DAUN, 29.03.2021 - 09:46 Uhr
Radio - Internet Radio

Exklusiv: Privatradios fordern Zugang zu 5G Broadcast

Die privaten Radioveranstalter aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wollen ihre Programme zukünftig auch via 5G Broadcast, dem Rundfunkmodus des neuen Mobilfunkstandards 5G, verbreiten.

In einem gemeinsamen Positionspapier fordern der Verband Privater Medien (VAUNET) und die Arbeitsgemeinschaft Privater Rundfunk (APR) aus Deutschland sowie der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP) und der Verband Schweizer Privatradios (VSP) Zugang zu 5G Broadcast.

Der terrestrische Empfang von frei zugänglichem analogem und digitalem Rundfunk (UKW/DAB+), ergänzt durch die Verbreitung über IP, müsse langfristig sichergestellt werden, um einen vielfältigen und qualitätsvollen Rundfunkmarkt in Europa nachhaltig abzusichern, erklären die Verbände in dem Positionspapier, das InfoDigital vorliegt. Im Zuge der Multiplattformstrategie zähle dazu auch die Nutzung der 5G-Technologie für die Multicast-Rundfunkverbreitung (5G Broadcast).

Rundfunkprogramme müssten auf allen für die Nutzer relevanten Empfangswegen verfügbar sein. Jeder Anbieter müsse in der Lage sein, den für sein Angebot und seine Zielgruppe passenden Weg zu wählen.

Insbesondere mobile Endgeräte, etwa Smartphones, integrierte Systeme in Fahrzeugen oder Smart Speaker, sollten Standards für den Empfang von Rundfunkprogrammen integrieren, darunter auch 5G Broadcast.

Rundfunkprogramme wären dann über alle 5G-fähigen Endgeräte jederzeit und überall empfangbar. Besonders in Katastrophenfällen oder Notstandssituationen, in denen die Bevölkerung derzeit hauptsächlich über klassische Radioempfangsgeräte erreicht werden könne, sei dies hochrelevant.

Wie bei der terrestrischen Verbreitung des Radios über UKW oder DAB+ müssten auch bei 5G Broadcast die vielfaltssichernden Rahmenbedingungen gewahrt bleiben, darunter die "Free to Air"-Übertragung, Nutzungsmöglichkeit ohne SIM-Karte und keine Zugangskontrolle durch Dritte oder andere Gatekeeper, fordern die Verbände.

Um die Rundfunkübertragung via 5G-Broadcast zu gewährleisten, sei die Absicherung eines (möglichst niedrigen) Frequenzbereichs notwendig, so dass große und wirtschaftlich effiziente Rundfunkzellen ermöglicht werden. Deshalb sei es wichtig, auf der Weltfunkkonferenz 2023 (WRC23) der internationalen Fernmeldeunion ITU die Frequenzkapazitäten des Rundfunks – für TV und Radio insbesondere im Bereich 470 bis 694 MHz – auch über das Jahr 2030 hinaus mindestens bis 2050 zu sichern.

Ein oder mehrere Betreiber sollten die Versorgung der Fläche eines Landes mit 5G-Rundfunkdiensten übernehmen. Die Verbände fordern dabei eine Must-Carry-Regelung für lizensierte Rundfunkinhalte gegenüber 5G-Rundfunknetzbetreibern ähnlich der Regelung, die bereits für Kabelnetzbetreiber gelte, sowie eine Pflicht für Hersteller und Mobilfunknetzbetreiber, wonach jedes in den Markt gebrachte Endgerät Funktionalitäten bieten müsse (etwa Modem/Chipset) beziehungsweise diese freigeschaltet sein müssten, um Zugang zu Rundfunkinhalten zu gewährleisten. Eine Deaktivierung dürfe nicht zulässig sein.

Mobilfunkanbieter dürften ihren Kunden zudem die Nutzung vertragsunabhängiger Rundfunkempfangs-Funktionalitäten nicht unterbinden.

Mit ihrem Vorstoß wollen die Verbände sicherstellen, dass dem Radio langfristig weiterhin alle drahtlosen Verbreitungswege offenstehen, um die Hörer unmittelbar, ungehindert und unverschlüsselt zu erreichen, ohne dass für den Empfang Kosten anfallen, etwa durch einen Mobilfunkvertrag oder Datenverbrauch. Angesichts der steigenden Nutzung von Radio- und Audio-Inhalten auf Smartphones und Tablets ist es ein kluger Schachzug der Radiobranche, 5G Broadcast schon jetzt als möglichen künftigen Verbreitungsweg ins Blickfeld zu nehmen.

Wie sich eine Multiplattformstrategie in der Praxis umsetzen lässt, zeigte jüngst der NDR, der seine Radioprogramme neuerdings auch via DVB-T2 ausstrahlt (InfoDigital berichtete).

Der NDR will damit seine Radioprogramme dem Publikum auf möglichst vielen Verbreitungswegen zugänglich machen, die Attraktivität von DVB-T2 steigern und mit anderen Verbreitungswegen gleichziehen, auf denen ebenfalls Radio angeboten wird (InfoDigital berichtete).

von Dr. Jörn Krieger


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