- © Foto: rbb/Hanna Lippmann -
DAUN, 08.02.2017 - 08:26 Uhr
Technik - Audio/Video

Qvest Media verbindet Infrastruktur des rbb in Berlin und Potsdam

Beschleunigte TV-Produktion durch standortübergreifende Vernetzung

Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (rbb) produziert nun auch an seinem Standort Berlin mit einer von Grund auf erneuerten Produktionsinfrastruktur durchgehend File-basiert. Dem erfolgreichen Sendestart im Dezember 2016, gingen rund 18 Monate Projektlaufzeit voraus, in denen der rbb und Qvest Media in enger Zusammenarbeit das technologische Konzept, Workflows und Prozesse entwickelten sowie die technische Ausstattung definierten. Besonderes Augenmerk lag dabei auf der nahtlosen Vernetzung der Systeme in Potsdam und Berlin, um ein flexibles und standortübergreifendes Arbeiten zu ermöglichen.

Die Herausforderung für den Systemarchitekten Qvest Media war es, bereits in der Design- und Planungsphase die spätere stufenweise Modernisierung, Eingliederung und Vernetzung der beiden rbb-Standorte in Berlin und Potsdam zu berücksichtigen – und das im laufenden Sendebetrieb. Hierzu installierte der rbb eine eigens für das File-basierte Produktionsnetzwerk aufgebaute IP WAN-Strecke zwischen den zwei Produktionsstätten. „Zunächst haben wir die technische Infrastruktur in Potsdam und Berlin als eigenständige Produktionsinseln unabhängig voneinander modernisiert“, erklärt Kristin Staack, Projektleiterin bei Qvest Media, das Vorgehen. „Dadurch konnte der rbb in Potsdam bereits Ende 2015 auf Sendung gehen, während in Berlin noch installiert wurde. Die Infrastruktur in der Hauptstadt haben wir danach sukzessive erneuert und anschließend wurden die Systeme in Potsdam und Berlin nahtlos miteinander vernetzt.“

Wolfram Klemmer, Chefingenieur und Leiter Systemplanung beim rbb, sieht klare Vorteile in dem jetzigen Systemaufbau: „Heute arbeiten wir zentral und zugleich dezentral. Das heißt, beide Standorte können sowohl vollkommen autark als auch kollaborativ produzieren. Wir besitzen dadurch die größtmögliche Flexibilität in unserer Produktion.“ Darüber hinaus bietet die neue Infrastruktur weitere Vorzüge hinsichtlich Kosten, Service und Zusammenarbeit. „Da beide Standorte einen nahezu identischen Aufbau besitzen, ist zum einen die Beschaffung der Technik einfacher und kostengünstiger. Zum anderen lassen sich dadurch Service und Systemwartung vereinheitlichen und das Wissen kann zwischen Potsdam und Berlin nun ungehindert fließen“, freut sich Wolfram Klemmer.

Maßgeblich für die technische Vernetzung war dem rbb demnach, den Usern in Berlin und Potsdam die Verwaltung des gesamten Materials in einem gemeinsamen Media Asset Management (MAM) System zu ermöglichen. Als zentrales Element der File-basierten Produktion wird dazu an beiden Standorten das MAM-System VMPS von Arvato Systems eingesetzt. Mit dessen Hilfe können über einen Standard-Webbrowser an allen angeschlossenen Redaktions- und Bearbeitungsplätzen Video- und Audiofiles sowie Metadaten komfortabel gesichtet, bearbeitet und verwaltet werden.

Das Backend von VPMS sowie sämtlicher Drittsysteme ist auf beide Standorte verteilt, um Redundanzen und eine optimale Lastverteilung zu gewährleisten. Das System erkennt dabei selbstständig, an welchem Standort Material eingespielt wird und es greift automatisch auf die jeweiligen standortgebundenen Serverressourcen und Isilon-Speichersysteme zurück. Unabhängig davon, auf welchem Speicher und an welchem Standort die Daten vorliegen, wird das Material übergreifend mittels VPMS verwaltet. Dadurch ist es bereits während des Ingest-Prozesses möglich, das Material an beiden Standorten zu sichten und weiter zu bearbeiten. Losgelöst vom Ingest-Ort lassen sich so Rohmaterial und Beiträge zwischen den Produktionsinseln und Regien aufteilen, versenden und bearbeiten.

Als Produktionsformat nutzt der rbb das MXF Profil ARD_ZDF_HDF02a mit AVC-I Codec. Dieses wurde gemeinsam mit dem Institut für Rundfunktechnik (IRT) speziell für den standardisierten Dateiaustausch zwischen den ARD und ZDF Anstalten sowie deren unterschiedlichen Systemen entwickelt. Um Fremdmaterial in dieses Hausformat zu konvertieren, transcodiert eine über beide Standorte aufgespannte AmberFin-Farm des Herstellers Dalet die angelieferten Videodateien.

Die auf Avid-Technologie basierende Postproduktion wurde ebenfalls auf den neuesten Stand gebracht. Der rbb nutzt heute zwei Avid-Produktionsinseln mit 17 Craft Editing-Plätzen in Berlin sowie 13 in Potsdam. Diese sind jeweils an ein Avid Speichersystem für die Videobearbeitung angeschlossen. Für die Anbindung der News- und Online-Redaktion wurden darüber hinaus Schnittstellen zum Redaktionssystem Open Media von Annova und das Web Content Management System Adobe Experience Manager eingerichtet. Die von Arvato Systems zum Teil neu entwickelten Schnittstellen sorgen für einen schnellen und unkomplizierten Materialfluss ins Web: Files lassen sich direkt aus dem MAM-System als Web-fähige mp4-Dateien mit H.264 Codec aufbereiten und per XML-Import im Online-Angebot des rbb veröffentlichen.

Wie bereits in Potsdam stellt Qvest Media auch in Berlin mit einem 24/7-Supportteam die Betreuung der Infrastruktur in den kommenden fünf Jahren sicher. Während der rbb den hausinternen 1st-Level-Support übernimmt, beinhaltet das 2nd-Level-Agreement mit Qvest Media unter anderem die proaktive Systemwartung, Betreuung und Durchführung der Planungs- und Wartungsfenster für das Einspielen von herstellerseitigen Updates und Upgrades sowie das laufende Troubleshooting und Bugfixing.


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