DAUN, 31.01.2019 - 15:53 Uhr
Technik - Satellit

Galileo: Vier weitere Navigationssatelliten einsatzbereit

Das europäische Galileo Satellitennavigationssystem macht Fortschritte. Die vier letzten, im Juli 2018 gestarteten Navigationssatelliten, wurden nach einer umfangreichen Testphase jetzt für den Eintritt in die Konstellation des Europäischen Satellitennavigationssystems Galileo bereit erklärt, teilte der Bremer Raumfahrttechnologie-Konzern OHB am 31. Januar mit.

„Anna“, „Ellen“, „Tara“ und „Samuel“ sollen nun, wie geplant die Satelliten-Konstellation der Galileo-Flotte verstärken und das europäische Satellitennavigationssystem noch leistungsfähiger machen.

Bei OHB in Bremen sei die Serienproduktion für weitere 12 Galileo-Satelliten angelaufen; außerdem arbeite man an Konzepten für die nächste Satelliten-Generation, hieß es weiter.

Die Galileo FOC-Satelliten wurden von der Bremer Satellitenschmiede OHB System AG geliefert und im Juli 2018 vom europäischen Startplatz Kourou, Französisch Guyana, ins All transportiert. Es war der letzte Start, im Rahmen des Galileo-Programms, mit der Trägerrakete Ariane 5. Denn ab 2020 sollen die nächsten Galileo-Satelliten bereits mit der neuen Ariane 6 Rakete abheben.

Die Galileo-Satelliten verrichten in rund 23.000 Kilometer Höhe ihren Dienst im All. Die derzeitige Konstellation setzt sich aus IOV-Satelliten (In-Orbit-Validation) und FOC-Satelliten (Full Operational Capability) zusammen. Sie ermöglichen den Bürgerinnen und Bürgern in Europa und überall auf der Welt eine Vielzahl hilfreicher Navigationsanwendungen. Außerdem erlangte Europa mit Galileo Unabhängigkeit von anderen globalen Satellitennavigationssystemen wie GPS oder Glonass. Ab 2020 werden der Galileo-Konstellation Ersatz-Satelliten zur Seite gestellt – ebenfalls „Made by OHB“. 

„OHB hat eine ausgezeichnete Arbeit geleistet und qualitativ hochwertige Satelliten in Rekordzeit geliefert. Wir danken allen Teams für ihr Engagement und freuen uns auf die Fortsetzung unserer Partnerschaft", sagt Paul Verhoef, ESA Direktor Navigation.

„Natürlich erfüllt mich der heutige Tag mit großem Stolz. Es ist schon etwas ganz Besonderes, wenn man sich bewusst macht, dass Millionen von Menschen nicht zuletzt dank der OHB-Satelliten genauere Navigationsdaten empfangen, die Rettungsdienste schneller zum Einsatzort kommen und sich Handel und Wirtschaft auf die Zeitstempel des Satellitensystems verlassen können. Der Nutzen der Raumfahrt wird mit den Navigationsdienstleistungen für die meisten Bürgerinnen und Bürger im Alltag direkt spürbar“, sagt Wolfgang Paetsch, der für Navigation, Erdbeobachtung und Wissenschaft zuständige Vorstand bei der OHB System AG. „In drei Ausschreibungsrunden konnte sich die OHB System AG bislang als Hersteller der Satellitenplattformen und als Systemführer durchsetzen und wurde von der Europäischen Weltraumorganisation ESA mit Entwicklung, Bau und Test von insgesamt 34 Galileo Satelliten beauftragt. 22 befinden sich im Weltraum und konnten ihre volle Funktionsfähigkeit im All unter Beweis stellen.“

Serienproduktion wieder aufgenommen

In der dritten Ausschreibung hat sich die ESA für die Expertise der OHB System AG entschieden und im Jahr 2017 weitere 12 Satelliten geordert – die Ersatz-Crew sozusagen. „Die Serien-Produktion an unseren bewährten Fertigungsinseln haben wir im Dezember 2018 wieder aufgenommen. Wir wollen jetzt alle sechs Wochen die Produktion eines weiteren Satelliten aufnehmen“, erklärt Dr. Kristian Pauly, bei OHB Direktor Navigation.

Ersatz-Satelliten sollen im Herbst 2020 startbereit sein

Die ersten beiden Ersatz-Satelliten für das Satellitensystem Galileo sollen im Herbst 2020 startbereit sein. „Zu diesem Zeitpunkt werden die anderen zehn Satelliten in unterschiedlichen Stadien der Fertigstellung sein. Alle drei Monate werden wir zwei weitere Satelliten fertigstellen“, so Dr. Pauly.

Schritt für Schritt zum Gesamtsystem

Europas eigenes globales Navigationssystem Galileo stellt verschiedene Dienste zur Positionsbestimmung, Navigation und Zeitbestimmung bereit. In der Endkonfiguration besteht es aus 24 auf drei Ebenen angeordneten Satelliten plus Reserve-Satelliten sowie einem weltweiten Netz an Bodenstationen.

Erste Dienste wurden im Dezember 2016 zur Verfügung gestellt. Jeder neu in die Satellitenkonstellation eingegliederte Satellit macht das System stabiler und schneller. Derzeit sind in Europa mehr als 70 Typen von Smartphones auf dem Markt, die Galileo-Signale empfangen können. Bis Oktober 2018 wurden mehr als 500 Millionen Galileo-fähige Geräte verkauft. Neuere Smartphones empfangen neben GPS und Glonass auch den von Galileo angebotenen offenen Navigationsservice für die breite Öffentlichkeit. Der Public Regulated Service von Galileo ist auf institutionelle Anwender wie Behörden, Polizei oder Feuerwehr zugeschnitten. Der Search-and Rescue-Dienst ermöglicht eine genaue und zuverlässige Ortung von Notrufsignalen – ein schnelleres Eintreffen der Rettungsmannschaft am Unglücksort kann über Leben und Tod entscheiden.

Die nächste Satellitengeneration entsteht – in den Köpfen

Bei OHB macht man sich schon lange Gedanken darüber, was eine zukunftsfähige nächste Satellitengeneration leisten können muss. Verschiedene Satellitendesigns und Missionskonzepte wurden erdacht und geprüft. Der Europäischen Weltraumorganisation ESA möchte man erneut ein überzeugen-des Angebot unterbreiten. „Die Anwender sollten künftig von weiter verbesserten Signalen und Services profitieren können. Ich gehe davon aus, dass wir jetzt noch gar nicht absehen können, welche weiteren Anwendungen es bis dahin geben wird. Wir machen uns auch Gedanken, wie der Betrieb kostenoptimiert werden könnte – nicht zuletzt, weil die Bürgerinnen und Bürger Europas die Eigentümer des Systems sind. Auch Sicherheitsaspekte haben wir im Fokus“, erklärt Wolfgang Paetsch. „Wir können auf einen großen Erfahrungsschatz aus den bisherigen Beauftragungen bauen. Kombiniert mit unseren Ideen, den erarbeiteten Konzepten und der Absicht, auch weiterhin entscheidend zu Galileo beitragen zu wollen, können wir mit Sicherheit wieder ein attraktives Angebot abgeben“.


Diesen Artikel:
  • print Drucken
  • Bookmark Bookmarken

QR-Code mit dem Handy Scannen und diese(n) Seite / Artikel online Lesen:

 

Google QR Code Generator

QR Code for https://www.infosat.de/technik/galileo-vier-weitere-navigationssatelliten-einsatzbereit
Oops... Sie benutzen eine zu alte Browserversion. Um die Seite Korrekt darzustellen benutzen sie bitte mindestens den Internet Explorer 8.
navigateup

Für die Ansicht der mobilen INFOSAT Webseite drehen Sie bitte ihr Handy.