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DAUN, 19.04.2022 - 10:17 Uhr
Technik

Raumfahrer nach Rekordflug gelandet - China „greift nach den Sternen“

(dpa) - Mit seiner längsten bemannten Mission im All hat Chinas ehrgeiziges Raumfahrtprogramm einen großen Sprung nach vorn gemacht. Nach 183 Tagen im Weltraum landete die Kapsel mit der Taikonautin Wang Yaping und ihren zwei Kollegen Zhai Zhigang und Ye Guangfu am Samstag in der Wüste Gobi in Nordwestchina. Ein halbes Jahr hatten die Raumfahrer an Bord des Kernmoduls der künftigen chinesischen Raumstation „Tiangong“ (Himmelspalast) verbracht.

Die Besatzung von „Shenzhou 13“ (Magisches Schiff) war damit länger im All als andere chinesische Raumfahrer vor ihnen - fast doppelt so lange wie der bisherige chinesische Rekord im vergangenen Jahr. Und die 42-jährige Wang Yaping war nicht nur die erste Frau an Bord des „Tianhe“ (Himmlische Harmonie) genannten Kernmoduls, sondern auch die erste Chinesin, die einen Weltraumspaziergang unternommen hat.

Insgesamt verbrachten die Taikonauten zwölfeinhalb Stunden außerhalb des Raumschiffes, um den Ausbau der T-förmig geplanten Raumstation voranzutreiben. Nach der sicheren Landung nahe des Raumfahrtbahnhofs Jiuquan in der Inneren Mongolei ließ Wang Yaping umgehend ihre fünfjährige Tochter wissen, „dass ihre Mutter, die nach den Sternen greift, wieder zurück ist“. Schließlich konnten sie sich in Peking nach einem halben Jahr wieder in die Arme schließen.

In der nächsten Phase zur Fertigstellung der Raumstation ist im Mai ein Frachtflug geplant, um Material und Treibstoff für den dann im Juni erwarteten Flug von „Shenzhou 14“ ins All zu bringen. Während des Aufenthaltes der dreiköpfigen Crew sollen später im Jahr zwei Module zum Anbau ins All gebracht werden.

Möglicherweise Ende 2022 ist ein weiterer Frachtflug und mit „Shenzhou 15“ eine weitere bemannte Mission geplant. Dann sollen sich vorübergehend sechs Astronauten in der Raumstation aufhalten und die Bauphase des letztlich 66 Tonnen wiegenden „Himmelspalasts“ abschließen, der rund 400 Kilometer über der Erde kreist.

Die Raumstation untermauert Chinas Ambitionen, zur Weltraummacht aufsteigen und zu den großen Raumfahrernationen USA und Russland aufschließen zu wollen. Dafür hat die Volksrepublik Milliardensummen in ihr Raumfahrtprogramm gesteckt. Bereits heute betreibt China erfolgreich einen Rover auf dem Mars. Das Land hat Gestein vom Mond geholt und hat als erste Nation ein Raumschiff auf der erdabgewandten Seite des Erdtrabanten gelandet.

Außer der eigenen Raumstation hat China viele anspruchsvolle Ziele: Nach einem Weißbuch will China „in den nächsten fünf Jahren“ Gesteinsproben von den Polarregionen des Mondes zur Erde holen und mit Russland an Plänen für eine Forschungsstation auf dem Mond arbeiten. Auch ist die Landung auf einem erdnahen Asteroiden geplant. China will zudem Proben vom Mars zur Erde bringen, was 2028 erfolgen könnte. Eine Mission zur Erkundung des Jupiters könnte 2029 folgen.

China hat ferner mit „Beidou“ ein eigenes Navigationssatellitensystem aufgebaut. Geplant ist ein „Xuntian“ genanntes Raumfahrt-Teleskop, das dem amerikanischen Hubble-Teleskop ähneln soll, auch wenn es kleiner ist. Es scheint nach Berichten auch nicht so eine hohe Auflösung zu haben, dürfte aber eine größere Fläche des Himmels abdecken können. Das Teleskop soll regelmäßig an die Raumstation andocken, um Treibstoff aufzuladen und gewartet zu werden. 2024 könnte es startbereit sein.

Für all seine Vorhaben, darunter auch zahlreiche Satelliten, sind nach Expertenschätzungen allein dieses Jahr möglicherweise rund 60 chinesische Raketenstarts geplant - mehr noch als 2021, das bereits eine Rekordzahl verzeichnet hatte.

Von Fabian Kretschmer und Andreas Landwehr, dpa

 

 


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