Claus Grewenig, Klaudia Wick, Gerd Bauer, Norbert Schneider (v.l.) Claus Grewenig, Klaudia Wick, Gerd Bauer, Norbert Schneider (v.l.) - © Foto: LMS/Franz-Gallé -
DAUN, 13.06.2014 - 15:33 Uhr
Entertainment - Veranstaltungen

Zehn Jahre Bürgerportal Progammbeschwerde.de

Anlässlich des zehnjährigen Bestehens des Bürgerportals der Medienanstalten, Progammbeschwerde.de, veranstaltete die LMS am 11. Juni in Saarbrücken einen Fachdialog zum Thema „Public Value und Partizipation: Braucht das private Fernsehen einen Publikumsrat?“ Vor einem Fachpublikum aus Medien, Politik, Gremien und Gesellschaft berichtete der Initiator des Projekts und Direktor der LMS, Gerd Bauer aus zehn Jahren Beschwerdepraxis: „Im Verlauf der Jahre hat sich gezeigt, dass sich die Zahl der an uns gerichteten Anliegen – mit Ausnahme von Beschwerdewellen – bei ca. 1.000 pro Jahr eingependelt hat. Erfreulich ist dabei, dass sich die Qualität der Beschwerden durch Wahrnehmung der Informationen auf dem Portal verbesserte. Insgesamt erfährt das Bürgerportal dann Wertschätzung, wenn es einem Ohnmachtsgefühl abhilft, wenn der Einzelne sich einem unüberschaubaren Konstrukt „Medienmacht“ ausgeliefert sieht, keinen Adressaten für sein Anliegen findet und keine eigene Wirksamkeit verspürt. Publikumsfragen und Beschwerden können dann ein nützliches Instrument der Medienentwicklung sein, wenn sie eine Stelle finden, die sie ernsthaft aufnimmt, organisiert und schließlich einem handelnden Organ zuführt.“ Es gelte nun, diese Funktionen durch Vernetzung mit Gremien und Institutionen in der Zukunft auszubauen, so Bauer.

Gesellschaftliche Verpflichtung

In einer Keynote zum Thema „Public Value und Privatfernsehen“ beleuchtete Norbert Schneider die Beziehung von Rundfunkfreiheit und Programmbeschwerde. Der frühere Direktor der Landesanstalt für Medien Nordrhein-Westfalen und Mitglied des Beirats des Kodex Deutschland für Telekommunikation und Medien (DVTM) stellte fest, dass aus der Position des Rundfunks als Träger grundgesetzlich garantierter Freiheitsrechte auch eine gesellschaftliche Verpflichtung resultiere. „Public Value ist keine freiwillige Leistung, sondern eine Bringschuld des privaten Fernsehens“, so Schneider. Dabei sei durchaus zu berücksichtigen, dass Fernsehen überwiegend ein Unterhaltungsmedium sei. Die Funktion der Beschwerde im Verhältnis von Sendern und Publikum verortete Schneider vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Wertvorstellungen. Sender und Publikum seien stillschweigend an Werte als ein gemeinsames Drittes gebunden. „Abweichungen von diesem Wertekanon wirken, auch wenn sie von der Rundfunkfreiheit gedeckt erscheinen, auf das Publikum provozierend, irritierend, manchmal verstörend. Der Sitz im Leben für die Beschwerde des Publikums ist das gefühlte gebrochene Versprechen.“

Klare „Arbeitsteilung“ zwischen Publikum und Veranstalter

In der anschließenden Diskussion stellte Klaudia Wick, Fernsehkritikerin und Leiterin des Fernsehfilmfestivals Baden-Baden, zum Verhältnis Publikum und Veranstalter klar, dass es bei einer klaren „Arbeitsteilung“ bleiben sollte. Bei neuen Formaten mit Publikumsbeteiligung (z. B. „Berlin Tag und Nacht“) sei durchaus festzustellen, dass es sonst auch zu affirmativen Effekten kommen könne. Eine Geschichte müsse letztlich durch Impulse des Senders getrieben werden. Allerdings könne auch bei Beibehaltung der Rollen von Sender und Empfänger eine Publikumsdebatte um neue Formate und Werte wichtig für die Entwicklung des Mediums sein. In den letzten Jahren hätten sich bei zunächst umstrittenen Formaten (z. B. „Ich bin ein Star, hol mich hier raus!“) auch neue Standards entwickelt, die letztlich zur Mainstream-Unterhaltung führten. Qualität von Fernsehen zeige sich aber nicht nur an seinen Inhalten, sondern auch an seiner Funktion an einem jeweiligen Sendeplatz. Der „Tatort“ beispielsweise bediene zu seiner Sendezeit ein gerade vor Beginn der neuen Woche nachgefragtes Unterhaltungsinteresse. Bei Gelingen steige die Quote.

Ausbau der Interaktivität

Claus Grewenig, Geschäftsführer des Verbands Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT), griff das Instrument Quote als maßgeblichen Einflussfaktor des Publikums auf. Aus diesem Grund und wegen der mittlerweile stark nachgefragten Einbeziehung sozialer Medien durch die Sender könne er kein Ausgeliefertsein der Zuschauer feststellen. Diese Interaktivität müsse ausgebaut und auch für die Programmentwicklung genutzt werden. Auch Programmbeiräte, wie sie bei einigen privaten Sendern bestehen, könnten einen Beitrag zur Entwicklung von Leitlinien und zur Diskussion ethischer Maßstäbe leisten. Die Bewertung des „Public Value“ sollte sich darüber hinaus nicht an einzelnen Programmen orientieren, in die Vielfaltsbetrachtung müsse vielmehr der gesamte Bereich des privaten Fernsehens einbezogen werden. Aus dem Publikum der Veranstaltung wurde deutlich ein gesellschaftlicher „Anspruch auf Qualität“ postuliert. Es bestehe eine Verantwortung der Sender, diesem Anspruch gerecht zu werden.

www.lmsaar.de

www.programmbeschwerde.de


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