Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender OHB SE Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender OHB SE - © Foto: OHB SE -
DAUN, 12.11.2021 - 10:14 Uhr
Entertainment - Unternehmen

OHB-Chef warnt bei weltweiten Boom in der Raumfahrt abgehängt zu werden

Lesetipp: Norwegen wird zur Weltraumnation

Marco Fuchs, Vorstandsvorsitzender des Raumfahrtunternehmens OHB SE, hat vor dem Hintergrund der weltweit stark gestiegenen Aktivitäten vieler auch kleiner Länder in der Raumfahrt davor gewarnt, dass Europa und Deutschland in dem aktuellen Boom mit dem Geschäft im Weltraum nicht den Anschluss verlieren.

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Lesetipp: Norwegen wird zur Weltraumnation

Norwegen wird zur Weltraumnation - Grünes Licht für neue Startbasis von KleinsatellitenIn der aktuellen Dezemberausgabe des Magazins „vivanty“, lesen Sie mehr über die Pläne des Bremer Raumfahrtunternehmens, das den norwegischen Weltraumbahnhof Andøya zum Transport für die Satelliten des konzerneigenen Unternehmens Rocket Factory Augsburg (RFA) ins All nutzen will. Außerdem erfahren Sie alles über den geplanten neuen Startkomplex auf der Insel Andøya, der 35 Kilometer südlich des bestehenden Raketenstartplatzes für suborbitale Flüge errichtet werden soll.

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Der Rest der Welt habe aufgeholt, allen voran Asien, schreibt Fuchs in der neuesten Folge seiner Kolumne „Space Encounter“, die im Digitalmagazin der OHB-Internetseite veröffentlicht wurde.

Die Raumfahrtprogramme von China und Indien seien extrem ambitioniert. „Der Internationale Raumfahrtkongress IAC in Dubai hat kürzlich sehr eindrucksvoll gezeigt: auch andere Regionen der Welt streben mit Macht ins All“, so Fuchs. Die Vereinigten Arabischen Emirate zum Beispiel wollen auf einem Asteroiden landen, schicken eine Sonde zur Venus, eine andere ist in diesem Sommer in die Umlaufbahn des Mars eingeschwenkt, für 2024 ist eine Mission zum Mond geplant. Die Araber sind nur einer der zahlreichen Player im Rennen ums All. Inzwischen gibt es rund 100 Staaten weltweit, die eigene Raumfahrtagenturen gegründet haben, zuletzt hat der zentralafrikanische Staat Ruanda eine solche Agentur gegründet - und kurz darauf angekündigt, eine große Konstellation von Satelliten für Breitbandinternet ins All zu bringen.

„Als Deutscher und überzeugter Europäer bin ich bei all diesen Beobachtungen etwas ins Nachdenken gekommen“, sagt der Raumfahrtunternehmer aus Bremen. „Noch können wir dank unserer Ingenieurinnen und Ingenieure in der Raumfahrttechnologie mit den Besten der Welt mithalten, vor allem im Bereich der Satellitentechnologie gehören Deutschland und viele ESA-Staaten zur absoluten Spitze. Das ist aber schon nicht mehr so bei der Raketentechnologie. Da sind die Unternehmen aus den Vereinigten Staaten längst Jahre voraus. Diesen Rückstand wieder aufzuholen, wird sehr schwer.“ Doch auch auf anderen Feldern müsse Europa aufpassen, nicht den Anschluss zu verlieren. Die Branche sei gerade dabei, sich sehr stark in Richtung Kommerzialisierung zu entwickeln. „Im sogenannten New Space tummeln sich jede Menge agiler, hochinnovativer Startups, die dank der Möglichkeiten von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz mit Daten aus dem All Plattform-Geschäftsmodelle aufbauen. Das Wagniskapital dafür kommt allerdings nur selten aus Europa oder gar Deutschland“, warnt Fuchs.

„Wenn wir also nicht aufpassen, dann werden diese jungen, innovativen Unternehmen mit ihren hochtalentierten Spezialisten dem Ruf von Geldgebern aus den USA, China oder anderen aufstrebenden Regionen der Welt folgen. Wir müssen deshalb unbedingt mehr für die Förderung von Startups in der Raumfahrt tun“, fordert der OHB-Chef. Deutschland habe mit dem Wettbewerb für die Förderung von Microlauncher-Startups einen Anfang gemacht; der neue ESA-Generaldirektor Josef Aschbacher habe mit seiner Agenda 2025 einen klaren Schwerpunkt auf Kommerzialisierung und Investitionen in Startups der Raumfahrt gesetzt. „Das geht alles in die richtige Richtung“, schreibt Fuchs, „wird aber nicht reichen, um mit der dynamischen Entwicklung im Rest der Welt mitzuhalten.“

Die Gelegenheit, in der Weltraumwirtschaft den nächsten Sprung zu machen, sei selten so günstig gewesen wie im Moment. „Raumfahrt und ihre Anwendungen werden in den nächsten zehn Jahren so bedeutend für das Funktionieren von Gesellschaften und Volkswirtschaften sein wie nie zuvor“, so Fuchs weiter. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Europa in diesem historischen Boom nicht unter den Top-Playern sein wird. Um aber wirklich ganz vorne dabei zu sein, muss sich die Politik in Deutschland und Europa jedoch noch viel klarer zu den mit der Raumfahrt verbundenen Möglichkeiten positionieren - und die Chancen für die Volkswirtschaft und den Wohlstand, der den Gesellschaften daraus entstehen kann, viel verständlicher in der Öffentlichkeit erklären.“

Konsortium ist guter Dinge, einen Raumfahrtbahnhof in der Nordsee bis 2023 zu verwirklichen

Es gebe wenige Branchen, die derzeit einen ähnlichen Boom und ähnliche Wachstumsprognosen zu verzeichnen hätten, wie die Raumfahrt. „Auch in Deutschland könnte in den nächsten Jahren daraus eine Art Goldgräberstimmung entstehen - hunderte Startups haben sich in den vergangenen Jahren allein in der Bundesrepublik gegründet. Drei Microlauncher-Startups arbeiten daran, bis 2023 ihren Erstflug zu schaffen. Und ein Konsortium ist guter Dinge, einen Raumfahrtbahnhof in der Nordsee bis 2023 zu verwirklichen. Wenn sich diese Vorhaben alle umsetzen lassen, kann eine Dynamik entstehen, aus der heraus sich ganz neue industrielle Raumfahrt-Cluster bilden.“


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