DAUN, 12.01.2021 - 12:23 Uhr
Entertainment

SWR-Intendant Gniffke will SWR und SR weitgehend vereinen

Intendant des Saarländischen Rundfunks weist Überlegungen zurück

In der Debatte über Auftrag und Struktur des öffentlich-rechtlichen Rundfunks sieht SWR-Intendant Kai Gniffke Reformpotential im Südwesten. Er regt an - ohne Marken oder Programmautonomie aufzugeben - den Saarländischen Rundfunk umfassend mit dem SWR zu vereinen. Der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Professor Thomas Kleist, hat die Überlegungen von Gniffke entschieden zurückgewiesen.

„Ich sehe zwei Sender, die füreinander bestimmt sind“, sagt Gniffke im Interview mit dem Medienmagazin DWDL.de. Gniffke will mit seiner Strukturüberlegung schneller sein als die Medienpolitik und „knapp unterhalb der staatsvertraglichen Regelung“ einen pragmatischen Ansatz für Reformen finden. Eine tatsächliche Fusion bedürfe einer medienpolitischen Entscheidung, die sich Jahre ziehen könnte. „Wir müssen aber nun schneller und vor allem pragmatisch agieren, zumal eine Fusion nichts ist, was wir selbst beschließen können.“

Pünktlich vor der im Februar anstehenden Wahl einer Nachfolgerin oder eines Nachfolgers für den aktuellen SR-Intendant Thomas Kleist, der im April diesen Jahres auf eigenen Wunsch vorzeitig ausscheidet, streckt der Nachbarsender SWR also die Hand aus. „Ich möchte die Kolleginnen und Kollegen des SR einladen, um zusammen darüber nach zu denken, ob wir gemeinsame Direktionen schaffen wollen. Das könnte sich z. B. auf die Produktion, das Justiziariat und auf die Verwaltung beziehen“, skizziert der SWR-Intendant.

Es geht ihm um mehr als eine einfache Kooperation. Kai Gniffke im Gespräch mit dem Medienmagazin DWDL.de: „Erhebliche Potentiale lägen in der gemeinsamen Werbevermarktung, aber es geht weiter: Rechnungswesen, Gebäudemanagement, Buchhaltung, Honorare und Lizenzen sind denkbare Felder. Bis hin zur Überlegung, ob man einzelne Sendungen des SR auch in Studio-Kapazitäten des SWR produzieren könnte. Da geht es um eine klügere Auslastung vorhandener Ressourcen. Es sind ganz viele Punkte, bei denen es aus unserer Sicht lohnenswert wäre, das Gespräch zu suchen.“

Getrieben ist der SWR-Intendant von der Sorge, dass die aktuelle Debatte um die Zukunft des Öffentlich-Rechtlichen einmal mehr ausgesessen werde. „Wenn wir alle nach der Prämisse agieren 'Wie mache ich mir das Leben am leichtesten', dann werden wir eine Auftrags- und Strukturdebatte erleben, die uns um die Ohren fliegt“, mahnt der SWR-Intendant im DWDL.de-Interview. „Wenn unsere Strategie weiterhin darin besteht, nur zu wiederholen und betonen wie angemessen und wichtig der Rundfunkbeitrag ist, gewinnen wir niemanden.“ Kluge Reformen könne und müsse man selbst umsetzen statt getrieben zu werden: „Ich bin überzeugt, dass es Zeit wird, Dinge zu denken, die bislang unvorstellbar gewesen wären.“

SR-Intendant Professor Thomas Kleist zum DWDL-Interview von SWR-Intendant Dr. Kai Gniffke

Zum DWDL-Interview von SWR-Intendant Dr. Kai Gniffke äußert sich der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Professor Thomas Kleist, wie folgt:

„Ich weise die Überlegungen meines SWR-Kollegen entschieden zurück. Der SR wird weder Direktionen zur Disposition stellen, noch Strukturen des SWR übernehmen. Die Eigenständigkeit aller Landesrundfunkanstalten beruht eben nicht nur auf der Programmautonomie, sondern auch auf gut funktionierenden, eigenen Strukturen wie eine gut organisierte Verwaltung oder ein Justitiariat, um ihrer gesetzlichen Aufgabe als autonome Anstalt gerecht werden zu können. Dies gilt etwa auch bei der Vertretung der originären Interessen des SR in den ARD-Kommissionen. Kooperation hört dort auf, wo die Souveränität der Landesrundfunkanstalt angetastet wird. Dass es weitere Kooperationen zwischen SWR und anderen Rundfunkanstalten im Südwesten geben sollte, wurde vor allem vom SR immer wieder vorangetrieben. Kooperationen zwischen selbständigen Einheiten wie den Landesrundfunkanstalten der ARD haben dann Aussicht auf Umsetzung und damit Aussicht auf Erfolg, wenn sie im gegenseitigen Einvernehmen und zu beiderseitigem Nutzen erfolgen“, sagte der Intendant des Saarländischen Rundfunks, Professor Thomas Kleist.


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