DAUN, 15.02.2017 - 15:28 Uhr
Entertainment - Veranstaltungen

Von „SS-GB“ bis „Kudamm 59“ - Berlinale im Serienrausch

(dpa) - Arabische Banden in Berlin, die Besetzung Großbritanniens durch die Nazis, eine Geiselnahme in der U-Bahn - Seriengucker können sich in den nächsten Monaten auf harte Stoffe freuen. Ob die britische „SS-GB“ mit Lars Eidinger als fieser deutscher Offizier in London oder „4 Blocks“ mit den bösen Jungs aus Neukölln - auch in diesem Jahr deutet sich auf der Berlinale eine Fortsetzung des Serienbooms an.

Zwar sagt im jüngsten „Spiegel“ John Landgraf, Chef des amerikanischen Abokanals FX, ein Ende voraus. Der Wettbewerb werde immer ruinöser, 2016 seien mehr als 400 Serien produziert worden, ein Überangebot drohe. In Berlin aber ist die Begeisterung für die Nachkommen der „Sopranos“ ungetrübt.

Fans und Fachbesucher stehen Schlange, in Podiumsrunden unterhalten sich Fachleute über Drehbücher, Finanzierung und die Zukunft der Branche. Auf dem Berlinale-Markt werden den Rechteeinkäufern 20 neue Titel vorgestellt - von Argentinien bis zu den USA.

Mit einer neuen Generation von Regisseuren, Kameraleuten und Autoren seien nun auch Serien „Made in Germany“ zunehmend international konkurrenzfähig, sagt UFA-Produzent Nico Hofmann („Unsere Mütter, unsere Väter“). Immer wieder ist dabei die Rede von „Deutschland 83“. Die zunächst für RTL produzierte Serie hatte im Fernsehen keine berauschende Quote, bei Amazon läuft die Geschichte über den DDR-Grenzsoldaten, der in die Bundeswehr als Spion eingeschleust wird, weltweit. Nun soll im Amazon-Auftrag „Deutschland 86“ als Fortsetzung folgen.

Zwar treiben die Streaming-Plattformen die Entwicklung voran. Aber auch die deutschen Anbieter mischen mit. Der Kalter-Krieg-Dreiteiler „Der gleiche Himmel“, der vom 27. bis zum 29. März im ZDF läuft, wird in der Reihe „Special Series“ genauso vorgestellt wie „4 Blocks“, eine Produktion von Sky Deutschland.

Zeitgeschichte liegt dabei im Trend. Die Intrige „Patriot“ kreist um einen Undercover-Agenten, der die nukleare Aufrüstung Irans stoppen soll. In der dänischen „Gidseltagningen“ (Below the Surface) von Discovery werden 25 U-Bahn-Fahrgäste von einem Terrorkommando entführt. Die Regierung verweigert die Zahlung eines Lösegeldes, die Angehörigen wenden sich an eine beliebte TV-Moderatorin, um die politische Debatte anzuheizen.

Auch „SS-GB“ nach einem Roman von Bestseller-Autor Len Deighton wühlt in der jüngsten Vergangenheit. Wie die Amazon-Produktion „The Man in the High Castle“ über die Besetzung der USA durch NS-Deutschland und Japan, zeichnet die BBC-Produktion ein verstörendes Szenario. In einem von den Nazis besiegten Großbritannien ermittelt Detektiv Douglas Archer (Sam Riley) im Schwarzmarktmilieu. Bald muss er feststellen, dass sich dort bereits die SS, Scotland Yard und die Widerstandsbewegung tummeln. Der Fünfteiler soll im Herbst auf RTL Crime anlaufen.

Doch was werden die Menschen in den kommenden Jahren sehen wollen, hält der Serientrend an? Der israelische Regisseur Dror Moreh („Töte zuerst - der israelische Geheimdienst“), der gerade am Drehbuch für eine Serie nach Frank Schätzings Bestseller „Breaking News“ arbeitet, wagt keine Prognose. „Wer hätte vor fünf Monaten gedacht, dass ein Tochter-Vater-Film wie „Toni Erdmann“ jetzt im Rennen um einen Oscar ist?“. Und lässt sich eine Erfolgsformel beliebig weiterspinnen? Nico Hofmann, Chef von UFA Fiction, kündigt jedenfalls an, dass mit „Kudamm 59“ die Nachkriegsgeschichte „Kudamm 56“ eine Fortsetzung bekommt.


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