DAUN, 03.01.2019 - 11:58 Uhr
Technik - Internet

Bitkom: Flächendeckendes 5G über Auktions-Frequenzen nicht realisierbar

Die Mobilfunkfrequenzen, die im Frühjahr für den neuen Mobilfunkstandard 5G versteigert werden, können aus grundlegenden technischen Gründen keine flächendeckende 5G-Versorgung in Deutschland gewährleisten. Darauf wies der Mobilfunkexperte des Digitalverbands Bitkom am Donnerstag im Deutschlandfunk hin.

"Die Frequenzen, die jetzt zur Verfügung gestellt werden, haben keine großen Reichweiten" sagte Nick Kriegeskotte, Bereichsleiter Telekommunikationspolitik beim Bitkom, im DLF. Mit dem Spektrum könnten realistischerweise Entfernungen von einem Kilometer pro Antennenmast überbrückt werden. "Das heißt, man kann damit keine großen Flächen versorgen."

In der Diskussion um eine schlechte Mobilfunkabdeckung in Deutschland würden viele Probleme in die anstehende Frequenzversteigerung hineinprojiziert, die mit der Vergabe gar nicht zu lösen seien, sagte Kriegeskotte. Die dafür nötigen Frequenzen seien teilweise schon 2015 versteigert worden. Problematisch sei es, nun im Nachhinein dafür die Auflagen zu verschärfen. Die geforderte Versorgung entlang von Landstraßen und Schienen zu realisieren, sei wirtschaftlich schwierig. Denn dafür wäre eine Verdoppelung der Mobilfunkstandorte nötig.

Im Frühjahr sollen die neuen Frequenzen für den 5G-Standard versteigert werden, der deutlich schnelleres mobiles Internet ermöglichen soll. Der Standard ist vor allem für die Industrie wichtig, Daten können nahezu in Echtzeit übertragen werden. 5G ist etwa hundert Mal schneller als 4G, die Funkreichweite ist allerdings deutlich geringer.

Gegen Auflagen zur Flächenabdeckung haben unterdessen zahlreiche Mobilfunkprovider Klage eingereicht.

Denn umstritten ist insbesondere die Forderung, dass die Unternehmen ihre Netze in strukturschwachen Regionen auch für Konkurrenten öffnen sollen (Roaming). Dies ist für ausbauende Unternehmen jedoch wirtschaftlich problematisch: Denn Unternehmen, die Flächen mit schwacher Nutzung ausbauen, tragen die Investitionen hierfür allein. Wenn diese Netzanlagen nun ohne Kostenbeteiligung zur Mitnutzung freigegeben werden müssen, entsteht eine investitionshemmende Situation, die nicht ausbauende Mitbewerber begünstigt.

«Zwangskooperationen» führten zu weniger Ausbau, weil sich der Netzausbau für die Provider nicht mehr lohne, argumentiert auch Kriegeskotte. Wichtiger sei es, die Genehmigungsverfahren für den Ausbau zu beschleunigen und eine Diskussion über niedrige Frequenzbereiche zu führen, mit denen auch eine Versorgung in der Fläche möglich sei.

(Quelle: dpa)


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