- © Foto: Starlink -
DAUN, 08.09.2021 - 10:34 Uhr
Technik - Satellit

Satelliteninternet als Ergänzung zum Glasfaserausbau

In klaren Nächten kann man am Himmel ganze Karawanen von Satelliten ausmachen, die wie an einer Perlenschnur aufgereiht über unsere Köpfe ziehen. Tele Columbus, als Betreiber glasfaserbasierter Netze und schnellem Internet, muss das keine Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Im Gegenteil, eine Breitbandversorgung via Satellit kann den deutschen Breitbandausbau ideal ergänzen.

Für alle, die in Deutschland beim Warten auf das schnelle Internet inzwischen auf himmlischen Beistand hoffen, kommt die Lösung vielleicht tatsächlich von oben. Eine spannende vom BREKO in Auftrag gegebene Studie der TU Mittelrhein zeigt nun die Möglichkeiten und Grenzen des Satelliteninternet auf. Den gezielten Glasfaserausbau, so das Fazit, kann der Satellit nicht ersetzen. Für den Lückenschluss überall dort, wo eine wirtschaftliche tragfähige Erschließung nicht in Sicht ist, bietet der Satellit neue Möglichkeiten (Link).

Das der Satellit inzwischen überhaupt ein ernstzunehmender Faktor bei der Breitbandversorgung geworden ist, verdankt man zwei bemerkenswerten technischen Entwicklungsstufen. Das sind zum einem die seit 10 Jahren installierten High-Throughput-Satelliten (HTS), die aus einer geostationären Umlaufbahn exklusiv zur Bereitstellung von Breitbandinternet vorgehalten werden, wie zum Beispiel Eutelsat Konnect. Und in der zweiten Stufe, die Installation von umlaufenden Satelliten in weitaus geringerer Höhe, so genannte Low Earth Orbit-Satelliten. Im Moment hat Starlink von Tesla-Chef Elon Musk die Nase vorn. Geplant ist ein Endausbau mit 42.000 Kleinsatelliten. Im Augenblick sind für Starlink knapp 1.700 Satelliten aktiv. Mit der britischen Oneweb-Flotte geht voraussichtlich 2022 das nächste System an den Start.   

Beim 'klassischen' Satelliteninternet aus sehr hohen Umlaufbahnen heraus (36.000 km), sind die dort auftretenden Latenzen von 240-250 ms gerade noch für Videotelefonie zu gebrauchen. Die Signalumlaufzeit und damit die Reaktionsszeit der Verbindungen reichen für Spiele in keinem Fall aus. Bei Satelliteninternet aus niedrigen Flugbahnen (400 km) hingegen sind Latenzen gar kein Thema mehr und liegen hier zwischen 3,7 und 4,8 ms.

Hauptproblem des Satelliten bleibt die Bereitstellung ausreichender orbitaler Breitbandanbindungen für die breite Masse. So berechnet die BREKO-Studie bei einem Starlink-Vollausbau mit 42.000 Satelliten, dass in Deutschland bei einer praxisgerechten 20 prozentigen Überbuchung der Kapazität maximal 1,3 Millionen Haushalte mit Bandbreiten von 100 Mbit/s versorgen kann. Eine mit FTTH-Glasfaser zu erzielende zuverlässige Gigabitversorgung entsteht hieraus zwar nicht - für eine Umsetzung der Breitbandversorgungspflicht ist der Satellit ein Ausweg. Derzeit verfügen laut Breitbandatlas 4,5 % der deutschen Haushalte über eine Breitbandversorgung von maximal 30 Mbit/s. Demnach sind also etwa 1,8 Millionen Haushalte nicht gut angebunden.

Ein vom Bundesverkehrsministerium in Auftrag gegebenes Rechtsgutachten über Herausforderungen bei der Schaffung flächendeckender Glasfaserinfrastrukturen lotete unter anderen aus, was man den Anschluss-Nutzerinnen und -Nutzern wirtschaftlich zumuten kann. Hier kommt man zu der Einschätzung, dass ein 2,5-facher Preis für eine Breitbandanbindung abgelegener Liegenschaften noch zu akzeptieren wäre.

Der Ausschnitt des Breitbandatlas' des Bundes zeigt: Von einem flächendeckenden Glasfaserausbau ist Deutschland noch weit entfernt.

Da rechnen wir einmal nach: Kabelinternetangebote starten im Schnitt bei rund 20 Euro für 50 bis 100 Mbit/s und enden bei 45-60 Euro für einen Gigabitanschluss. Die Geschwindigkeitsstufe 300 Mbit/s liegt mit rund 30 Euro dazwischen. In ländlichen Vollglasfaserausbaugebieten (FTTH) liegen die Preise für einen Gigabitanschluss zum Teil spürbar höher.  Zum Vergleich: Ein Starlink-Satellitenanschluss soll für 99 Euro vermarktet werden (Hardware einmalig 500 Euro), Eutelsat Konnect berechnet für 30 Mbit/s 29,99 Euro und für den Topspeed 100 Mbit/s werden 69 Euro fällig (Hardware inklusive).  Die Preisunterschiede würden sich also innerhalb des nun in die Diskussion gebrachten Akzeptanzrahmens bewegen.


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