Olaf Korte, Gruppenleiter, Anwendungen für Digitalen Rundfunk, im Fraunhofer IIS in Erlangen Olaf Korte, Gruppenleiter, Anwendungen für Digitalen Rundfunk, im Fraunhofer IIS in Erlangen - © Foto: Paul Pulkert -
DAUN, 27.08.2021 - 16:42 Uhr
Technik - Radio

Interview mit Olaf Korte, Fraunhofer IIS: „Anfangen, machen, anstatt weiter zu diskutieren!”

Ein vor über fünf Jahren vom Fraunhofer IIS entwickeltes Warnsystem „Emergency Warning Functionality“ (EWF), könnte künftig zu einem wichtigen Faktor beim Bevölkerungsschutz werden. Mithilfe der EWF-Funktion sollen DAB+-Digitalradios eine schnelle und zuverlässige Warnung der Bevölkerung im Katastrophenfall ermöglichen. Warum DAB+ Radios mit EWF ein krisensicheres Warnsystem sein könnten und woran es hakt, dass sich das Warnsystem noch nicht auf dem Markt durchgesetzt hat, darüber hat InfoDigital mit Olaf Korte, Gruppenleiter, Anwendungen für Digitalen Rundfunk, im Fraunhofer IIS in Erlangen gesprochen.

Herr Korte, aus welcher Sicht ist Emergency-Warning-Funktionalität (EWF) auf DAB+ ein krisensicheres Warnsystem für die Bevölkerung?

Aus Sicht des Sendebetriebs, also des Aussenders einer Warnung, sind Rundfunksysteme erheblich robuster als mobilfunk- oder internetbasierte Systeme. Für eine bundesweite Abdeckung benötigt man weniger als 200 Sender, die sich an hohen und somit vor Überflutung sicheren Standorten befinden. Der Zutritt zu den Anlagen ist besonders geschützt und sie lassen sich mit Notstrom über lange Zeiträume versorgen. Die Signalzuführung zu diesen Standorten läuft über separate Netze, z.B. auch per Satellit und Richtfunk. Aus Sicht des Empfängers, also des zu Warnenden, bietet das Radio eine für jeden Menschen einfache Zugänglichkeit. Im Falle von Stromausfällen hält ein batteriebetriebenes Radio erheblich länger durch als ein Mobiltelefon. Des Weiteren verfügt jedes Auto über ein Radio, welches somit im Notfall über sehr lange Zeiträume weiter genutzt werden kann. EWF über DAB+ beinhaltet neben der Audionachricht auch detaillierte, ggf. mehrsprachige Text-Informationen. Diese können nicht nur für EWF-Radios genutzt werden, sondern sind auch auf entsprechend ausgerüsteten öffentlichen Anzeigetafeln darstellbar. Werden diese Anzeigetafeln über Akku und PV-Strom versorgt, können sie in Katastrophengebieten auch bei Ausfall aller lokalen Kommunikationsmittel ein wichtiges Informationsmedium für die Bevölkerung darstellen.

Ist aus Sicht des Fraunhofer IIS zu überdenken, die Integration von EWF bei den internationalen Standards für DAB+ anzupassen? 

EWF ist implizit bereits Bestandteil des DAB+ Standards, indem es dort definierte Funktionen zum EWF-Dienst zusammenfasst. Leider sind einige sehr wichtige EWF-Funktionsmerkmale im DAB+ Standard bisher nur als optional beschrieben, um die Empfänger möglichst preiswert und einfach zu halten. Ein Empfänger muss diese also nicht zwingend implementieren. Hier wäre eine Verschärfung und Erweiterung der Mindestfunktionalität sehr wünschenswert. Vielleicht gelingt es aufgrund der aktuellen Katastrophen-Ereignisse, zu denen ja auch die verheerenden Waldbrände im Süden Europas gehören, EWF stärker in den Fokus zu rücken und dadurch ein Umdenken der an der Standardisierung Beteiligten zu erwirken. Jeder Empfänger, der ein Display mit mehrzeiliger Textdarstellung besitzt, sollte die EWF-Journaline-Funktion unterstützen. Nur so ist eine detaillierte Beschreibung einer Gefahrenlage, auch abgestuft nach unterschiedlichen Regionen innerhalb eines Sendegebietes, möglich. Darüber hinaus hilft dies Hörbehinderten und Fremdsprachlern, die Warnung zu verstehen.

Was sollte man Ihrer Einschätzung nach jetzt unternehmen um der Einführung von EWF auf DAB+ Geräten einen Anstoß geben?

„Anfangen/Machen, anstatt weiter zu diskutieren!“ Man sollte insbesondere auf Sendeseite zügig anfangen, EWF über DAB+ einzuführen, idealerweise mit vollautomatischer Anbindung an MoWaS, um eine Warnverzögerung auf eingeschalteten Empfängern von unter 10 Sekunden garantieren zu können...

Das komplette Interview lesen Sie in der neuen InfoDigital September-Ausgabe, 9/2021 (Nr. 402), die ab Freitag, 27. August 2021 als Einzelheft, im Abo oder als E-Paper sowie für iPad erhältlich ist.


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