- © Foto: InfoDigital/Udo Bley -
DAUN, 04.09.2017 - 12:00 Uhr
Radio - DAB+

Digitalradiotag 2017: DAB+ auf der Überholspur - UKW auf dem Rückzug

Immer mehr Deutsche hören Radio über DAB+

Immer mehr deutsche hören Radio über DAB+. Knapp 6 Millionen Haushalte verfügen über DAB+ Empfangsgerät. Inzwischen steht in 15,1 Prozent der Haushalte mindestens ein DAB+ Gerät, im Vorjahr waren es nur 12,5 Prozent. Im fünften Jahr gibt es erstmals einen „sichtbaren“ Rückgang der UKW-Geräte. Das geht aus dem aktuellen Digitalisierungsbericht 2017 der Medienanstalten hervor, der am 4. August auf dem Digitalradiotag auf Internationalen Funkausstellung Berlin (IFA) vorgestellt wurde.

In Summe verfügen sechs Millionen Haushalte bereits über mindestens ein DAB+ Gerät, das ist eine Million mehr als im Vorjahr. Weil in Haushalten meist mehr als nur eine Person leben, haben damit rund 11 Millionen Menschen Zugang zu regionalen und nationalen DAB+ Programmen der privaten und öffentlich-rechtlichen Anbieter. Die Gesamtzahl der DAB+ Geräte in Haushalten und im Auto erreicht knapp 10 Millionen.

Wachstum in allen Bundesländern, besondere Steigerung in Bayern und NRW

Besonders auffällig ist der Anstieg in Bayern um 4,6 Punkte von 15 auf 19,6 Prozent Haushaltsdurchdringung mit DAB+ Radios. Im Freistaat gibt es ein bereits öffentlich-rechtliches und privates Programmangebot, ein Simulcast-Szenario, bei dem lokale, regionale und landesweite UKW-Privatradios parallel auch auf DAB+ senden und sich die Landespolitik klar pro DAB+ positioniert. Es folgen Sachsen mit 16,3 und Baden-Württemberg mit 16,2 Prozent. In den drei östlichen Bundesländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen stieg die Marktdurchdringung insgesamt von 14,2 auf 15,7 Prozent.

Bemerkenswerte Anstiege auch in NRW von 11,4 auf 14 Prozent

Offenbar auch aufgrund der Popularität bundesweiter Formate, die es auf UKW nicht gibt, steigt DAB+ in Nordrhein-Westfalen von 11,4 auf 14 Prozent. Auch in Norddeutschland gibt es bei DAB+ ein deutliches Wachstum von 10,5 auf 13 Prozent. Hierzu beigetragen hat wahrscheinlich das verstärkte Engagement des NDR beim Netzausbau sowie die Attraktivität des privaten Multiplexes in Hamburg, in dem neben exklusiven DAB+ Angeboten auch bekannte UKW-Privatradios wie Radio Hamburg senden.

Auch Rheinland-Pfalz und das Saarland haben aufgeholt, von 12,8 auf 13,9 Prozent. Trotz des größten UKW-Angebots in Deutschland gibt es auch mehr DAB+ Hörer in der Hauptstadtregion Berlin/Brandenburg: Hier ist der Anstieg von 11,3 auf 13,9 Prozent sogar noch höher.

Niedersachsen liegt unter den Werten anderer Bundesländer, konnte aber dennoch einen Anstieg von 10,5 auf 12,7 Prozent verbuchen. In Niedersachsen gibt es bisher keine belastbaren Pläne zur Einführung von regionalen Multiplexen für Privatradios.

Der Trend geht zum DAB+ Zweitgerät

Wenn ein DAB+ Radio im Haushalt steht, ist der Kauf eines Zweitgerätes sehr wahrscheinlich. Im Schnitt verfügt jeder Haushalt mit Digitalradio über 1,7 DAB+ Geräte.

Erstmals „sichtbarer“ Rückgang der UKW-Geräte

Auf dieses Logo müssen Sie beim Kauf eines neuen Radioempfangsgerätes achten! In Haushalten mit mindestens einem DAB+ Radio gibt es erstmals einen belegbaren Rückgang der UKW-Geräte von 3,8 auf 3,7 Empfänger. Den Rückgang der UKW-Radioverkäufe attestierte jüngst die gfu in ihren Untersuchungen.

Mehr DAB+ Autoradios

Positiv ist auch die Entwicklung bei DAB+ Autoradios. Deren Anzahl steigt von rund 3,1 auf 3,7 Millionen Geräte. Rund 9 Prozent aller Autoradios empfangen auch DAB+. 2016 waren es nur 7,5 Prozent. Wie im Vorjahr sind 37,4 Prozent der DAB+ Geräte in Autos verbaut, verglichen mit der Anzahl der Geräte in Haushalten.

Internetradio spielt im Auto dagegen so gut wie keine Rolle. Nur 1,2 Prozent der Befragten geben an, über ein fest installiertes IP-Radiogerät im Fahrzeug zu verfügen.

DAB+ überholt Kabel und Satellit, Internetradio mit Rückgängen

DAB+ ist erneut der Verbreitungsweg mit dem stärksten Wachstum und überholt damit die Wachstumsraten beim Radioempfang über Kabel und Satellit.

Beim Zugang über alle Nutzungsmöglichkeiten zum digitalen Hören in Haushalten liegt Internetradio vor DAB+, verzeichnet aber erstmals Rückgänge von 34,1 auf 33,5 Prozent, während DAB+ auch hier wächst, von 13,8 auf 15,7 Prozent.

ARD-Vorsitzende Wille: Ausrichtung auf Radiostandard DAB+ ist unumkehrbar

„Die Entwicklung des deutschen Radiomarktes hin zum digitalen Standard DAB+ ist unumkehrbar“, sagte die ARD-Vorsitzende Karola Wille am Montag beim Digitalradiotag auf der Funkausstellung in Berlin. Die Ergebnisse der Reichweitenstudie DAB+ sowie des Digitalisierungsberichts 2017 der Landesmedienanstalten, die in Berlin vorgestellt wurden, seien auch deutliche Signale in Richtung Politik und Industrie.

Wille: „Die ARD sieht ihre Hybridstrategie bestätigt, bei der Verbreitung von Radioprogrammen in Zukunft sowohl auf DAB+ als auch auf das Internet zu setzen. Die neue Reichweitenstudie zeigt zugleich, dass die Nutzung von DAB+ aktuell die größte Dynamik entfaltet“.

Deutschlandradio-Intendant Stefan Raue betonte angesichts der deutlichen Zuwachsraten: „Für Deutschlandradio ist DAB+ enorm wichtig, weil wir mit UKW nur einen Teil unserer potenziellen Hörerinnen und Hörer erreichen. Die öffentlich-rechtlichen Anbieter ziehen an einem Strang, auch die privaten bewegen sich, die Geräteauswahl ist riesig. Jetzt ist die Politik gefordert, sich für DAB+ einzusetzen. Um den Übergang vom analogen zum digitalen Hörfunk zu beschleunigen, brauchen wir eine Regelung, die dafür sorgt, dass alle künftigen Radios DAB+ empfangen können, egal ob im Auto oder zu Hause.“

Als sehr hilfreich bezeichnete die ARD-Vorsitzende Wille die Unterstützung von Bund und Ländern bei dem Bemühen, auf europäischer und nationaler Ebene eine Multinormgerätepflicht zu etablieren. Die Erwartung der Branche sei, dass es hier nun zeitnah zu Entscheidungen komme, durch die Gerätehersteller und Radioanbieter eine stärkere Planungssicherheit erhalten.

Wichtig sei zudem, dass die Automobilindustrie endlich dem Beispiel vieler Nachbarländer folge und künftig auch in Deutschland für Neuwagen DAB+ als Standardausrüstung vorsehe.

Umfangreiche Informationen über DAB+ finden Sie unter www.dabplus.de oder unter www.digitalradio.de.


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://www.infosat.de/radio/digitalradiotag-2017-dab-auf-der-berholspur-ukw-auf-dem-r-ckzug
Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.