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DAUN, 12.10.2018 - 10:24 Uhr
Entertainment

Wie stark wird Artikel 13 den Unterhaltungssektor treffen?

Das Ende der Internet-Memes scheint unmittelbar bevorzustehenden, wenn man diversen Berichten und Posts in den Sozialen Medien Glauben schenken möchte. Doch was genau hat es mit dieser Entwicklung auf sich und was steckt hinter Artikel 13, der für die Neuerungen verantwortlich ist? Wir blicken einmal näher auf die Angelegenheit.

Was ist geschehen und welche Entwicklungen sind zu erwarten?

Hinter der großen Debatte um das Weiterleben von Internet-Memes steht die Europäische Union. Diese arbeitet derzeit an ihren Copyright-Gesetzen, um die lang überfällige Anpassung an die zunehmende Digitalisierung durchzuführen. Um Publishern höhere Kontrolle über ihre Inhalte zu gewährleisten, werden allerdings die Rechte und Freiheiten der Online-Nutzer massiv eingeschränkt. Ebenso negative Auswirkungen sind für Unternehmen und Start-Ups innerhalb der EU denkbar. Generell geht es um zwei Artikel: 11 und 13. Dabei geht es im erstgenanntem Artikel um eine Link-Steuer für Snippets von journalistischen Texten. Der Publisher müsste entsprechend eine Lizenz an den interessierten Nutzer verkaufen, um die Snippets auf seiner Seite zu nutzen. Der schiere Umfang dieser Aktion (siehe Snippets bei Twitter, Facebook und Co.) macht Artikel 11 allerdings zu einem wenig wahrscheinlichen Vorschlag, da ein Testlauf in Deutschland und Spanien bereits krachend scheiterte.

Bei Artikel 13 ist es da schon ganz anders, da es sich aller Voraussicht nach um einen erfolgreich umgesetzten Artikel handeln wird. Der Hauptzweck hinter dem Vorschlag ist es, Internetplattformen mit großem Umfang an von Nutzern hochgeladenen Inhalten dazu zu bringen, diese Inhalte zu verfolgen und zu filtern, um Copyright-Verletzungen zu verhindern. Daneben soll das Verhalten von Nutzern näher überwacht werden. Wie genau diese Voraussetzungen von einer Plattform umzusetzen sein sollen, bleibt jedoch fraglich. Wenn eine beliebte Plattform wie Instagram auf einmal sämtliche vorhandenen Fotos auf Copyright-Verletzungen durchsuchen muss, könnte dies einige Zeit lang dauern. Auf die Beteiligten hat dies letztlich vier Auswirkungen. Einerseits wird die Freiheit deutlich eingeschränkt, da es Upload-Filter geben wird/muss, um mit dem Regularien einherzugehen. Diese sind bei weitem nicht perfekt und haben ihre bekannten Schwächen. Ebenso wird es für kleinere Unternehmen nicht mehr möglich sein, die hohen Preise für entsprechend Überwachungssoftware zu zahlen. Entsprechend werden Unternehmen in der EU Verluste einfahren und potentiell Outsourcing außerhalb der EU betreiben. Zuletzt können die Benutzer selbst noch legale Probleme erhalten, wenn sie im Voraus an das Veröffentlichen von Memes nicht ausführlich die Copyrights der Einzelteile recherchieren.

Was passiert mit Videos, Games und Online-Shops?

Nachdem Artikel 13 im September die Zustimmung im Europäischen Parlament fand, sieht die Zukunft des Internets fraglicher aus als je zuvor. Was vorher wie selbstverständlich möglich war, ist es in einigen Monaten womöglich nicht mehr. Wie steht es zum Beispiel um Spiele, die bekannte Thematiken aufgreifen? Ein Beispiel hierfür ist das Spiel Ted im Online Casino von Karamba, wofür der gleichnamige Film als Grundlage dient. Dennoch muss man sich hier wohl keine allzu großen Sorgen machen. Die Entwickler des Spiels besitzen eine Lizenz von den Machern und begehen keinerlei Urheberrechtsverletzungen mit dem Angebot ihres Spiels. Gleiches gilt generell für große Franchise-Unternehmen, die auf Filmen oder Filmreihen beruhen. Größere Probleme könnte es dabei schon für das beliebte Genre geben, das sich auf Youtube seit langer Zeit etablierte: Let's Play Videos. In diesen treten die Gamer in einem bestimmten Spiel an, oftmals in Kollaborationen unter verschiedenen Kanälen, und legen neben dem Spaßfaktor viel Wert auf die Narration und Präsentation der eigenen Persönlichkeit während des Spielens an sich. Diese könnten schon bald deutlich weniger oft online zu finden sein, wenn Youtube sich dazu entscheidet, die Ausgaben in Richtung des Spieleentwicklers einzudämmen.

Ähnliches würde für die sich immer weiter ausbreitenden und leicht zu erstellenden Reaktionsvideos gelten. Geschieht also etwas Unglaubliches in der Welt, dann reagierten unzählige Menschen auf Youtube, Twitter und Facebook bislang innerhalb von kurzer Zeit darauf. In der Zukunft wird dies ebenso deutlich weniger häufig geschehen. Online-Shops, die nicht von Nutzeruploads leben, sollten von Artikel 13 keinerlei großen Nachteile erhalten. Offen bleibt, wie etwa Rezensionen zu verschiedenen Produkten gehandhabt werden. Größere Probleme kommen da beispielsweise auf Open Source und Software-Sharing-Websites zu. Missverständnisse sind angesichts der sehr komplexen Code-Struktur zu erwarten, da selbst die unterschiedlich großen Teile eines Codes oftmals an verschiedenen Orten lizensiert sind. Entsprechend sprachen sich auch die Gründer der größten Plattform seiner Art, GitHub, gegen die Umsetzung des Artikels 13 aus. Dieser hat vor seiner endgültigen Umsetzung noch eine kleine Reise durch die Stationen der EU vor sich.

 


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