- © Foto: Screenshot Livestream VA240 arianespace.com -
DAUN, 13.12.2017 - 10:33 Uhr
Technik - Satellit

Ariane 5 bringt vier Galileo-Navigations-Satelliten erfolgreich ins All

Nächster Start im Juli 2018 geplant

Mission success: Am 12. Dezember um 19.36 Uhr Mitteleuropäischer Zeit (15.36 Uhr Ortszeit) hat eine Ariane-5-Trägerrakete, wie geplant, vier Galileo-Navigations-Satelliten von Europas Raumflughafen Kourou in Französisch-Guayana ins Weltall befördert. Die „Nicole“, „Zofia“, „Alexandre“ und „Irina“ benannten Orbiter des europäischen Satellitennavigationssystems Galileo wurden nach knapp vier Stunden erfolgreich in ihrer Umlaufbahn im mittleren Erdorbit ausgesetzt. Ab Mitte 2018 sollen sie eine nahezu vollständige globale Abdeckung mit Galileo-Signalen ermöglichen. Der nächste Start mit vier weiteren Satelliten, Nr. 23 bis 26, ist für Juli 2018 geplant.

Es ist bereits der zweite erfolgreiche Start der speziell angepassten Ariane-5ES-Version, bei dem vier jeweils rund 715 Kilogramm schwere Galileo-Satelliten gleichzeitig auf eine Umlaufbahn in 23.222 Kilometer Höhe transportiert wurden.

„Die Satelliten werden jetzt noch eine sechsmonatige Inbetriebnahme im All durchlaufen, bevor sie in das Navigationssystem integriert werden“, erklärt René Kleeßen, Galileo-Programm-Manager beim Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Ab Mitte 2018 werden sie dann eine nahezu vollständige globale Abdeckung mit Galileo-Signalen ermöglichen.“

Testphase der Satelliten im All dauert rund ein halbes Jahr

Drei Stunden und 55 Minuten dauerte der Flug der Ariane-Trägerrakete, bevor die vier Satelliten, mit den Nummern 19 bis 22 auf ihrer Umlaufbahn im mittleren Erdorbit ausgesetzt wurden. Während der ersten sieben bis elf Tage im All werden sie vom Kontrollzentrum der französischen Raumfahrtagentur CNES in Toulouse aus gesteuert, bevor das Galileo-Kontrollzentrum in Oberpfaffenhofen ihre Steuerung und Überwachung übernimmt. „Daraufhin beginnt für uns die spannende Zeit der Plattformtests, der finalen Positionierung sowie der Tests und Inbetriebnahme der Nutzlast“, so Marko Schmidt, Galileo-Projektleiter der DLR GfR mbH. „Nach Ablauf dieser wichtigen Phase können die Satelliten sicher in unsere Flotte integriert werden und einen weiteren, wichtigen Beitrag zu einem weltweit verfügbaren europäischen Satellitennavigationssystem leisten.“

Nächste Galileo-Satelliten starten im Juli 2018

Zusammen mit den Neuzugängen ist die Galileo-Flotte nun auf 22 Satelliten angewachsen - und wird schon bald erweitert werden, denn der nächste Start mit vier weiteren Satelliten ist für Juli 2018 vorgesehen. Durch diese neue Möglichkeit der Vierfachstarts mit der hierfür optimierten Ariane 5ES schreitet der Ausbau des Systems nun zügig voran.

Erste Dienste seit 15. Dezember 2016

Bereits am 15. Dezember 2016 hatte die Europäische Kommission die ersten Galileo-Dienste freigegeben (InfoDigital berichtete), zu denen der offene Dienst, der Such- und Rettungsdienst, der verschlüsselte Dienst PRS und ein hochgenauer Zeitdienst, der im Nanosekunden-Bereich arbeitet, gehören. Momentan befinden sich die Dienste noch in der Initialphase, das heißt sie arbeiten hochgenau, sind aber noch nicht durchgängig erreichbar. Alle Galileo-Dienste sollen nach der vollständigen Inbetriebnahme im Jahr 2020 zur Verfügung stehen. Galileo wird aus 30 Satelliten (24 aktiven und sechs Ersatz-Satelliten) bestehen, die jeweils rund zwölf Jahre lang ihren Dienst im All leisten sollen.

Galileo - ein zentrales Programm für die europäische Raumfahrt

Ziel des zivilen Galileo-Systems ist es, Europa unabhängig von den militärisch kontrollierten Diensten der USA (GPS) und Russlands (GLONASS) zu machen und Navigationssignale in bisher nicht erreichter Präzision bereitzustellen. Diese Genauigkeit wird durch das Herzstück der Satelliten ermöglicht: hochpräzise Atomuhren, die eine Stabilität von einer Nanosekunde pro Tag erzielen. Daneben verfügen die Satelliten über eine Signalerzeugungs-Einheit sowie eine Einheit zum Übermitteln der Signale an die Bodenempfänger. Bereits heute sind viele Wirtschaftsbereiche wie etwa Transport, Logistik, Telekommunikation und Energie auf solch präzise Ortungs-, Navigations- und Zeitdienste angewiesen. Durch die stetig steigende Zahl von Anwendungsfeldern werden sie in Zukunft einen noch größeren Stellenwert einnehmen. Besonders im Bereich des Verkehrswesens besitzt Galileo ein großes Marktpotential.

Viele Endgeräteseite bereit für europäische Navigationssystem

Smartphone-Hersteller wie Samsung, Apple und Huawei integrierten mittlerweile Galileo in den von ihnen eingesetzten Chipsets. Die aktuellen Top-Modelle der Apple iPhone 8- und iPhone X-Familie, das Samsung Galaxy Note 8  sowie das Huawei Mate 10 und Mate 10 Pro unterstützen Galileo bereits ab Werk. Auch der neue Broadcom Chip BCM47755 verarbeitet neben den Signalen der Satellitennavigationssysteme GPS, dem russischen Glonass, dem chinesischen Beidou und dem japanischen QZSS die das Europäische Galileo-System (InfoDigital berichtete).

Die Aufbauphase von Galileo wird von der Europäischen Kommission beauftragt, finanziert und durchgeführt. In ihrem Auftrag verhandelt die Europäische Weltraumorganisation ESA die Industrieverträge für Entwicklung und Bau des Systems. 34 Satelliten der ersten drei Satellitenverträge aus der Aufbauphase werden von der OHB System AG in Bremen gebaut. Die beiden Galileo-Kontrollzentren befinden sich am DLR-Standort in Oberpfaffenhofen sowie in Toulouse (CNES).


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