- © Foto: ESA/CNES/ARIANESPACE -
DAUN, 02.08.2021 - 14:11 Uhr
Technik - Satellit

Ariane 5 bringt Eutelsat Quantum und Star One D2 ins All

Der europäische Raketendienstleister Arianespace hat in der Nacht vom 30. auf den 31. Juli, zwischen 23.00 und 00.30 Uhr Pariser Sommerzeit, erfolgreich zwei Telekommunikations-Satelliten mit der Ariane 5 Trägerrakete vom Raumfahrtzentrum in Französisch-Guayana (CSG) aus, in den Orbit befördert. Es war die erste Mission mit einer Ariane 5 in diesem Jahr.

Eutelsat Quantum Modellzeichnung; Bild: Airbus Ein wichtiger Auftrag der Mission Flug Nr. VA-254 war es, Eutelsats ersten voll im Weltall konfigurierbaren Satelliten Quantum in den geostationären Orbit zu bringen. Eutelsats neuste Errungenschaft ist ein hochentwickelter Telekommunikationssatellit, der komplett umfunktioniert werden kann, während er sich im Weltraum befindet. Ursprünglich war der Start schon im Jahr 2018 geplant (InfoDigital berichtete).

Der neue Weltraumapparat wurde in einem ESA-Partnerschaftsprojekt mit dem Satellitenbetreiber Eutelsat und dem Haupthersteller Airbus entwickelt. Er ist der erste kommerzielle, voll flexible softwaredefinierte Satellit der Welt.

Die Trennung des Quantum Satelliten erfolgte nach einem 37-minütigen Flug und die Überprüfung der Raumfahrzeugsysteme wurde dann über einen Zeitraum von etwa drei Stunden erfolgreich abgeschlossen, wie der Satellitenbetreiber Eutelsat mitteilte. Laut Angaben der Europäischen Weltraumorganisation ESA habe der Satellit die geostationäre Umlaufbahn rund 36.000 km über der Erde erreicht und dort seine Solarpaneele ausgefahren. Er kommuniziere gut mit seinem Betreiber auf der Erde, hieß es.

Der Satellit ist mit einer elektronisch schwenkbaren Empfangsantenne „ELSA+“ (ELectronically Steerable Antenna+) ausgestattet und arbeitet im Ku-Band mit acht unabhängigen, rekonfigurierbaren Beams (InfoDigital berichtete). Diese Konfiguration erlaubt dem Betreiber, die Radio-Frequenzbeams im Orbit über dem Abdeckungsgebiet zu rekonfigurieren – ein beispielloses Flexibilitätsmerkmal in Bezug auf Datendienste, Regierungsstellen und Mobilitätsdienste.

Seine Beams können so umgelenkt werden, dass sie sich nahezu in Echtzeit bewegen („Beam Hopping“), um Informationen an Passagiere an Bord von sich bewegenden Schiffen oder Flugzeugen zu liefern. Die Strahlen können auch so eingestellt werden, dass sie bei erhöhter Nachfrage auch mehr Daten liefern.

Quantum ist in der Lage, unkontrollierte Emissionen zu erkennen und zu charakterisieren, sodass er dynamisch auf unbeabsichtigte Störungen oder absichtliche Blockierungen reagieren kann. Er wird über seine 15-jährige Lebensdauer hinweg in einer geostationären Umlaufbahn bleiben und danach auf einem so genannten „Friedhofsorbit“ in sicherer Entfernung von der Erde entsorgt, um keine Gefahr für andere Satelliten darzustellen.

Der neue Eutelsat Satellit soll zunächst auf der Orbitalposition 48° Ost stationiert werden und soll im vierten Quartal des Kalenderjahres 2021 in Betrieb gehen. Er soll eine umfassende Abdeckung der MENA-Region (Nahost und Nordafrika) und darüber hinaus bieten.

Quantum ist ein britisches Vorzeigeprojekt. Der größte Teil des Satelliten wurde von der britischen Industrie entwickelt und hergestellt. Hauptauftragnehmer Airbus war für den Bau der innovativen Nutzlast des Satelliten verantwortlich, Surrey Satellite Technology Ltd fertigte die neue Plattform.

In ESA-Partnerschaftsprojekten werden nachhaltige Ende-zu-Ende-Systeme entwickelt, bis hin zur Validierung in der Umlaufbahn.

Elodie Viau, ESA-Direktorin für Telekommunikation und integrierte Anwendungen sagte: „Ich bin stolz darauf, den erfolgreichen Start von Eutelsat Quantum als Ergebnis eines ESA-Partnerschaftsprojekts miterlebt zu haben. Die ESA fördert Innovationen in der Raumfahrtindustrie in Großbritannien und in ganz Europa, damit diese auf den hart umkämpften globalen Telekommunikationsmärkten erfolgreich sein kann. Investitionen in die Raumfahrt schaffen Arbeitsplätze und Wohlstand auf der Erde.“

Star One D2

Eutelsat Quantum Modellzeichnung; Bild: Airbus Der zweite Passagier an Bord der Ariane 5 war Star One D2, mit einer Startmasse von 6,190 Tonnen. Der Satellit ist ein leistungsstarker Mehrzweck-Satellit mit Ku-, Ka-, C- und X-Band-Transpondern. Dadurch kann er die Breitbandabdeckung auf Regionen in Mittel- und Südamerika ausdehnen und zusätzlich eine aktualisierte Nutzlast im X-Band zur staatlichen Nutzung in der Atlantikregion bereitstellen. Der auf der bewährten Plattform der Klasse 1300 von Maxar im Werk des Unternehmens in Palo Alto, Kalifornien aufgebaute Star One D2 wird den Zugang zu qualitativ hochwertigen Services für die Parabol-Flotte in Brasilien, Pay-TV, Übertragungsnetze für Mobiltelefone, Daten, Video und Internet für Unternehmen und Regierungsorganisationen verbessern.

Die für Flug VA-254 erforderliche Leistung der Trägerrakete betrug 10.515 Kilogramm, davon 9.651 Kilogramm für die beiden Nutzlasten. Ariane 5 wurde zudem mit einer kryogenen Oberstufe, der sogenannten ESC-D ausgestattet, deren Tanks für diese Mission verlängert wurden, wodurch die Gesamt-Startmasse der Stufe 19 Tonnen betrug.

Die ArianeGroup ist Hauptauftragnehmer für die Entwicklung und die Produktion der Trägerraketen Ariane 5 und Ariane 6. Das Unternehmen steht an der Spitze eines Industrienetzwerks, das mehr als 600 Unternehmen (darunter 350 kleine und mittelständische Unternehmen) umfasst. Das Unternehmen koordiniert die gesamte industrielle Lieferkette für die Ariane 5 – von Studien, über die Leistungsoptimierung und die Produktion bis hin zur Lieferung missionsspezifischer Daten und Software. Diese Kette umfasst Ausrüstung und Strukturen, Triebwerksfertigung, die Integration der einzelnen Stufen sowie die Integration der Trägerrakete in Französisch-Guayana. Die ArianeGroup stellt ihrer Tochtergesellschaft Arianespace die Trägerraketen flugbereit auf dem Startplatz zur Verfügung; Arianespace führt den Flug ab dem Start im Auftrag ihrer Kunden durch.

Ariane 5 ist ein Programm der Europäischen Weltraumorganisation ESA, das in einer Kooperation von öffentlichen Institutionen und der Industrie durchgeführt wird. Die von Arianespace kommerzialisierten und betriebenen Ariane-5-Starts erfolgen mit Unterstützung durch die Teams der französischen Raumfahrtagentur CNES vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana aus.


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