DAUN, 16.10.2013 - 20:29 Uhr
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Sanftere Töne aus Berlin und Bonn: „Stellen DVB-T2 nicht in Frage“

(dm) – In der Debatte um die Zukunft der digitalen Terrestrik und um eine neuerliche Umwidmung von Rundfunkfrequenzen an den Mobilfunk schlagen das Berliner Bundeswirtschaftsministerium und die Bonner Bundesnetzagentur sanftere Töne an. „Der Rundfunk muss dauerhaft die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln“, sagte Hans-Joachim Otto, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, am 16. Oktober auf dem Infrastrukturgipfel der Münchner Medientage. Deshalb sei nun Kompromissbereitschaft von allen Beteiligten gefordert. „Wir stellen DVB-T2 nicht in Frage“, betonte auch Iris Henseler-Unger, Vizepräsidentin der Bundesnetzagentur. Man rede nicht über das Ob, sondern über das Wie.

Erleichterung nach Irritation?

Diese Äußerungen dürften bei einigen Rundfunkverantwortlichen für etwas Erleichterung sorgen, zeigten diese sich doch zuletzt irritiert von dem aus ihrer Sicht forschen Vorgehen der Bundesnetzagentur. Das ZDF etwa hatte dem „überraschenden Plan“ der Bundesnetzagentur, das für die Rundfunkverbreitung wichtige 700-MHz-Band bereits 2015 zu versteigern und ab 2017 dem Mobilfunk für eine Nutzung zur Verfügung zu stellen, deutlich widersprochen. Eine veränderte Nutzung des 700-MHz-Bandes könne frühestens ab 2020 erfolgen, hieß es in Mainz. In diesem Zeitfenster, so der Plan von ARD und ZDF, soll die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2 abgeschlossen sein (INFOSAT berichtete).

Vorschlag: 2018 Umwidmung der Frequenzen

Ob dieser Zeitraum tatsächlich drei Jahre betragen kann, genau darüber wird nun wohl gerungen. Henseler-Unger betonte, dass der Mobilfunk gewaltig unter Druck stehe – vor dem Hintergrund des stetig wachsenden mobilen Datenverkehrs. Sie brachte das Jahr 2018 für eine Umwidmung der Frequenzen an den Mobilfunk ins Spiel – ergo blieben in diesem Jahr für einen Simulcast bzw. eine Umstellung von DVB-T und DVB-T2 gerade ein Jahr Zeit. Die 700-MHz-Frequenzen seien notwendig ab „2018+“, bekräftigte auch Telekom-Manager Karl-Heinz Laudan. „Um ein, zwei Jahre wird man sich aber einigen können“, deutete auch er Kompromissbereitschaft an.

Pro Sieben Sat 1: „Sind auf gutem Weg“

Während ARD und ZDF sich eindeutig zur Umstellung auf DVB-T2 bekannt haben, ist man bei Pro Sieben Sat 1 noch etwas zurückhaltend. „Wir können nicht fest zusagen, sind aber auf einem guten Weg“, sendete Pro Sieben Sat 1-Managerin Annette Kümmel erste positive Signale. Zu reden sei aber über Plattformen, Verschlüsselung und Kosten. Die Terrestrik, bekräftigte Kümmel, sei ein wichtiger Verbreitungsweg. „Das darf man nicht frühzeitig aufgeben“, sagte sie – mit einem kleinen Seitenhieb auf den Konkurrenten RTL. Die Kölner Sendergruppe hatte sich für einen Ausstieg aus der Terrestrik entschieden, Pro Sieben Sat 1 hielt dagegen an DVB-T fest. Als Beispiel für ein zukünftiges Modell führte Kümmel das österreichische Vorbild „Simpli TV“ an; dort ist RTL übrigens mit an Bord – vielleicht könnte das ja ein Fingerzeig sein?

Medienanstalten zu Federführung bereit

Den Umstieg auf DVB-T2 werden die Landesmedienanstalten aller Voraussicht nach koordinieren. Der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor hatte in einem Schreiben den Medienhütern diese Moderatorenfunktion vorgeschlagen. „Wir sind bereit, diese Rolle und damit eine gewisse Federführung zu übernehmen“, sagte Jürgen Brautmeier, Direktor der Landesanstalt für Medien NRW und Vorsitzender der DLM, in München zu. Wie der Umstieg in welchem Zeitraum umzusetzen ist, wird nun Gegenstand der nächsten Gespräche sein. „Die Diskussion brauchen wir jetzt“, bekräftigte MDR-Intendantin Karola Wille. Die Chancen darauf, dass sich alle Beteiligten auf eine vernünftige Kompromisslösung einigen könnten, scheinen nach München nun jedenfalls gegeben zu sein.

www.medientage.de

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