- © Foto: ESA 2010 -
DAUN, 09.04.2020 - 09:25 Uhr
Technik - Satellit

CryoSat-2-Satellit sammelt seit zehn Jahren Daten zu Schnee und Eis

CryoSat-2 feierte seinen zehnten Geburtstag. Am 8. April 2010 trat der Satellit der europäischen Weltraumorganisation ESA seine Reise in den Weltraum an. Seither sammelt er Daten zu Schnee und Eis. Der Erdbeobachtungssatellit war ursprünglich für eine dreieinhalbjährige Mission konzipiert und hat inzwischen schon eine ganze Menge „Überstunden“ angesammelt.

Und es könnten noch ein paar mehr werden, denn der aktuelle Zustand des 720 Kilogramm schweren Raumfahrzeugs ist so gut, dass das Projekt bis Ende 2021 weiterlaufen soll. Bis heute hat der Satellit, der in den vergangenen zehn Jahren fast 99 Prozent der Zeit verfügbar war, fast 350 Terabyte Daten geliefert – gedruckt könnte man damit ein 1.400 Kilometer langes Bücherregal füllen.

Damit ist der Tranbant zu einem wertvollen Datenlieferanten für Ozeanographen, Hydrologen und Spezialisten für Geodäsie geworden, die aus seinen Daten wichtige und weit über die ursprünglich gesteckten Ziele hinausgehende Erkenntnisse zur sich verändernden Eisbedeckung und -dicke der Erde gewinnen konnten. Darüber hinaus hat CryoSat-2 auch wichtige Beiträge zum Verständnis der Kryosphäre und ihrer Auswirkung auf das Erdklima geliefert.

Ein Zehntel der Landmasse der Erde ist ständig von Eis oder Gletscher bedeckt. Die Kryosphäre ist ein bedeutender Klimaregulator, weil sie das Sonnenlicht zurück in die Atmosphäre reflektiert und damit regionale Wetterphänomene ebenso beeinflusst wie die globalen Meeresströmungen. Rund 77 Prozent der weltweiten Frischwasservorräte sind im Eis gebunden – doch die Kryosphäre scheint überproportional sensibel auf die globale Klimaerwärmung zu reagieren.

Beispiel für die von CryoSat gelieferten Daten

Das Abschmelzen des Eispanzers in der Antarktis hat seit 1992 zu einem Anstieg des globalen Meeresspiegels um 7,6 Millimeter geführt, davon gehen fast zwei Fünftel (3 Millimeter) auf die letzten fünf Jahre zurück. Die Antarktis speichert so viel Wasser, dass der Meeresspiegel bei vollständigem Abschmelzen um 58 Meter steigen würde. Die genaue Dicke der Eisschichten ist also heute und in Zukunft ein wichtiger Indikator für globale Klimaveränderungen. Grönland hat in den vergangenen 16 Jahren 266 Milliarden Tonnen Eis verloren.

Die von CryoSat gelieferten Messdaten werden auch von der Seefahrt zur Überwachung von Meereseis, Wind, Wellen, Meerestiefe und Eisbergen genutzt.

ESAs CryoSat ist außerdem die erste mit Radarhöhenmessern ausgerüstete Mission, die speziell dafür entwickelt wurde, präzise Messdaten zur Dicke von Meeres- und Landeismassen zu sammeln. Das Zwei-Antennen-Radarsystem SIRAL tastet die Erdoberfläche mit einer Tiefenwahrnehmung ab, die der Dreidimensionalität unserer Zwei- Augen-Sicht ähnelt. Der Fachbegriff hierfür lautet Radarinferometrie. Mit diesem System kann eine durchschnittliche Tiefengenauigkeit von ein bis drei Zentimetern erreicht werden.

Es kann außerdem Daten zu nicht homogenen Eisstrukturen mit steilen Abbrüchen in den Polarmeeren sowie zu Gletschern und Inlandeis erfassen. Der CryoSat-Radarhöhenmesser arbeitet Tag und Nacht und funktioniert auch bei geschlossener Wolkendecke. Er ist daher besonders für die Überwachung großer polarer Eisflächen geeignet, die häufig von Wolken verdeckt sind.


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://www.infosat.de/technik/cryosat-2-satellit-sammelt-seit-zehn-jahren-daten-zu-schnee-und-eis
Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.