DAUN, 13.04.2017 - 10:32 Uhr
Technik - DVB-T

DVB-T2 stört Funkmikrofone

Bei der Umstellung des Digitalen Antennenfernsehens auf den neuen Übertragungsstandard DVB-T2 HD kam es im Stadtgebiet Hamburg bei mehreren großen Veranstaltungen zu schwerwiegenden Störungen der Funkmikrofone. Ursache war, laut Angaben der SOS – Save Our Spectrum, einer Initiative zur Sicherung von Funkspektrum für die Kultur- und Kreativwirtschaft, die Verlagerung der TV-Sender auf neue Kanäle.

Im Tierpark Hagenbeck konnte Tierpfleger Dirk Stutzki bei der Schaufütterung im „Eismeer“ sein Headset nicht verwenden und musste schreien, um das Publikum wenigstens teilweise zu erreichen. An der Universität Hamburg konnte eine Buchvorstellung mit 500 geladenen Gästen nur durch den Noteinsatz eines externen Technikspezialisten gerettet werden, ebenso die interne Veranstaltung eines großen Versicherungsunternehmens. Experten der Initiative „SOS – Save Our Spectrum“ erwarten eine starke Zunahme solcher Funkstörungen in ganz Deutschland bis zum Jahr 2019 und darüber hinaus. Kritik wurde am Verhalten der Bundesnetzagentur laut. Die Behörde ist für Frequenzzuteilungen zuständig. Offenbar hatte sie zunächst keine Kenntnis von der Störquelle und vorab keine Warnung herausgegeben.

Bekannt wurden die Störungen erst jetzt. Niels Kleenworth, Geschäftsführer der arentis veranstaltungstechnik GmbH, berichtet: „Im Hamburger Stadtgebiet waren jeweils Frequenzen im gebührenpflichtigen B-Band, dem Bereich zwischen 626 und 648 MHz betroffen. Im Tierpark Hagenbeck, bei Firmenveranstaltungen und an der Universität sind im Tagesbetrieb keine Veranstaltungstechniker anwesend. Die Mikrofonnutzer waren hilflos, wir mussten Noteinsätze fahren, um die Veranstaltungen überhaupt zu ermöglichen. Für mich persönlich der größte Hammer: Die Bundesnetzagentur wusste von nichts und hat offenbar erst durch meinen Anruf von den Störungen erfahren. Nach kurzen Nachforschungen konnte man mir immerhin mitteilen, dass sie auf einen neuen DVB-T2-Sender zurückzuführen sind. Von einer Bundesbehörde, die als Herr über das Frequenzspektrum Gebühren für Frequenzzuteilungen verlangt, erwarte ich etwas anderes. Eine offizielle Information vorab wäre äußerst hilfreich gewesen.“

Zuspitzung droht bis 2019

„Leider sind die Vorfälle in Hamburg nur die Spitze des Eisberges“, erklärt Helmut G. Bauer, Gründer der Initiative „SOS – Save Our Spectrum“. „Das eigentliche Problem steht uns erst noch bevor: Durch die Räumung des 700 MHz-Bandes wird das Frequenzspektrum für drahtlose Produktionsmittel bis 2019 immer knapper werden. Momentan kann man häufig noch auf andere Kanäle ausweichen, wenn die bisherigen Frequenzen gestört sind. Schon bald gibt es aber vielerorts keine Garantie mehr, noch freie Frequenzen zu finden. Eine ernsthafte Bedrohung für die deutsche Kultur- und Kreativwirtschaft mit ihren vielen Veranstaltungen.“

„Digitale Dividende 2“ als Ursache

Das digitale Antennenfernsehen und drahtlose Produktionsmittel teilen sich das UHF-Funkspektrum. Als Sekundärnutzer senden drahtlose Produktionsmittel in den Lücken zwischen den TV-Kanälen. Da mit der „Digitalen Dividende 2“ ein erheblicher Teil dieses Spektrums an den Mobilfunk versteigert wurde, werden diese Lücken immer weniger. Es verbleibt der Frequenzbereich 470 – 694 MHz zur gemeinsamen Nutzung. Mit der Umstellung auf DVB-T2 sind oft auch Kanalwechsel verbunden. Dadurch belegt das Fernsehen mit seinen viel stärkeren Sendesignalen dauerhaft Frequenzen, die früher für drahtlose Produktionsmittel offen waren.


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