- © Foto: Enercon -
DAUN, 04.04.2022 - 10:00 Uhr
Technik - Satellit

Großteil von Windenergieanlagen nach Cyber-Attacke auf Satellit wieder online

Der Enercon-Service hat über 85 Prozent der von einer massiven Störung der Satellitenkommunikation betroffenen Windenergieanlagen wieder in die Fernüberwachung und Fernwartung eingebunden, teilte das Auricher Unternehmen am 1. April mit.

1101 Windparks seien wieder online, bei 193 Windparks sei die Kommunikation weiterhin gestört, hieß es (Stand: 1. April). Service-Teams in der Region Zentraleuropa (CNE) arbeiten derzeit in einer großangelegten konzertierten Aktion unter Hochdruck daran, das Problem zu beheben, das infolge einer Cyber-Attacke auf den Satelliten KA-SAT am 24. Februar eingetreten war (INFOSAT berichtete).

Über den Satelliten geführte Kommunikationsdienste waren nahezu zeitgleich mit der Invasion russischer Truppen in die Ukraine ausgefallen. Betroffen waren europaweit rund 30.000 Satellitenterminals, die von Unternehmen und Organisationen aus verschiedenen Branchen genutzt werden, darunter 5.800 Enercon WEA in Zentraleuropa mit einer Gesamtleistung von über 10 Gigawatt. Gegenüber Enercon wurde inzwischen bestätigt, dass es sich bei der Ursache der Störung um einen Cyber-Angriff handelte, der jedoch nicht direkt auf Enercon bzw. Enercon-Kunden abzielte. Es wird ein Zusammenhang mit dem russischen Angriffskrieg vermutet, die Störung der Kommunikation zu den WEA gilt als Kollateralschaden.

Eine Gefahr für die WEA bestand und besteht nicht. Die Netzbetreiber haben weiterhin uneingeschränkt Zugriff auf die Anlagen, um deren Verhalten im Stromnetz zu steuern – bspw. um die Einspeiseleistung zu drosseln, sollte dies aus Gründen der Netzstabilität notwendig sein.

Da bei Anlagen, die sich durch die Störung offline befinden, keine SCADA-Überwachung stattfindet, sollten Betreiber ihren Service-Ansprechpartnern und anderen beteiligten Stakeholdern Unregelmäßigkeiten und Störungen direkt oder über ihre Betriebsführung melden. 

Großteil der Anlagen soll bis Ostern wieder online sein

Um die Kommunikationsverbindung wiederherzustellen, tauscht der Enercon-Service die bei der Cyber-Attacke beschädigte Hardware in den Windenergieanlagen aus. Enercon hatte sich ein größeres Kontingent an SAT-Modems für seine Kunden gesichert, um schnell und unkompliziert mit der Tauschaktion beginnen zu können. Bei weiteren Windparks wurde die Kommunikation alternativ über LTE/Mobilfunk wiederhergestellt (INFOSAT berichtete). Die verbleibenden Windparks werden nach und nach abgearbeitet. Der Großteil der Anlagen soll bis Ostern wieder online sein.

Eine wesentliche Herausforderung, die momentan vorherrscht, ist die bei vielen Windparks fehlende Backup-Kommunikationsverbindung, die im Fehlerfall den originären Anschluss ersetzt. Um diese Lücke für Betreiber zukünftig schließen zu können, stellt Enercon derzeit Nachrüstpakete auf LTE-Basis vorerst für die betroffenen SAT-Systeme zusammen, um diese in den kommenden Wochen und Monaten anbieten zu können. Enercon hofft auf eine große Resonanz der Kunden, die durch diesen bisher einmaligen Vorfall sehr sensibilisiert sind. Enercon wird seine Kunden aktiv in den kommenden Wochen mit einem Angebot ansprechen. Bei Neuprojekten empfiehlt Enercon seinen Kunden, bereits jetzt diese technische Einrichtung prinzipiell in den Planungen zu berücksichtigen und umzusetzen.

 


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