DAUN, 16.03.2017 - 14:22 Uhr
Entertainment - Veranstaltungen

Spion im Wohnzimmer oder ultimativ konvergente Werbemaschine?

DLM-Symposium am 23. März diskutiert über Smart TV aus Sicht von Werbevermarktung, Regulierung und Datenschutz

Hacken sich CIA-Spione von Frankfurt aus in unsere Smart-TV-Geräte ein, um lückenlose Überwachung auch im heimischen Wohnzimmer zu gewährleisten? Die jüngste WikiLeaks-Enthüllung kokettierte mit diesem Horrorszenario – bis Journalisten feststellten, dass die veröffentlichten Unterlagen keinen Rückschluss auf solche Fernzugriffe zulassen. Aber auch ohne Zutun der Geheimdienste sind vernetzte Fernseher ein ebenso sensibles wie umkämpftes Einfallstor in den Privathaushalt. Grund genug für die Landesmedienanstalten, der „ultimativ konvergenten Werbemaschine im Wohnzimmer“ einen eigenen Themenblock beim DLM-Symposium am 23. März in Berlin zu widmen.

„Smart-TV wird verkannt und enthält etliche Chancen. Wenn das Angebot stimmt und der Zuschauer es nutzt“, findet Michael Enzenauer, Geschäftsführer von mediabrandcast und Referent beim DLM-Symposium. Von Seiten der Werbeindustrie wird es für das langsam, aber sicher aufkommende Geschäftsmodell des Addressable TV genutzt. Via Ad-Server und IP-Protokoll bekommt der Zuschauer sehr viel individueller zugeschnittene Werbemittel ausgeliefert, als es via Broadcast-Signal möglich wäre. Große und kleine Privatsender versuchen derzeit, diesen neuen Monetarisierungsweg über den HbbTV-Standard zu entwickeln. Gleichzeitig fürchten sie um die Signalintegrität ihrer Programme, wenn neben ihnen selbst plötzlich auch Endgerätehersteller oder App-Anbieter Werbung auf demselben Bildschirm ausliefern. Und bei dem, was sie in Sachen Werbung dürfen, sehen sich die Sender gegenüber den weitaus weniger regulierten digitalen Diensten strukturell benachteiligt.

„Zeitgemäß ist das nicht mehr“, sagt Siegfried Schneider, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten (DLM), über die Tatsache, dass die geltende AVMD-Richtlinie der EU noch zwischen linearen und nonlinearen audiovisuellen Mediendiensten unterscheidet und für erstere zeitliche Werbebeschränkungen vorsieht, für letztere aber nicht. „Schließlich führt die Konvergenz dazu, dass lineare und nicht‐lineare Inhalte mehr und mehr auf demselben Gerät abgerufen werden. Unterschiedliche Regulierungsansätze können daher immer weniger mit dem besonderen Charakter eines linearen Rundfunkprogramms begründet werden. Aus diesen Gründen sollte bei der anstehenden Novellierung der AVMD-Richtlinie die Trennung linear/non-linear durch eine Kategorie audiovisuelle Mediendienste, die Rundfunkprogramme und Telemedien zusammenfasst, mit dem Ziel einer parallelen Regulierung ersetzt werden.“

Auch die Datenschützer sehen regulatorischen Änderungsbedarf rund ums Smart-TV. Als problematisch gilt vor allem die von Rundfunkveranstaltern bei HbbTV-Angeboten geübte Praxis, über eine mit dem Rundfunksignal versandte URL bereits bei der Auswahl eines Senders unmittelbar eine Internetverbindung zu dem Server des HbbTV-Anbieters auszulösen. „Dabei verwendet der Anbieter zumindest die IP-Adresse der Betroffenen als personenbezogenes Datum, ohne dass für diesen datenverarbeitenden Schritt eine Rechtsgrundlage erkennbar ist“, urteilt Maja Smoltczyk, Berliner Beauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit und ebenfalls Referentin beim DLM-Symposium. „Viele HbbTV-Angebote ermöglichen derzeit keine technisch anonyme Nutzung auch in den Fällen, in denen auf den interaktiven Teil des HbbTV-Angebots nicht zugegriffen wird.“ Diese Situation sei unbefriedigend, so Smoltczyk.

Das DLM-Symposium unter dem Motto "Werbung ist tot! Es lebe die Werbung!" findet am 23. März 2017 in der Berlin- Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften in Berlin statt.

Detaillierte Informationen zu Programm und Referenten sind online unter www.dlm-symposium.org zu finden. Die Teilnahme ist kostenlos.


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://www.infosat.de/entertainment/spion-im-wohnzimmer-oder-ultimativ-konvergente-werbemaschine

Aktuelle Ausgabe 3/2017

Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.