/s pro Haushalt über die Vectoring-Technologie für eine Stadt wie Augsburg mit 150 000 Wohnungen rund 50 000 Tonnen CO2 pro Jahr mehr als bei einer Versorgung per Glasfaser in FTTH-Technologie, so M-net. Da im reinen Quanten-Netz von M-net keine Umwandlung in elektrische Signale erfolge, müsse auch keine Energie für Wandler- und Verstärkerelemente auf der Strecke oder für die Kühlung von elektrischen Netzkomponenten aufgewendet werden.

Im Vergleich zur Vectoring-Technologie ist ein FTTH Zugangsnetz somit um den Faktor 8 bis 10 kostengünstiger und umweltfreundlicher. Ziehe man zusätzlich die in Kürze fällige CO2-Steuer in Betracht, bedeute die durchgängige Glaserfaser auch sehr signifikante Betriebskostenvorteile. Mit seinem neuen Bayernring stelle man somit unter Beweis, „dass durch den geschickten Einsatz von modernsten Technologien Nachhaltigkeitsziele mit Kostensenkungen kombiniert werden können“, so M-net.

Neues Kernnetz, neue Möglichkeiten

Der neue Bayernring ist ein sogenanntes Overlay-Netz, das auf der bisherigen Core-Infrastruktur von M-net zwischen München und Nürnberg aufsetzt. Der neue Ring wird über zwei zusätzliche Leitungstrassen verfügen. Bereits im ersten Quartal 2020 soll die Süd-West-Tangente aufgebaut werden und München künftig über Augsburg, Ulm, Stuttgart und Karlsruhe mit dem weltweit größten Internetknotenpunkt, dem Deutschen Commercial Internet Exchange (DE-CIX) in Frankfurt, verbinden. Der Ringschluss erfolge Ende 2020 mit der Nord-Ost-Spange. Sie führt von Frankfurt über Würzburg, Nürnberg und Erlangen zurück nach München.

„Die besonders ausfallsichere Ringstruktur sowie das moderne Netzdesign verschaffen uns eine völlig neue Unabhängigkeit und Flexibilität in der Produktentwicklung und Preisgestaltung,“ erklärt Nelson Killius, Sprecher der Geschäftsführung von M-net. „Vor allem bei Service, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit setzen wir durch das neue Netz völlig neue Maßstäbe. Davon werden insbesondere unsere Geschäftskunden – die Unternehmen der bayerischen Industrie und Wirtschaft – spürbar profitieren.“ So erlaube beispielsweise die geringe Latenzzeit im Bayernring von M-net die Auslagerung von Serversystemen in die Cloud, ohne dass im Vergleich zum lokalen Betrieb Verzögerungen beim Zugriff auf die Systeme und Daten spürbar werden. Gleichzeitig sollen Standortvernetzungen und Datenanbindungen in bislang ungeahnten Geschwindigkeiten möglich werden. Dadurch sollen kleinere mittelständische bayerische Firmen in mit M-net Glasfaser versorgten Gebieten die gleiche digitale Infrastruktur, wie sie bisher nur Großkonzernen zur Verfügung stand, erhalten.

Für die Realisierung des Bayernrings hat sich M-net laut eigener Aussage starke Infrastruktur- und Technologiepartner an die Seite geholt: Bereits vor einem Jahr konnte gemeinsam mit dem Nokia-Forschungszentrum in Nürnberg ein wichtiger Feldversuch erfolgreich abgeschlossen werden, bei dem erstmals ein speziell von Nokia entwickelter Hochleistungs-Signalprozessor zum Einsatz gekommen ist. Unter Nutzung eines neuartigen Codierungsverfahrens basierend auf Forschungsarbeiten der TU München wurden damals 500 Gigabit pro Sekunde auf einer Glasfaserstrecke von ca. 320 Kilometern über eine einzige Wellenlänge des Lichts übertragen. Teile der passiven Infrastruktur des Bayernrings werden zudem von Infrastrukturpartnern bereitgestellt – ein Großteil von der GasLINE GmbH & Co. KG, die über ein bundesweites Glasfaser-Backbone verfügt und mit rund 940 Kilometer Netzlänge den größten Teil der passiven Leitungen für das neue M-net Quanten-Netz stellt.


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