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DAUN, 02.05.2022 - 11:15 Uhr
Technik

Interview mit Herbert Strobel, Vorsitzender des ZVEI-Fachverbands Media Networks

Der ZVEI-Fachverband Satellit & Kabel positioniert sich neu und vertritt die Interessen seiner Mitglieder künftig als Fachverband Media Networks. Der neue Name reflektiert die veränderten Anforderungen an die Service- und Produktpalette der Mitgliedsunternehmen und trägt dem Zusammenwachsen der Netze ebenso wie dem Wandel der Mediennutzung Rechnung. Im Kern steht der Bedarf nach Gigabitnetzen und vernetzten Lösungen für die Medienversorgung. Glasfaserlösungen spielen dabei eine zunehmende Rolle – über alle Infrastrukturen hinweg. INFOSAT hat mit dem Vorsitzenden des Fachverbands, Herbert Strobel, ASTRO Strobel, gesprochen.

Herr Strobel, distanziert sich der Fachverband jetzt von „Satellit“ und „Kabel“? Ein ganz klares Nein. Der Fachverband bzw. seine Mitglieder entwickeln ihr Geschäft stetig weiter. Der bisherige Name „Satellit & Kabel“ stand für die beiden wichtigsten TV-Verbreitungswege und die damit verbundene Verteil- und Empfangstechnik, die von unseren Mitgliedsunternehmen entwickelt, produziert und vertrieben wird. Die Medienverbreitung hat sich zuletzt sehr dynamisch entwickelt – neben den bekannten linearen Programmangeboten gibt es heute eine Vielzahl von Streamingdiensten. TV kann auch als Datenstrom übertragen werden und das Internet ergänzt das klassische Fernsehprogramm. Angesichts dieser vielfältigen Medienangebote verändern sich auch die anwenderspezifischen Möglichkeiten in der Verteil- und Empfangstechnik – und der Bandbreitenbedarf in den Netzen steigt rasant.

Natürlich bleibt die Empfangstechnik für Satellit, Kabel, IP und DVB-T2 auch künftig die Schlüsselkompetenz unseres Fachverbands. Unser profundes Wissen in Bezug auf Übertragungstechnologien und Medienempfang bildet unser Rückgrat und die Einzigartigkeit unseres Fachverbands. Heute steht dabei allerdings der ganzheitliche Systemgedanke – vom Empfang, über Signal-Aufbereitung bis hin zur Verteilung über die unterschiedlichen Infrastrukturen –im Vordergrund.

Unsere Branche konzipiert und entwickelt technische Lösungen übergreifend für alle Netze und Empfangsarten. Wir haben uns entschieden, dies auch im Namen unseres Fachverbands sichtbar zu machen.  

Welche Bedeutung spielt die Medienverbreitung heute überhaupt noch? Für heutige, aber auch künftige Netzwerke ist die Verbreitung von Medien wichtiger denn je. Wo früher ausschließlich lineare Fernsehinhalte konsumiert wurden sind heutige Medieninhalte von reinen Video-Plattformen über Mediatheken – als Ergänzung zum linearen Fernsehen – bis zu internationalen Streaming-Plattformen omnipräsent und Teil des regelmäßigen Konsumverhaltens. Während der Pandemie wurde die Relevanz von aktuellen Unterhaltungs- und Informationsangeboten für die Gesellschaft deutlich: Die Nachfrage nach linearen Inhalten stieg zu Beginn der Pandemie ebenso wie der Konsum von Streaming-Angeboten. Zuletzt stieg auch angesichts der aktuellen kriegerischen Auseinandersetzung in der Ukraine wieder der Informationsbedarf der Bürgerinnen und Bürger deutlich. Künftig werden mit Virtual-Reality-Anwendungen und 3D-Videospielen sogar noch höhere technische Anforderungen auf die Netzwerke zukommen. Bereits heute sind Medieninhalte der hauptsächliche Bandbreitentreiber in Netzwerken. Durch Entwicklungen wie Homeoffice werden Video-Inhalte auch im professionellen Bereich und in unserem Alltag weiter an Bedeutung gewinnen (z. B. Telemedizin). Aus der Überzeugung heraus, dass „Media“ der Dreh- und Angelpunkt für den Ausbau der Netzwerke bleibt, haben wir bewusst entschieden, den Begriff in unseren neuen Namen sichtbar zu machen.

Wer sind die Adressaten des Fachverbands Media Networks? Das Spektrum unserer Kunden reicht vom klassischen Kabelnetzbetreiber, dem Fachgroßhandel und -installateur bzw. -handwerker für Satelliten-Empfangstechnik bis zu Stadtnetzbetreibern, Breitbandtöchtern von Energieversorgern, sowie Mobilfunk- und Telekommunikationskonzernen.

Durch die Neupositionierung sprechen wir künftig auch Anbieter von neuen Lösungen in Media-Netzwerken deutlicher an und können so neue Mitglieder gewinnen, um den Fachverband weiter zu stärken.

Wir erhoffen uns zudem, dass die politischen Entscheidungsträger und zuständigen Behörden dank unseres neuen Namens das Profil und den Beitrag des Fachverbands sowie seiner Mitgliedsfirmen klarer zuordnen können und gezielter in den Dialog mit uns gehen. Wir sind der Überzeugung, dass wir einen wertvollen Beitrag im Diskurs über die Modernisierung der digitalen Infrastruktur in Deutschland leisten können. Die letzten beiden Jahre haben bewiesen, dass leistungsfähige Netzwerke absolut notwendig und entscheidend für die Zukunft unserer Gesellschaft sind. Als mittelständische, in Deutschland fest verankerte Unternehmen tragen wir zur Netzwerkaufrüstung in einem Umfang bei, die noch nicht ausreichend anerkannt ist. Auch die volkswirtschaftliche Bedeutung unserer Branche wird leider noch zu oft unterschätzt.

Welche Rolle spielt die Glasfasertechnologie in den heutigen und künftigen Netzen? Die Glasfasertechnologie spielt eine entscheidende Rolle in den heutigen wie auch künftigen Netzen. Die Glasfaser bietet unbestritten in vielerlei Hinsicht Vorteile, sei es in den zur Verfügung stehenden Übertragungsbandbreiten, als auch den Übertragungslängen und im Energieverbrauch. Der Glasfaserausbau ist allgegenwärtig und der Fachverband Media Networks bietet komplette Optische Sende-, Verteil- und Empfangslösungen, sowohl für PON-/GPON-Anwendungen, als auch für den Glasfaserausbau über Satellit.

Welchen Platz haben Kupfer – und HFC Netze künftig und wo liegt die Stärke der Satelliten-Infrastruktur? In Bestandsanlagen - sei es HFC- oder Satellitennetze - ist zum größten Teil Koaxialkabel verlegt/verbaut. Die HFC-Kabelnetze stehen von den technisch möglichen Übertragungsbandbreiten der Glasfaser nicht viel nach. Warum sollte dann ein vorhandenes leistungsfähiges Netz ausgetauscht oder sogar überbaut werden, wenn es mit sehr viel weniger Aufwand und einem Bruchteil der Kosten modernisiert werden kann.

Die Satelliten-Infrastruktur vereint alle Vorteile des Satellitenempfangs, von der Programmvielfalt, einschließlich der Verfügbarkeit internationaler Medienangebote, bis hin zu Flexibilität und Unabhängigkeit. Mit den neuen Möglichkeiten der Programm-Übertragung von Satellitensignalen über Glasfaser können alle Vorteile des Satellitenempfangs mit den Vorteilen der Glasfaserübertragung kombiniert werden, dies bietet einen Benchmark in der Übertragungstechnik.

Welche Bedeutung haben optische Übertragungssysteme und wo kommen diese künftig verstärkt zum Einsatz? Die Optik hat seit jeher eine große Bedeutung in unserer Branche und wird diese noch weiter ausbauen. In der Netzebene 3, der Straßenverteilung kommt die Optik schon seit Jahrzehnten zum Einsatz. In den letzten Jahren rückt die Optik immer näher zum Gebäude und ins Gebäude hinein, der nächste Schritt ist die optische Verteilung im Haus bis zum Endgerät. Dies wird aus Bestandsschutz, -kosten und anforderspezifischen Gründen nicht überall gewünscht und möglich sein, daher werden andere Übertragungsmedien wie Koaxialtechnik, CAT und Wifi, je nach Zielgruppe Hospitality, Wohnungswirtschaft, Privatwirtschaft, ebenfalls ihre Bedeutung behalten. Die Optik hat insbesondere dort ihre Berechtigung, wo es um die Übertragung von großen Bandbreiten, die Übertragung über große Distanzen/Längen oder den Abschluss von vielen Teilnehmern, geht.

Wer mehr zu unserer Technik lesen und verstehen möchte, dem lege ich den Technologie-Kompass Media Networks ans Herz, der gerade erschienen ist.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

 


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