DAUN, 21.12.2012 - 12:53 Uhr
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Unitymedia hebt Grundverschlüsselung auf – Erleichterung des digitalen Kabelempfangs ab Januar

Ab dem 2. Januar 2013 können Unitymedia-Kunden in Nordrhein-Westfalen und Hessen neben den öffentlich-rechtlichen Sendern nun auch die privaten Free-TV-Programme digital unverschlüsselt empfangen. Darauf wies der Kabelnetzbetreiber Unitymedia Kabel BW am 21. Dezember hin.

Direkter Empfang mit digitaler Kabelbox oder Flachbild-TV mit integriertem DVB-C-Tuner

Mit der unverschlüsselten digitalen Verbreitung der privaten Free-TV-Programme (z. B. RTL, Pro Sieben, Sat 1, Vox oder auch DMAX) können Kunden von Unitymedia direkt über einen kabelgeeigneten Digital-Receiver rund 70 digitale Fernsehsender in SD-Qualität (Standard Definition (720 × 576 Pixel/576i)) empfangen. Zur Nutzung dieses digitalen Fernsehangebots wird dann keine Smartcard des Kabelnetzbetreibers mehr benötigt und es können handelsübliche digitale Kabelreceiver zum Empfang genutzt werden. Kabelkunden, die bereits einen modernen Flachbildfernseher mit eingebautem digitalem Empfangsgerät für Kabelempfang (DVB-C) nutzen, können direkt die erweiterte digitale Programmvielfalt genießen. Frei empfangbare HD-Sender können mit HD-tauglichen Kabelreceivern oder Flachbildfernsehern mit integrierten DVB-C-Tunern ebenfalls genutzt werden.

Unitymedia auch Endgeräteanbieter

Kunden mit Fernsehgeräten ohne DVB-C-Tuner bietet Unitymedia auch weiterhin Endgeräte zum Empfang an: einen Unitymedia-HD-Receiver und einen HD-Recorder. Diese seien auch für den Empfang von zusätzlichen Pay-TV-Inhalten (z. B. Digital TV Highlights oder Sky) und der HD-Sender der privaten Sendergruppen (z. B. RTL HD und Pro Sieben HD) vorbereitet, teilte das Unternehmen mit. Unitymedia bietet auch ein CI+-Modul „HD-Modul (CI+)“ an, welches den Empfang der Pay-TV-Inhalte mit handelüblichen DVB-C-Set-Top-Boxen, insofern dort eine CI+-Schittstelle vorhanden ist, oder Flachbildschirmen mit integriertem DVB-C-Tunern ermöglicht. Unitymedia erledige die Umstellung netzseitig, hieß es. An den vorhandenen Endgeräten (Digital-Receivern und Fernsehern) oder auch an der Hausverkabelung müssten keine Anpassungen vorgenommen werden – das digitale Programmangebot und die Senderplätze bleiben erhalten.

Verzicht auf Grundverschlüsselung durch Auflagen des Bundeskartellamts

Die Aufgabe der Grundverschlüsselung geschieht allerdings nicht ganz freiwillig: Mit der Aufhebung der Grundverschlüsselung setzt Unitymedia eine Zusage an das Bundeskartellamt um, die das Unternehmen im Rahmen des Zusammenschlusses von der Liberty Global-Tochter Unitymedia und Kabel BW gemacht hatte (Digitalmagazin berichtete).

Das Bundeskartellamt hatte am 15. Dezember letzten Jahres die Übernahme des Kabelnetzbetreibers Kabel Baden-Württemberg durch die Liberty Global Europe Holding unter Bedingungen und Auflagen freigegeben. Liberty verpflichtete sich der Behörde gegenüber, Sonderkündigungsrechte für große Gestattungsverträge einzuräumen und die Verschlüsselung digitaler Free-TV-Programme im Januar 2013 zu beenden. Daneben hatte Liberty den Verzicht auf bestimmte Exklusivitätsklauseln und auf Eigentumspositionen bzw. Rückbaurechte an Hausnetzen zugesagt.

Nach der Übernahme von Kabel BW durch Liberty Global, einem internationalen Kabelnetzbetreiber mit Unternehmen in 13 Ländern, wurde der Zusammenschluss der Liberty Global-Töchter Unitymedia in Nordrhein-Westfalen und Hessen sowie Kabel BW in Baden-Württemberg offiziell unter die Dachmarke Unitymedia Kabel BW vollzogen. Unter den Kundenmarken Unitymedia (Nordrhein-Westfalen und Hessen) und Kabel BW (Baden-Württemberg) erreicht das Unternehmen nach eigenen Angaben 12,6 Millionen Haushalte mit Breitbandkabeldiensten.

Kritik an Grundverschlüsselung bei Kabel Deutschland

Kritikwürdig bleibt die weiterhin verbleibende und zunehmend Ablehnung erfahrende Grundverschlüsselung der privaten Sender in SD-Qualität beim größten deutschen Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland (KDG): Nicht nur die INFOSAT kritisiert seit Jahren den Irrweg der sogenannten Grundverschlüsselung, die für den Zuschauer nur Nachteile erbringt (Adressierung, kostenpflichtige Smartcard für jeden Empfänger, proprietäre Empfangstechnik oder lizenzierte CI-Module, Zusatzkosten). Dies alles nur, um die beispielsweise über Satellit kostenfrei ausgestrahlten Privatsender digital empfangen und nutzen zu können.

Unter anderem hatte vor kurzem die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz erneut die KDG mit Blick auf die sogenannte „Grundverschlüsselung“ der privaten digitalen SD-Sender ins Visier genommen. So würden Kabelkunden aus Rheinland-Pfalz beim Empfang von Privatsendern ab Jahresbeginn gegenüber Kabelnutzern aus Nordrhein-Westfalen, Hessen und Baden-Württemberg benachteiligt (Digitalmagazin berichtete).

Im Sommer dieses Jahres hatte die Kommission für Zulassung und Aufsicht der Medienanstalten (ZAK) einen Verzicht auf die Grundverschlüsselung privater Free-TV-Programme in SD-Qualität in betroffenen Kabelnetzen eingefordert. Die Beendigung der Grundverschlüsselung würde die Digitalisierung beschleunigen, stellte die ZAK fest. Der Verzicht auf die Verschlüsselung privater Free-SD-Programme würde „einen Impuls für die weitere Digitalisierung des Fernsehempfangs in Deutschland“ erzeugen. Die Kommission wies auf den Erfolg bei der Digitalisierung des Satellitenempfangs, bei dem es keinerlei Grundverschlüsselung privater Sender in SD-Qualität gibt, hin: „Grundlage der Beendigung der analogen Satellitenverbreitung und des erfolgreichen Umstiegs am 30. April 2012 auf diesem Übertragungsweg war, dass private Programme in SD-Qualität digital nicht verschlüsselt werden und deshalb mit jedem digitaltauglichen Empfänger ohne Zusatzkarte und Zusatzentgelte genutzt werden können, ebenso wie bis dahin die analogen Programme“. Die Hoffnungen, die Adressierbarkeit in SD werde zur Finanzierung neuer Programmveranstalter und -inhalte beitragen, hätte sich nicht erfüllt, hieß es weiter. Im Gegenteil würden private TV-Veranstalter durch die wachsende Anzahl an Fernsehgeräten mit integriertem DVB-C-Tuner an Reichweite gegenüber den digital frei empfangbaren öffentlich-rechtlichen Sendern verlieren. Die Grundverschlüsselung in Kabelnetzen wäre ein Hindernis für einen verbraucherfreundlichen Umstieg von analogem zu digitalem Empfang (Digitalmagazin berichtete).

www.unitymedia.de

www.kabelbw.de

www.lgi.com

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