DAUN, 29.09.2011 - 17:11 Uhr
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DAB+-Frequenzwechsel in Nordrhein-Westfalen: „Ein zweites ‚Dortmund’ wird vermieden“

Digitalmagazin im Gespräch mit Thomas Wächter, Leiter Produktmanagement der Business Unit Hörfunk bei Media Broadcast

Das DAB+-Ensemble wechselt in Nordrhein-Westfalen von Kanal 5A auf 5C, damit ist eine vorübergehende Abschaltung wie Anfang September in Dortmund vom Tisch. „Mit dem Kanalwechsel an den Standorten Bonn, Düsseldorf, Dortmund, Langenberg und Köln reagieren wir aktiv auf die Störproblematik und schließen mögliche Beeinträchtigungen des Behördenfunks aus“, sagt Thomas Wächter, Leiter Produktmanagement der Business Unit Hörfunk bei dem Sendernetzbetreiber Media Broadcast. Dies sei insbesondere mit Blick auf die Feierlichkeiten Anfang Oktober in Bonn zum Tag der Deutschen Einheit von zentraler Bedeutung. „Ein zweites ‚Dortmund’ wird dank eines raschen und flexiblen Vorgehens der Beteiligten vermieden.“ In den kommenden vier Wochen werde nun für NRW eine dauerhafte frequenzrechtliche Lösung angestrebt. Zudem wird auch für die weiteren „5A-Regionen“ ein Kanalwechsel diskutiert, wie Wächter im exklusiven Digitalmagazin-Interview erläutert.

Digitalmagazin: Herr Wächter, der neue nationale DAB+-Multiplex ist seit zwei Monaten on air. Wie ist Ihre Zwischenbilanz?

Wächter: Aus Sicht des Sendernetzbetreibers ist der Start des bundesweiten Digitalradio-Sendernetzes gelungen. Ich würde sagen: Mission accomplished. Und damit kann ich sicherlich auch für unsere Partner in der Endgeräteindustrie sowie die beteiligten Radioveranstalter sprechen. Alle 27 Senderstandorte befinden sich im regulären Senderbetrieb, mit allen Vorteilen eines Gleichwellennetzes. Erstmals in der Radiogeschichte Deutschlands wird damit ein bundesweit verfügbares, einheitliches Radioprogramm verbreitet. Es erreicht momentan bereits rund 38 Millionen Zuhörer per Inhaus-Empfang und versorgt rund 50 Prozent der bundesdeutschen Fläche. Damit erreichen wir von Beginn an eine hohe Zahl an Zuhörern und legen so die sichere Basis für die Refinanzierungsmöglichkeiten der beteiligten Radiobetreiber.

Die ersten Reaktionen zeigen, dass wir ein attraktives Programmangebot on air gebracht haben, das natürlich in den kommenden Monaten weiter ausgebaut werden soll. Gleichwohl verdeutlicht das aktuelle Programmangebot schon jetzt den attraktiven Mehrwert des Digitalradios. Auch auf der IFA verzeichneten wir ein reges Interesse seitens der Zuhörer, der Endgeräteindustrie und des Handels. Damit haben wir die von vielen gefürchtete Henne-Ei-Falle umgangen und können uns voll auf die Entwicklungsperspektiven konzentrieren.

Gleichwohl gab es in den vergangenen Wochen Probleme hinsichtlich der Frequenzkoordination, die Media Broadcast als Senderbetreiber direkt betroffen haben, obwohl wir sie nicht zu verantworten haben. Media Broadcast hat den bisherigen Betrieb des bundesweiten Digitalradio-Sendernetzes ordnungsgemäß und unter Einhaltung aller der Lizenzierung zugrunde liegenden Parameter durchgeführt hat. Die Verbreitung des neuen digitalen Radios, das den Empfang von Hörfunkprogrammen und multimedialen Zusatzdiensten ermöglicht, erfolgt auf international koordinierten Frequenzen, die von der Bundesnetzagentur zugeteilt und genehmigt worden sind. Der Ball liegt bei der Bundesnetzagentur. Wir erwarten eine rasche Lösung. Natürlich unterstützen wir dabei gerne, wie die jüngsten Entwicklungen belegen.

Digitalmagazin: Noch in diesem Jahr könnte das Netz – insbesondere entlang der Autobahnen – ausgebaut werden. Welche Szenarien diskutieren Sie konkret?

Wächter: Der weitere Ausbau des neuen Digitalradio-Sendernetzes wird selbstverständlich angestrebt. Dabei haben wir sowohl die Versorgung in der Fläche als auch entlang der Autobahnen im Visier, um speziell auf den Fernstraßen die Vorteile des Digitalradios bei den Mobilempfängern in den Fahrzeugen aufzuzeigen und die zunehmende Zahl der DAB+-Empfänger in den Fahrzeugflotten zu adressieren. Wir befinden uns diesbezüglich in konstruktiven Gesprächen mit unseren Partnern. Gleichwohl ist es aktuell noch zu früh für Details, wir bitten um Verständnis.

Digitalmagazin: In Nordrhein-Westfalen wird das DAB+-Ensemble von Kanal 5A auf 5C umgesetzt, insbesondere um die Störproblematik mit dem analogen Polizeifunk zu lösen. Bleibt es langfristig dabei?

Wächter: Mit dem Kanalwechsel an den Standorten Bonn, Düsseldorf, Dortmund, Langenberg und Köln reagieren wir aktiv auf die Störproblematik und schließen mögliche Beeinträchtigungen des Behördenfunks aus. Dies ist besonders mit Blick auf die Feierlichkeiten Anfang Oktober in Bonn zum Tag der Deutschen Einheit von zentraler Bedeutung. Ein zweites „Dortmund“ wird dank eines raschen und flexiblen Vorgehens der Beteiligten vermieden. Wichtig ist festzuhalten: Betroffene Digitalradio-Hörer in Nordrhein-Westfalen sollten einen Sendersuchlauf durchführen. Anschließend empfangen sie das neue nationale Digitalradio-Angebot weiter wie gewohnt.

Der Kanalwechsel erfolgt im Einverständnis mit der Bundesnetzagentur sowie im gegenseitigen Einvernehmen mit den niederländischen Inhabern der Nutzungslizenz für den Kanal 5C. Eine dauerhafte frequenzrechtliche Lösung mit diesen Partnern wird in den kommenden vier Wochen angestrebt. Auch wenn unser bisheriger Sendernetzbetrieb ordnungsgemäß erfolgt ist – wir unterstützen gemeinsam mit unseren Partnern sämtliche Bestrebungen mit Nachdruck, um den neuen Kanal 5C beizubehalten und auf weitere Senderstandorte auszuweiten.

Klar ist eines: Wir sitzen alle in einem Boot und müssen gemeinsam das Problem der Frequenzkoordination lösen. Klar ist aber auch: Das Kommando liegt bei den Lizenzierungsbehörden. Wir erwarten, dass die Bundesnetzagentur die Aufgabe zeitnah löst, indem sie den Wechsel federführend begleitet.

Digitalmagazin: Media Broadcast steht mit den Behörden und betroffenen Frequenznutzern in den angrenzenden Nachbarländern in Kontakt, um nach Möglichkeit den Kanal 5C auch in den übrigen Regionen Westdeutschlands nutzen können. Wie ist hier der Stand der Gespräche?

Wächter: Media Broadcast setzt sich mit Nachdruck für eine rasche Lösung bei der Frequenzkoordination ein, die den Interessen aller Betroffenen gerecht wird. Ziel ist es, die unzumutbaren Beeinträchtigungen des neuen Digitalradio-Angebotes für Radiobetreiber und Zuhörer zu beenden. Hierzu haben beispielsweise mit der Schweiz jüngst Gespräche stattgefunden, die ebenfalls sehr positiv verlaufen sind. Mit den Eidgenossen hat man sich ebenfalls auf die Nutzung alternativer Frequenzen einigen können. Im Ergebnis ergeben sich dadurch weitere, bessere Möglichkeiten für den Betrieb des bundesdeutschen Digitalradio-Sendernetzes im Westen.

Digitalmagazin: Welche Vorteile hat eine solche Harmonisierung auf 5C für den Hörer?

Wächter: Neben der Lösung der BOS-Problematik hätte die 5C-Harmonisierung deutliche Vorteile für den Zuhörer. Sie würde sich beispielsweise bei einer Autofahrt von München nach Stuttgart bemerkbar machen. Wo gegenwärtig noch ein Frequenzwechsel beim Erreichen der westlichen Versorgungsflächen notwendig ist, wäre bei der flächendeckenden Einführung von 5C für ganz Deutschland der nahtlose Empfang des Bundesmuxes möglich. Zudem würde die 5C-Harmonisierung die Versorgungssicherheit des Gleichwellennetzes nochmals verbessern. Letztlich würden auch der Handel und die Radiobetreiber von dieser Entwicklung profitieren.

Digitalmagazin: Wie sieht Ihre weitere Roadmap beim Ausbau des „Bundesmuxes“ aus?

Wächter: Wir verfolgen bei unseren Planungen die Vorgaben der Bundesnetzagentur, die bis 2014/2015 eine flächendeckende Versorgung in der Bundesrepublik vorsieht. Dabei konzentrieren wir uns gemeinsam mit unseren Partnern mit aller Kraft darauf, dieses Ziel in den kommenden Monaten und Jahren zu realisieren. Mit dem Aufbau von insgesamt 110 Senderstandorten wird Digitalradio dann endgültig deutschlandweit mit einer einheitlichen Programmbelegung zur Verfügung stehen.

Digitalmagazin: Herr Wächter, vielen Dank für das Gespräch.

www.media-broadcast.com

Hinweis: Lesen Sie mehr zu DAB+ in der Oktober-Ausgabe von INFOSAT. Das Heft 10/2011 ist ab 30. September im Handel erhältlich.

Dies ist eine Meldung aus unserem digitalen Nachrichtendienst „Digitalmagazin“.

Alle Informationen zu Abonnements und Preisen finden Sie unter www.digitalmagazin.info.


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