DAUN, 09.09.2021 - 15:59 Uhr
Technik - Satellit

Neues James-Webb-Weltraumteleskop ist Startbereit – Termin steht fest

Die ESA, NASA und Arianespace haben gemeinsam den 18. Dezember 2021 als angestrebtes Datum für den Ariane-5-Flug VA256 festgelegt. Das gab die Europäische Weltraumorganisation ESA am 8. September bekannt. Der dritte Start von Ariane-5 im Jahr 2021 wird das James-Webb-Weltraumteleskop vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana ins All bringen.

Wichtige Meilensteine auf dem Weg zum Start von Webb wurden bereits erreicht oder sind im Gange: die abschließende Missionsanalyse für den Start, der Transport der Elemente der Ariane-5-Trägerrakete vom europäischen Festland nach Französisch-Guayana und der geplante Transport von Webb nach Französisch-Guayana Ende September 2021.

Webb ist ein internationales Gemeinschaftsvorhabender NASA, der ESA und der Canadian Space Agency (der kanadischen Raumfahrtbehörde CSA). Im Rahmen des internationalen Kooperationsabkommens ist die ESA für den Start des Teleskops mit der Trägerrakete Ariane 5 zuständig. In Zusammenarbeit mit ihren Kooperationsbeteiligten war die ESA für die Entwicklung und Qualifizierung der Ariane-5-Anpassungen für die Webb-Mission sowie für die Beschaffung des Startdienstes verantwortlich. Darüber hinaus steuert die ESA das NIRSpec-Instrument (Nah-Infrarot-Spektrograph) und einen 50-prozentigen Anteil am MIRI-Instrument (Spektrograph im mittleren Infrarotspektrum) sowie Personal zur Unterstützung der Mission bei.

„Die ESA ist stolz darauf, dass Webb vom europäischen Weltraumbahnhof aus mit einer speziell für diese Mission angepassten Ariane-5-Rakete starten wird. Alles läuft nach Plan, der Weltraumbahnhof bereitet sich auf die Ankunft dieser außergewöhnlichen Nutzlast vor und die einzelnen Elemente der Ariane 5 kommen für den Start zusammen. Wir setzen uns gemeinsam mit allen Webb-Beteiligten für den Erfolg dieser einmaligen Mission ein“, sagte Daniel Neuenschwander, Direktor für Raumfahrzeugträger der ESA.

„Wir wissen jetzt, wann der Moment kommen wird, auf den Tausende von Menschen seit vielen Jahren hingearbeitet haben und auf den sich Millionen von Menschen auf der ganzen Welt freuen. Webb und seine Trägerrakete Ariane 5 sind dank der hervorragenden Arbeit aller Missionsbeteiligten bereit. Wir freuen uns darauf, die letzten Vorbereitungen für den Start auf dem europäischen Weltraumbahnhof zu sehen“, sagte Günther Hasinger, Direktor für Wissenschaft der ESA.

Die Ariane-5-Rakete wird das Teleskop direkt in eine präzise Transferbahn zu seinem Ziel, dem zweiten Lagrange-Punkt (L2), bringen. Nach der Abkopplung von der Ariane 5 wird Webb seine vierwöchige Reise zu L2 allein fortsetzen. L2 ist viermal so weit entfernt wie der Mond und1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt in Richtung Sonne.

Webb wird besonders in die Tiefen des Universums schauen, indem es Wellenlängen im nahen und mittleren Infrarotbereich beobachtet, die länger als das sichtbare Licht sind. Zu diesem Zweck ist es mit einer Reihe von hochmodernen Kameras, Spektrographen und Koronagraphen ausgestattet. Webb wird längere Wellenlängen des Lichts abdecken als das Weltraumteleskop Hubble und hat eine 100-mal höhere Empfindlichkeit, was ein neues Fenster zum Universum öffnet. Dank der größeren Wellenlängen kann Webb verborgene Teile unseres Sonnensystems entdecken, in Staubwolken blicken, in denen sich Sterne und Planetensysteme bilden, die Zusammensetzung der Atmosphären von Exoplaneten genauer untersuchen und einen Blick in die Vergangenheit werfen, um die ersten Galaxien zu sehen, die sich im frühen Universum gebildet haben.

Mit seinen einzigartigen Funktionen hat Webb eine Schlüsselmission innerhalb der ESA-Flotte von Weltraumforschungsmissionen inne, die die Geheimnisse des Universums aufdecken. Seine Entdeckungen werden diejenigen der aktuellen und kommenden Exoplanetenmissionen der ESA ergänzen: Cheops, Plato und Ariel. Webb wird auch an die Entdeckungen von Euclid anknüpfen, der geplanten ESA-Weltraummission, mit dem ein Verständnis für die Struktur unseres Kosmos geschaffen wird. Darüber hinaus werden die Entdeckungen von Webb dazu beitragen, die Voraussetzungen für die zukünftige ESA-Röntgenmission Athena und den Gravitationswellendetektor LISA zu schaffen.


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