- © Foto: ESA/P.Carril -
DAUN, 14.12.2016 - 11:15 Uhr
Technik - Satellit

Galileo: Europas Satelliten-Navigationssystem startet am 15. Dezember erste Dienste

Nachdem im November eine Ariane 5 Rakete gleich vier Satelliten für das europäische Galileo Satelliten-Navigationssystem in den Weltraum beförderte, schreiten die Pläne für Europas eigenes GPS voran. Am 15. Dezember sollen nun die ersten Ortungsdienste an den Start gehen. Für die Nutzung sei allerdings ein Smartphone bzw. Navigationsgerät nötig, dass mit einem entsprechenden Mikrochip ausgestattet ist. Die EU-Kommission rechne damit, dass immer mehr Anbieter in den kommenden Jahren mit dem Chip ausgestattete Geräte auf den Markt bringen werden, hieß es.

Bedingung der ersten Galileo-Dienste erfüllt

Mit der Ariane-Mission VA233, im November 2016, erreichten nun 18 Satelliten ihre Orbits und erfüllen so die Bedingung, dass die ersten Galileo-Dienste von der Europäischen Kommission bereitgestellt werden können. „Dazu gehört der offene Dienst, mit dem die Bürger dann zum Beispiel mit Navigationsgeräten ihre Position genauer als je zuvor bestimmen können. Auch der Such- und Rettungsdienst soll eingeschränkt zur Verfügung stehen.“, erklärt René Kleeßen, Galileo-Programm-Manager beim Raumfahrtmanagement des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR). In Deutschland sind bereits mehrere Testzentren gebaut worden, in denen Galileo künftig für den Schiffsverkehr, den Luftverkehr, den Autoverkehr und den Schienenverkehr getestet werden soll. Kommerzielle Dienste werden allerdings noch nicht starten.

Vollständig funktionsfähig wird das System Galileo allerdings erst dann sein, wenn im Jahr 2020 30 Satelliten die Erde umkreisen – 24 in Funktion und sechs als möglicher Ersatz. Die nächsten Galileo-Starts sind für Sommer 2017 und Anfang 2018 geplant. Auch dann sollen wieder jeweils vier Satelliten ins Weltall gebracht werden.

Galileo

Galileo ist Europas ziviles globales Satellitennavigationssystem. Das System soll eine Alternative zum amerikanischen GPS und dem russischen GLONASS bieten. Wenn 2020 alle Satelliten wie geplant im All sind, soll die Genauigkeit sogar die des GPS übertreffen. Es ist ein wichtiger Teil der Europäischen Raumfahrt Strategie und soll 2020 betriebsbereit sein und dann helfen, die Navigation im Auto und Mobilfunksignale zu verbessern und den Verkehr auf Straße und Schiene sicherer machen.

Galileo sollte ursprünglich bereits 2008 in Betrieb gehen. Die EU hat das Projekt vor 16 Jahren beschlossen. Seitdem gab es immer wieder Rückschläge. Die Finanzierung war nicht vollständig geklärt, zwei Satelliten wurden in den falschen Orbit geschickt und überhaupt zweifeln einige daran, dass Europa ein eigenes Satellitennavigationssystem braucht.

Rund 13 Milliarden Euro wird Galileo nach derzeitigem Stand im Endausbau gekostet haben. Die EU schielt auf den kommerziellen Markt für Navigationslösungen. Sie schätzt das weltweite Volumen dafür auf mehrere hundert Milliarden Euro. Sechs bis sieben Prozent der gesamten EU-Wirtschaft hängt demnach in irgendeiner Weise von Satellitennavigation ab. Die Systeme befinden sich schon heute in Flugzeugen, Taxis und Einsatzfahrzeugen, werden in Logistikbetrieben eingesetzt und sind in nahezu allen modernen Handys verbaut.

Mit Galileo werden sich Nutzer auf der ganzen Welt äußerst präzise und zuverlässig räumlich und zeitlich positionieren können. Nach seiner Fertigstellung wird das System aus 24 aktiven Satelliten und dem Bodensegment bestehen, um Ortungs-, Navigations- und Zeitgebungsdienste zur Verfügung zu stellen.

Galileo ist ein Programm der EU und wird von ihr finanziert. Die Europäische Kommission hat die Gesamtverantwortung für das Programm und ist für die Leitung und Überwachung der Durchführung sämtlicher Programmtätigkeiten verantwortlich.

Die ESA ist für Galileo mit der Errichtung, dem Entwurf und der Entwicklung der neuen Systemgeneration sowie den technischen Entwurfsarbeiten für die Infrastruktur beauftragt. Die Definitions- und die Entwicklungsphase sowie die Phase der orbitalen Validierung (IOV) wurden von der ESA durchgeführt und von ihr und der Europäischen Kommission gemeinsam finanziert.

Die Sicherheit und die Betriebsaufnahme von Galileo stellt die Agentur für das Europäische GNSS (GSA) sicher. Sie wird ab 2017 auch mit dem Betrieb und der Erbringung der Dienste beauftragt sein.


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