- © Foto: EPA -
DAUN, 16.06.2017 - 14:38 Uhr
Technik - Satellit

Galileo-Team erhält Europäischen Erfinderpreis 2017

Vorsprung in der Satellitennavigationstechnologie für Europa geschaffen

Das Europäische Patentamt (EPA) hat am 15. Juni den Deutschen Günter Hein, den französischen Ingenieur Laurent Lestarquit, den Spanier José Ángel Ávila Rodríguez und ihr Team mit dem Europäischen Erfinderpreis 2017 für die Entwicklung von zwei primären Signaltechnologien für Galileo, Europas globalem Navigationssatellitensystem (GNSS), ausgezeichnet. Ihre Erfindung stattet Galileo mit einer außergewöhnlichen Positionsgenauigkeit aus, bei gleichzeitiger Wahrung der Kompatibilität und Interoperabilität mit anderen führenden Satellitennavigationssystemen. Zudem kommt das System mit einem geringeren Energieverbrauch der Satelliten aus.

Derzeit befindet sich Galileo noch in der Anfangsphase – wenn das weltweite Satellitennavigations- und Ortungssystem 2020 vollständig in Betrieb ist, wird es eine große Bandbreite an Merkmalen und Diensten bieten, die Galileo zum weltweit modernsten GNSS machen. Das europäische Team, zu dem auch der französische Teamleiter Jean-Luc Issler und der französisch-belgische Ingenieur Lionel Ries gehören, wurde bei der feierlichen Preisverleihung in Venedig in der Kategorie „Forschung“, einer von fünf Sparten des Europäischen Erfinderpreises, ausgezeichnet.

„Die Signaltechnologie, die dieses wahrhaft europäische Team entwickelt hat, gehört zu den Schlüsselmerkmalen, die Galileo von anderen Satellitennavigationssystemen abheben und so eine Basis sowohl für technologischen Fortschritt als auch wirtschaftliches Wachstum Europas auf diesem Gebiet bilden“, sagte EPA-Präsident Benoît Battistelli. „Die wachsende Bedeutung von Satellitennavigationsanwendungen sowohl in der Wirtschaft als auch im täglichen Leben macht diesen Beitrag besonders wertvoll.“

Rund 600 Gäste aus den Bereichen Politik, Wirtschaft, geistiges Eigentum und Wissenschaft nahmen an der Verleihungszeremonie im Arsenale in Venedig teil, die vom EPA-Präsidenten zusammen mit Carlo Calenda, Italiens Minister für wirtschaftliche Entwicklung, eröffnet wurde.

2017 hat das EPA zum zwölften Mal den Europäischen Erfinderpreis verliehen, mit dem jedes Jahr herausragende Erfinder aus Europa und der ganzen Welt ausgezeichnet werden, die maßgebliche Beiträge zu gesellschaftlicher Entwicklung, technologischem Fortschritt und wirtschaftlichem Wachstum geleistet haben. Die Gewinner wurden von einer unabhängigen internationalen Jury unter mehr als 450 Erfindern und Erfinder-Teams für die diesjährige Preisverleihung ausgewählt.

Satelliten-Wellenformen – für die Zukunft designt

Hein, Lestarquit, Ávila Rodríguez und ihr Team standen im Rahmen ihrer Arbeit in der Galileo-Arbeitsgruppe verschiedenen außergewöhnlichen technischen Herausforderungen gegenüber. So mussten sie höchstgenaue Positionssignale entwickeln und dabei in einem begrenzten Frequenzbereich bleiben, der in früheren Verhandlungen zwischen der EU und den USA vereinbart worden war. Außerdem sollte sichergestellt sein, dass die Galileo-Signale mit dem US-amerikanisch geführten GPS- und dem russischen GLONASS-System kompatibel sind und diese nicht stören. Darüber hinaus galt es, an der begrenzten Satellitenleistung weiter zu sparen. „Galileo ist auf dem Weg, das genaueste und zuverlässigste Navigationssystem der Welt zu werden, welches eine Präzision bis in den Zentimeterbereich bietet“, sagt Ávila Rodríguez. „Um all das zu erreichen, mussten wir ein überragendes Signal entwickeln, was niemand für möglich gehalten hätte“, sagt Lestarquit.

Die beiden vom Team erfundenen und vom EPA patentierten Signaltechniken mit der Bezeichnung Composite Binary Offset Carrier (CBOC) und Alternative Binary Offset Carrier (Alt-BOC) bewältigen diese Aufgaben.

Neue Wege für GNSS ebnen

Das von der EU initiierte Galileo-Programm wird von der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) umgesetzt. Das Satellitennavigationssystem ist unabhängig, steht unter ziviler Kontrolle und soll die Autonomie Europas in einem Bereich stärken, der zunehmend an Bedeutung gewinnt. Aus Galileo kann erheblicher ökonomischer Nutzen erwachsen, da das System als Katalysator für wirtschaftliche Tätigkeiten wirkt. Unternehmen können die Daten von Galileo nutzen, um neue Dienstleistungen zu erbringen. Damit erleichtert das europäische GNSS-System die Schaffung von wirtschaftlichem Mehrwert und Arbeitsplätzen in einer Vielzahl von Branchen (von der Medizin über Transport bis hin zu Computerwissenschaft). Schätzungen zufolge wird Galileo in den nächsten 20 Jahren einen wirtschaftlichen Nutzen von 90 Milliarden Euro erzeugen.

Darüber hinaus wird Galileo Funktionen und Dienste „der nächsten Generation“ für Nutzer der bestehenden GNSS-verbundenen Geräte zur Verfügung stellen. Die Zahl solcher Geräte liegt aktuell bei ungefähr vier Milliarden und soll sich bis 2019 voraussichtlich auf rund sieben Milliarden verdoppeln. Durch die präzisere Positionsbestimmung, die in großen Teilen der Signaltechnologie von Hein, Lestarquit und des Teams zu verdanken ist, kann Galileo gegenwärtige und zukünftige Anwendungen wirksamer unterstützen – vom sichereren und effizienteren Reisen bis zur multimodalen Logistik, zur intelligenten Städteplanung genauso wie zur verbesserten Infrastrukturplanung.

„Galileo ist eine ‚Enabling‘-Technologie, auf deren Grundlage neue Dienste, neue Jobs und neue Anwendungen in den nächsten Jahren wachsen und sich herausbilden werden. Als wir diese Signale entwickelten, träumten wir davon, etwas für Europa zu erschaffen“, sagt Ávila Rodríguez. „Ich denke, das Patent zeigt, dass wir große Dinge erreichen können, wenn die Nationen Europas für eine gemeinsame Zukunft zusammenarbeiten.“


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://www.infosat.de/technik/galileo-team-erh-lt-europ-ischen-erfinderpreis-2017

Aktuelle Ausgabe 6/2017

Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.