DAUN, 12.02.2021 - 07:00 Uhr
Radio

13. Februar 2021: Weltradiotag feiert zehnte Edition

Valerie Weber, WDR Programmdirektorin zur Bedeutung des Radios in Pandemiezeiten

Am 13. Februar 2021 feiert der Weltradiotag seine zehnte Edition. Die ARD hat anlässlich des diesjährigen Weltradiotags mit Valerie Weber über die Bedeutung des Radios in Pandemiezeiten gesprochen. Sie ist Theaterwissenschaftlerin, Journalistin, crossmediale Programmdirektorin des WDR und derzeit Vorsitzende der ARD-Audioprogrammkonferenz (APK). Drei Fragen an Valerie Weber.

Wir stecken mitten in der Corona-Krise – welche Rolle spielt das Radio heute im Alltag der Menschen?

Radio hatte schon immer eine sehr stark entlastende Funktion für die Gesellschaft. Gerade in Krisenzeiten ist diese Funktion so wichtig wie nie. Das ist für Programmmacher*innen eines Echtzeit-Mediums eine große Verantwortung. Es geht in diesen Tagen nicht nur darum, Informationen an den Mann und die Frau zu bringen oder Einsamkeit zu vertreiben, sondern diese überwältigenden groben, diffusen Gefühle von Trauer, Enttäuschung, Wut und Existenzsorgen auf einer anderen Ebene gemeinsam zu reflektieren und zu sublimieren. Die Verstörung einer Gesellschaft in einer Krise zu spiegeln, hilft jedem Einzelnen, sich nicht allein und ohnmächtig zu fühlen.

Deswegen ist es so wichtig, dass wir als Radiomacher*innen - neben der Kommunikation von "R-Werten" und "Pandemie-Maßnahmen-Paketen" - auch dieser Entlastungsfunktion gerecht werden. Dazu gehört auch, dass wir diesem ältesten Massenmedium nicht den Rückkanal nehmen, indem wir Interaktion und Teilnahme immer stärker tonlos in Social Media abschieben, sondern in diesem stark community-orientierten Medium, die Möglichkeiten der Partizipation des Publikums aktiv nutzen und darstellen. Und dass wir uns darauf besinnen, dass Radiohören per se auch eine emotionale Brücke zu andere Hörern und Hörerinnen ist.

Was bekommen Sie, die Radiomacher*innen für Rückmeldungen, wie aktiv wird denn zugehört?

Von allen Medien ist Radio das Medium, das am stärksten über das Unterbewusstsein wirkt, denn anders als andere Sinnesorgane kann man die Ohren nicht zu machen, und so filtert das Gehirn selbständig zwischen relevanten und irrelevanten Informationen, zwischen Musik, die ich mag und nicht mag und das Publikum pendelt wischen Lean back und Lean forward - zwischen Hören und Zuhören.

Was wir aber diesen Tagen als besonderes Feedback bekommen ist oftmals auch Dankbarkeit, das ist eine Haltung aus früheren Tagen, und entspricht auch einer teilweisen neuen Tonalität in der Gesellschaft. Die Anerkennung, dass wir die Menschen nicht alleine lassen.  Wie überhaupt nach den Jahren eines starken Trends zur Individualisierung und Selbstverwirklichung jedes Einzelnen, plötzlich in der Gesellschaft - wie den Programmen - wieder der gesellschaftliche Zusammenhalt diskutiert wird. Moralische Fragen wie: Wer darf sein Kind in die Kita-Notbereitschaft bringen und ist es Nachbarschaftshilfe oder Betrug und wenn ja, an wem, wenn der Friseur privat zu Besuch kommt und dann allen mal schnell die Haare schneidet?

Und natürlich hören wir, wie viele andere lineare Medien, auch Unzufriedenheit über unsere Berichterstattung - nicht jeder möchte rund um die Uhr über die Maßnahmen zur Pandemie informiert werden. Deswegen ist es auch wichtig, einerseits zielgenau Audio-on-demand-Angebote zur Vertiefung zu schaffen - auch wenn der Podcast-Markt derzeit erst bei 3 Prozent Marktanteil liegt. Und gleichzeitig im linearen Programm das Gleichgewicht zu halten: aus kritischer Berichterstattung und heiteren Themen, sowie den derzeit heimatlosen Kulturschaffenden Raum in unseren Programmen anzubieten.

Am Samstag ist Weltradiotag – wie lange wird es Radio geben in einer Zeit der Podcasts?

Das wird ein schleichender Übergang bei vielen unserer Angebote. Auch wenn nicht alles, was im Radio läuft, sich als Audioangebot on-demand eignet, wird es gerade bei den Wort- und Infowellen viele Inhalte geben, die vielleicht digital first entstehen und trotzdem auch im Radio laufen können. Ich glaube, es wäre aber klug, die Macht von Audio nicht auf Podcasts zu beschränken, denn die Power von Audio liegt in der Musik und in neuen Voice Skills, in Text-to-speech-Funktionalitäten und Speech-to-text-Anwendungen.

Und wenn die Radiokolleg*innen ihre Stärke im Regionalen weiter ausbauen, dann gebe ich uns auf jeden Fall noch zehn gute Jahre. Denn zusammen mit den Angeboten der Dritten übernimmt Radio schon jetzt - nach der Konsolidierung vieler Lokalredaktionen - eine stark kompensatorische Rolle im Regionalen. Ich sage bewusst nicht nur im regionalen Journalismus, sondern auch im Lebensgefühl, in der Tonalität, im Dialekt eines Kommunikationsraumes, den viele einfach ´Heimat´ nennen.

Quelle: ARD / Westdeutscher Rundfunk

Valerie Weber, Programmdirektorin NRW, Wissen und Kultur; Bildrechte (c) WDR/ Annika Fußwinkel Valerie Weber wurde im Mai 2014 zur Hörfunkdirektorin des WDR ernannt und ist seit dem crossmedialen Umbau der Programmdirektionen im Jahr 2019 Programmdirektorin NRW, Wissen und Kultur. Sie wurde am 30. Oktober 2018 auf Vorschlag von WDR Intendant Tom Buhrow vom WDR Rundfunkrat für fünf weitere Jahre wiedergewählt. Ihre zweite Amtszeit geht seit 1. Mai 2019 bis 30. April 2024.

Weltradiotag

Der 13. Februar wurde 2011 von den Mitgliedstaaten der UNESCO proklamiert und 2012 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen als internationaler Tag angenommen. Er wurde zum Weltradiotag (WRD). Radioempfang stellt sicher, dass weite Teile der Weltbevölkerung diskriminierungsfrei Zugang zu Informationen haben. Das Radio als Informationsmedium Nummer Eins hat eine lange Geschichte: Von Lang- und Mittelwelle über UKW bis zum heutigen Digitalradio-Standard DAB+.


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