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DAUN, 12.01.2022 - 15:25 Uhr
Technik

Die weltweiten All-Pläne 2022 im Überblick

Mond, Mars und Raumstationen

(dpa) - Die erste private Astronauten-Mission, ein Filmdreh und vielleicht auch endlich ein Flug des „Starliner“ von Boeing zur Raumstation ISS: Bei den US-Raumfahrtplänen für 2022 mischen Privatunternehmen erneut kräftig mit. Konkreter werden könnte es bei den Plänen einiger Länder für neue Raumstationen.

Ein Überblick:

USA: Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat in den vergangenen Jahren immer stärker auf kommerzielle Partner gesetzt und will diese Zusammenarbeit 2022 noch verstärken. Mit der Firma SpaceX von Elon Musk sind unter anderem weitere bemannte und unbemannte Flüge zur Internationalen Raumstation (ISS) geplant. Zudem hofft die Nasa, dass auch das zuletzt krisengeplagte „Starliner“-Raumschiff von Boeing bald zur ISS fliegen kann. Mit der Firma Axiom Space ist die erste private Astronauten-Mission zur ISS geplant - und Hollywood-Star Tom Cruise soll dort zu einem Filmdreh vorbeikommen. Die Firma Blue Origin von Amazon-Gründer Jeff Bezos plant unterdessen eine eigene kommerzielle Raumstation.

Die Pläne seines Vorgängers musste der neue Nasa-Chef Bill Nelson allerdings gerade zeitlich korrigieren. Mit der „Artemis“-Mission sollten eigentlich bis 2024 erstmals seit fast 50 Jahren wieder US-Astronauten auf dem Mond landen, darunter auch die erste Frau. Nun soll diese Landung frühestens 2025 stattfinden. Bei der Mission sollen vier Astronauten mit dem Raumfahrzeug „Orion“ in die Mondumlaufbahn gebracht werden, wo zwei von ihnen für den Endanflug zum Mond auf ein Landegefährt von SpaceX umsteigen sollen. Am Mond soll zudem eine Art Raumstation geschaffen werden und als Basis für einen bemannten Flug zum Mars dienen - das allerdings erst in fernerer Zukunft.

RUSSLAND: Die Raumfahrtbehörde Roskosmos hofft, dass im neuen Jahr die Pannenserie am neuen Weltraumbahnhof Wostotschny ein Ende hat. „Im Jahr 2022 müssen wir den Bau abschließen“, gab Roskosmos-Chef Dmitri Rogosin unlängst die Marschrichtung vor. Die Anlage rund 6000 Kilometer östlich von Moskau ist zwar seit gut fünf Jahren teilweise in Betrieb, sollte aber längst komplett funktionieren. Korruption und Firmenpleiten haben einen Strich durch die Rechnung gemacht. Von Wostotschny aus sollen künftig Raketen neueren Typs wie die „Angara“ abheben.

Von dem neuen Weltraumbahnhof aus will Russland im Frühjahr auch einen neuen Anlauf zum Mond nehmen. Für Mai ist der Start der Raumsonde „Luna 25“ geplant. Sie sollte eigentlich längst unterwegs sein. „Erstmals nach 46 Jahren werden wir wieder in die Mondumlaufbahn eintreten“, sagte Rogosin. Auch Kosmonauten sollen in Zukunft zum Mond fliegen. In Etappen will Russland bis 2040 auf dem Erdtrabanten eine Raumstation errichten.

Zur ISS sollen laut Flugplan für 2022 mindestens fünf russische Raketen fliegen, zwei davon besetzt mit Raumfahrern. Andauern dürfte die Diskussion darüber, wie lange die inzwischen mehr als 20 Jahre alte Station noch in Betrieb bleibt. Eine offizielle Entscheidung zum Weiterbetrieb nach 2024 steht noch aus. Russland will eine eigene Raumstation bauen. Die Pläne dafür sollen in den nächsten Monaten konkretisiert werden.

Ein irdisches Bauprojekt wird nach dem Willen von Roskosmos 2022 abgeschlossen: das neue Raumfahrtzentrum in Moskau. Es soll zugleich Sitz der Behörde werden. Das 248 Meter hohe Hauptgebäude soll an eine Rakete erinnern. Auf dem Gelände werden Wissenschaftler forschen. 20.000 Arbeitsplätze soll es geben.

CHINA: Die aufstrebende Weltraummacht China will 2022 weitere ambitionierte Pläne im All verwirklichen. Höchste Priorität hat die pünktliche Fertigstellung der Raumstation „Tiangong“ (Himmelspalast), deren Bau bis Ende des neuen Jahres abgeschlossen sein soll. Das Kernmodul „Tianhe“ (Himmlische Harmonie) war im April ins All gebracht worden. Derzeit lebt und arbeitet in ihm bereits die zweite dreiköpfige Astronauten-Crew. Zwei weitere Module der Station muss China noch ins All bringen. Auch weitere Frachtmissionen und bemannte Flüge sind geplant.

Das bisherige Highlight des nationalen Raumfahrtprogramms bildete 2019 die Landung eines Rovers auf der erdabgewandten Seite des Mondes. Keinem anderen Land war dieses Manöver zuvor gelungen. 2021 brachten die Chinesen zudem ihren ersten Rover auf den Mars. Der Staatsführung geht es bei ihren hochgesteckten Ambitionen im Weltall um nationales Prestige, aber auch die globale technologische Vorreiterrolle, die man den USA streitig machen möchte. Mittelfristig sind weitere Missionen zum Erdtrabanten und zum Roten Planeten geplant.

EUROPA: Bei der europäischen Raumfahrtagentur ESA erwartet man 2022 möglicherweise spektakuläre Ergebnisse laufender Missionen und hofft auf einen gelungenen Start neuer Reisen ins All. Auch für die europäischen Astronauten soll es ein spannendes Jahr werden. So soll die italienische Astronautin Samantha Cristoforetti im April ihre zweite Weltraummission starten und Kommandantin der ISS werden. Möglicherweise gibt es an Bord der Station noch ein Treffen mit dem deutschen Astronauten Matthias Maurer, der im April seinen halbjährigen Forschungsaufenthalt rund 400 Kilometer von der Erde entfernt beenden soll.

Im März wird sich der 2020 gestartete „Solar Orbiter“ bis auf 50 Millionen Kilometer der Sonne nähern und damit dem Zentrum des Sonnensystems so nah sein wie keine Raumsonde zuvor. Dann soll es auch neue Aufnahmen von dem Stern geben. Bereits im Juni 2020 war die Sonde bis auf 77 Millionen Kilometer an die Sonne herangeflogen und hatte Aufnahmen von rätselhaften „Lagerfeuern“ auf dem Stern gemacht. Nach einigen Verschiebungen glückte am 25. Dezember 2021 der Start des Weltraum-Teleskops „James Webb“, mit dem die ältesten Galaxien erkundet werden sollen. Europäer, US-Amerikaner und Kanadier, die bei dem teuersten jemals gebauten Weltraumteleskop zusammenarbeiten, erhoffen sich ab Mitte 2022 erste Beobachtungen.

Auch neue Missionen stehen auf dem Terminplan der Europäer. So soll im Februar die Mission „Artemis 1“ mit dem europäischen Servicemodul an Bord starten. Die unbemannte Mission um den Mond dauert 20 Tage und dient als Vorbereitung für eine künftige bemannte Mondlandung zusammen mit der Nasa. Im September soll der zweite Teil der „Exomars“-Mission mit einem Rover an Bord Richtung Nachbarplanet starten. Mit „Exomars“ soll der Frage nachgegangen werden, ob es jemals Leben auf dem Mars gegeben hat. Und bis Mitte oder Ende des Jahres soll feststehen, wer von den vielen Bewerbern künftig als Astronautin oder Astronaut für die Esa an Missionen teilnimmt.

JAPAN: Auch die asiatische Hightech-Nation Japan verfolgt Pläne für eine eigene Mars-Erkundungsmission. Das Projekt mit dem Spitznamen „MMX“ sieht für das Jahr 2024 den Start einer H-III-Trägerrakete mit einer Sonde an Bord in Richtung des Mars-Mondes Phobos vor. Japans Weltraumagentur Jaxa will mit der Mission Bodenproben holen - in der Hoffnung, Hinweise auf den Ursprung des Planeten sowie Spuren möglichen Lebens zu finden. Die Proben sollen in einer Kapsel im Jahr 2029 zur Erde zurückgebracht werden.

Unterdessen setzt die japanische Sonde „Hayabusa 2“ ihre Reise zu dem erdnahen Asteroiden „1998KY26“ fort. Erst im vergangenen Jahr hatte „Hayabusa 2“ eine Kapsel mit den ersten Proben aus dem Untergrund eines Asteroiden beim Vorbeiflug an der Erde abgetrennt. Bei den Proben handelte es sich um 4,6 Milliarden Jahre altes Material des Asteroiden Ryugu, das aus der Frühzeit des Sonnensystems stammt. Nach diesem Erfolg für Japan schwenkte die Sonde sogleich auf ihren neuen Kurs zu „1998KY26“ ein. Sie soll sich dem Asteroiden im Juli 2031 nähern und ihn per Kamera beobachten. Eine Landung ist nicht geplant.

INDIEN: Das Jahr 2022 dürfte interessant werden für das indische Weltraumprogramm. Zwei Missionen, die wegen Corona verschoben worden sind, sollen dann stattfinden, wie ein Sprecher der Raumfahrtbehörde Isro sagte. So ist eine Mission zur Sonne („Aditya-L1“) geplant. Zudem soll eine Sonde auf dem Mond landen („Chandrayaan-3“). Ein erster Versuch einer Mondlandung war Indien missglückt.

2023 will das Land auch Astronauten ins All schicken („Gaganyaan“). Training gab es für die indischen Astronauten unter anderem in Russland. Zwei weitere Projekte befänden sich noch in der Anfangsphase, sagte der Sprecher: eine Mission zur Venus („Shukrayaan-1“) und eine zweite Mission zum Mars („Mangalyaan-2“).

Das indische Weltraumprogramm hat vor allem der nationalistische Premier Narendra Modi vorangetrieben. Er will so zeigen, dass sein Land international bedeutender wird. Auch in diesem Jahr ist das Budget erhöht worden. Das Land ist bekannt dafür, viele Satelliten relativ günstig ins All zu schießen, auch für andere Länder. Einige Experten kritisieren, dass das Schwellenland mit seinen 1,3 Milliarden Einwohnern viel Geld für große Weltraumprojekte ausgibt, während noch viele Menschen in Armut leben.

VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE: Auch die Vereinigten Arabischen Emirate, eines der reichsten Länder der Welt, treiben ihr Raumfahrtprogramm ehrgeizig voran. Aktuelle Ziele unter anderem: Mondlandung bis 2022, Erforschung der Venus ab 2028 und Landung mit einer Sonde auf einem Asteroiden bis zum Jahr 2033. Eine Asteroiden-Landung gelang bisher nur bei jeweils zwei Missionen der USA sowie Japan. Im Februar hatte eine emiratische Raumsonde den Mars erreicht - den das Land in weniger als 100 Jahren besiedeln will.

Ähnlich wie bei der Weltausstellung Expo, die im Oktober in Dubai öffnete, geht es den Emiraten auch um das Image eines modernen und fortschrittlichen Staates, der buchstäblich nach den Sternen greift. Das Budget ist allerdings noch überschaubar. Es beträgt etwa ein Fünftel der umgerechnet 20 Milliarden Euro, die im aktuellen Haushaltsjahr der US-Raumfahrtbehörde Nasa zur Verfügung stehen.

Von den dpa-Korrespondenten


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