DAUN, 04.05.2021 - 11:07 Uhr
Entertainment - Veranstaltungen

Tasting Talk: Fernsehen im Wandel – Alle wollen wertvoll sein

Der neue Medienstaatsvertrag privilegiert Inhalte von öffentlichem Interesse – neudeutsch: „Public Value“ – damit der Zuschauer sie in der schönen neuen Fernsehwelt der Smart-TVs und Digital-TV-Plattformen weiter findet und nutzt. Schon rangeln die TV-Sender um das neue „Prädikat Wertvoll“ und die besten Plätze. Die Medienaufseher freut’s – doch die Plattformbetreiber klagen über Überregulierung.

Medienmacher, -Politiker und Netzbetreiber lieferten sich am Freitag, den 30. April einen pointierten Schlagabtausch um den Medienstaatsvertrag: „Hat das Value und wo gehört das hin?“ fragte Moderator und Journalist Dr. Jörn Krieger beim Tasting Talk.

Daniela Beaujean, Geschäftsführerin und Justiziarin bei VAUNET, Dr. Andrea Huber, Geschäftsführerin beim Kabel- und Breitbandverband ANGA und Dr. Wolfgang Kreißig, Vorsitzender der Direktorenkonferenz der Landesmedienanstalten hatten dreißig Minuten Zeit, ihre Argumente direkt auf den Punkt zu bringen. Gleich nach dem Impulsvortrag von Andreas Gerhardt von Sport1 entspann sich eine lebhafte Diskussion, bei der Standpunkte und Knackpunkte deutlich zu Tage traten. Kürze und Würze gehören zum Konzept der Tasting Talks. Veranstalter Frank Apfel: „Wie bei einer Weinprobe geht es darum, komplexe Themen kompakt, aber informativ zu vermitteln – und Appetit auf mehr zu wecken.“ Bereits im März servierten Apfel und Moderator Krieger einen Tasting Talk zu den juristischen Grundlagen und der Innovationskraft des Medienstaatsvertrags – das Publikum verlangte prompt Nachschlag.

Aufzeichnung auf YouTube

Die Aufzeichnung des Tasting Talks kann hier auf YouTube angesehen werden.

Das sind die Kernaussagen aller Teilnehmer im Überblick

Andreas Gerhardt (Sport1) stellt in seinem Kurzvortrag das Funktionieren des dualen Systems in Deutschland heraus. Er definiert den Public Value als „Wert für die Öffentlichkeit” und folgt dabei der Definition des Gesetzgebers als „Angebote, die in einem besonderen Maß einen Betrag zur Meinung und Angebotsvielfalt im Bundesgebiet leisten“. Um Public Value-Angebote zu privilegieren, entschied sich der Gesetzgeber zur „Auffindbarkeit als Anker zum Public Value“. Trotz einzelner Kritikpunkte an der Ungleichbehandlung einiger Angebote hält er grundsätzlich „sehr viel davon, dass es gewisse Vorgaben der Medienanstalten gibt“ und ergänzt: „Wildwuchs wird dem Ziel, dass wertvolle Inhalte gut gefunden werden sollen, nicht gerecht.“ Seinen Vortrag schließt er mit einem Plädoyer: „Ich glaube, dass es wichtig ist, dass die Medienanstalten ihre Verantwortung wahrnehmen, diese Zukunft mitzugestalten“ und fügt an, dass es besonders wichtig sei, „nicht altes Vollprogramm-Denken zu verlängern, sondern die Vielfalt der Anbieter“ zu sehen und zu fördern.

Dr. Wolfgang Kreißig (DLM) informiert zum aktuellen Stand der Public Value-Satzung und sieht ein „umfangreiches Vorverfahren“, indem versucht wurde, „alle relevanten Stakeholder zu befragen“. Ziel sei es, dass die Satzung „rechtzeitig zum 1. September in Kraft treten kann“. Zum Inhalt hält er fest, dass die Landesmedienanstalten mit der Public Value-Satzung „den Medienstaatsvertrag konkretisieren“ und das Verfahren sowie die Kriterien regeln, „wie Public Value-Inhalte bestimmt werden“. In der Lösung des vorliegenden Public Value-Satzungs-Entwurfs sieht er „eine gute Balance“ zwischen den widerstreitenden Interessen von Plattform- und Inhalteanbietern. Zudem weist er darauf hin, dass „Medien grundsätzlich Kultur- und nicht nur Wirtschaftsgut“ seien und so der Trend zu mehr Public Value-Inhalten der privaten Sender „natürlich positiv“ zu bewerten ist. Zum Thema Hatespeech und Desinformation im Internet stellt er heraus, dass „Meinungsfreiheit voraussetzt, dass die Gesellschaft ein gewisses Maß an Meinung aushalten muss“. Er sieht die „Grenzen in den Strafgesetzen“: „Nicht die Plattformen, sondern die Gesetzgeber“ seien hier in der Verantwortung verbindliche Regelungen und Grenzen zu schaffen.

Dr. Andrea Huber (ANGA) sieht für die Umsetzung der Public Value-Satzung „eher wenig Spielraum“ für die Plattformbetreiber. Im Gegensatz: Sie sieht eine „detailverliebte Regulierung“, an gewissen Punkten gar eine „Überregulierung“. Zum Thema Hatespeech und Fehlinformationen betont sie die Schwierigkeit der Regulierung im Netz und hält fest, dass es aus ihrer Sicht „enorm wichtig ist, bei Fragen der Haftung, auch wirklich diejenigen zu adressieren, die nah an den Inhalten dran sind“. Damit spricht sie sich klar gegen „pauschale Netzsperren“ aus, wie sie aktuell wieder in Brüssel diskutiert werden.

Daniela Beaujean (VAUNET) sieht die Public Value-Satzung grundsätzlich positiv, findet aber „kaum Vorgaben wie die gestalterische Umsetzung aussehen soll“. Hier hätte sie sich „ein bisschen mehr vorstellen können“ als die Maßgabe, dass es „gut auffindbar sein muss“. Sie warnt vor einer unattraktiven Darstellung der Public Value-Inhalte und betont, wie wichtig diese und eine einfache Auffindbarkeit seien: „Wir als Rundfunk sind immer noch am stärksten reguliert. Von uns wird angenommen, dass von uns immer noch die höchste Meinungsbildungsrelevanz ausgeht und spiegelbildlich muss damit auch eine leichtere, privilegierte Auffindbarkeit einhergehen, damit die Sender ihrer Rolle zur Demokratie- und Gesellschaftsförderung nachkommen können“.

Live-Umfrage: Teilnehmer beobachten Trend zu mehr Public-Value-Inhalten im TV

Auch die Zuschauer werden per Live-Umfrage in die Tasting Talks interaktiv eingebunden. Die Frage zur Abstimmung lautete diesmal: Warum gibt es mehr Public Value-Inhalte bei den Privatsendern? Die Mehrzahl (40%) macht dafür bereits die neue Public Value-Skala verantwortlich und sieht bei den Privatsendern das Ziel einer besseren Platzierung. 24% vermuten dahinter eher eine Anpassung der Sender an die Wünsche der Zuschauer, während 18% angaben, dass sie glauben, dass die meisten Sender das Thema noch gar nicht erkannt haben. 18% waren sich unsicher. In diesem Punkt widersprachen die Diskussionsteilnehmer der Abstimmung der Zuschauer. Dr. Wolfgang Kreißig verwies darauf, dass die Satzung erst im September im Kraft trete und auch Andreas Gerhardt sowie Daniela Beaujean sehen eher den eigenen Qualitätsanspruch der Sender als Motivation zur inhaltlichen Neuorientierung.

Typisch Tasting Talks: Die Weinempfehlung zum Schluss.

Zum Wochenausklang empfahl Frank Apfel einen Grüner Veltliner „Große Reserve Ried Hagelsberg“ aus dem Jahre 2016 vom Weingut Familie Pitnauer im österreichischen Göttlesbrunn.

Das Media Tasting ist eine in Stuttgart sowie online ausgerichtete Spitzenveranstaltung für Top-Entscheider und -Experten der Medien- und Kommunikationsbranche in Deutschland. Eine Ausnahmestellung unter den Branchenevents genießt das Media Tasting durch seinen ausgewählten Teilnehmerkreis und sein ungewöhnliches Konzept: An das Prinzip einer Weinprobe angelehnt, werden den Teilnehmern relevante Change- und Innovationsthemen in kurzen Vortrags- und Talk-Impulsen vorgestellt. Im Anschluss erhält jeder Gast die Möglichkeit, aus dem Themenangebot eine individuelle Vertiefung zu wählen. Das Media Tasting setzt auf Klasse statt Masse und schafft einen niveauvollen Rahmen für die Vernetzung und persönliche Weiterentwicklung. Der LfK-Jahresempfang und ein Tasting des internationalen Weinwettbewerbs Mundus Vini runden das Genuss- und Networking-Erlebnis ab.

Als ganzjähriger, rein digitaler Ableger der Media Tastings haben sich seit 2019 die Tasting Talks etabliert; eine hochkarätig besetzte, halbstündige Online-Talkreihe zu aktuellen Branchenthemen.

Das Media Tasting wird gefördert vom Land, der Medien- und Filmgesellschaft (MFG), der Landesanstalt für Medien und Kommunikation (LfK) Baden-Württemberg sowie Sponsoren der Industrie. Veranstalter ist die Apfel Programm Marketing GmbH, Neustadt an der Weinstraße.

Infos unter mediatasting.com


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