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DAUN, 26.07.2018 - 16:06 Uhr
Technik - Satellit

Satellitennavigationssystem „Galileo“ soll 2020 volle Betriebsfähigkeit erlangen

Vier weitere Galileo-Satelliten erfolgreich ins All gestartet

Am 25. Juli sind vier weitere Galileo-Satelliten mit der europäischen Trägerrakete Ariane 5 vom europäischen Weltraumbahnhof in Französisch-Guayana gestartet (InfoDigital berichtete). Mit dem letzten Weltraumstart unter der Juncker-Kommission erreicht die Konstellation mit den nun 26 Satelliten im All ihre Gesamtstärke, die für 2020 geplant ist. In dem Jahr soll Galileo seine volle Betriebsfähigkeit erlangen, wie die EU-Kommission am 26. Juli mitteilt.

Galileo wird dann auf 20 Zentimeter genaue Daten senden und damit einen Präzisionsrekord unter den Satellitennavigationssystemen der Welt aufstellen. Galileo erbringt seit Dezember 2016 Ortungs- und Zeitgebungsdienste für inzwischen bereits rund 400 Millionen Nutzer.

Der Weltraum mag uns fern erscheinen, aber die damit zusammenhängenden Technologien, Daten und Dienste sind aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken, sei es für die Suche bei Rettungseinsätzen, in vernetzten Autos, bei intelligenten Uhren, in der Landwirtschaft oder bei der Navigation in der Luftfahrt. Die europäische Weltraumwirtschaft ist leistungs- und wettbewerbsfähig, sie schafft Arbeitsplätze und bietet Unternehmern Geschäftschancen. In der kommenden langfristigen EU-Haushaltsplanung 2021-2027 hat die Kommission vorgeschlagen, alle bestehenden und neuen Weltraumaktivitäten in einem einzigen EU-Weltraumprogramm mit einer Dotierung von 16 Mrd. Euro zusammenzufassen.

Kommissionsvizepräsident Maroš Šefcovic erklärte hierzu: „Eine weitere Etappe auf dem Weg zur vollen Betriebsfähigkeit von Galileo im Jahr 2020 liegt nun hinter uns! Der Weltraum bietet neue wirtschaftliche Dimensionen, da er für immer mehr Branchen lebenswichtig ist und zu einem Motor ihrer grundlegenden Modernisierung wird. Tatsächlich hängen 10 Prozent des BIP der EU von Weltraumdiensten ab. Wir müssen Europa daher eine weltweite Spitzenposition und die strategische Autonomie sichern.“

Elzbieta Bienkowska, Kommissarin für Binnenmarkt, Industrie, Unternehmertum und KMU, die die Delegation der Europäischen Kommission in Kourou (Französisch-Guayana) anführte, erklärte: „Wir können sehr stolz auf den Erfolg unserer Weltraumaktivitäten sein. Europa ist zu einer wirklichen Weltraummacht geworden. Von Beginn meiner Amtszeit an stand das Ziel für mich fest: Entwicklung der Infrastruktur ohne Zeit- und Geldüberschreitung, Bereitstellung der ersten Dienste und Gewährleistung einer raschen Marktdurchdringung. Heute können wir sagen: Das wäre geschafft. Wir werden jedoch unsere Arbeit und Investitionen im Rahmen des neuen Weltraumprogramms der EU fortsetzen.“

  • Galileo stellt derzeit drei auf Satellitennavigation basierende Dienste bereit: Galileos offener Dienst: ein kostenfreier Dienst für Ortung, Navigation und Zeitgebung. Der Zeitgebungsdienst wird im Vergleich zu anderen Ortungssystemen immer robuster, genauer und schneller (in der Größenordnung von Nanosekunden). Er ermöglicht das eCall-SystemDiesen Link in einer anderen, das seit dem 31. März 2018 in allen Neufahrzeugen in der EU verbindlich vorgeschrieben ist, um den Rettungsdiensten den Standort des verunfallten Fahrzeugs zu melden.
  • Galileos Such- und Rettungsdienst (Search and Rescue – SAR): Ortung der von einem entsprechend ausgerüsteten Sender abgegebenen Notsignale. Mit dem Start der ersten Galileo-Dienste im Dezember 2016 hat sich die Zeit bis zur Ortung einer auf See oder in den Bergen vermissten Person von bis zu 4 Stunden auf rund 10 Minuten nach Aktivierung des Notfallsenders verringert. Die Ortungsgenauigkeit hat sich von 10 km ohne Hilfe von Galileo auf weniger als 2 km mit Galileo-Unterstützung verbessert. Zudem wird der Dienst ab dem kommenden Jahr sogar ein Antwortsignal zurücksenden, mit dem die in einer Notlage befindliche Person benachrichtigt wird, dass ihr Notsignal empfangen und geortet worden ist.
  • Galileos öffentlicher regulierter Dienst (Public Regulated Service – PRS): ein verschlüsselter, für Behörden konzipierter Dienst, der sicherheitsrelevanten Zwecken (z. B. militärischen Operationen) vorbehalten ist. Mit dem PRS soll selbst unter den widrigsten Umständen die Dienstkontinuität sichergestellt sein. Er bietet staatlichen Nutzern in nationalen Notfällen oder Krisensituationen, etwa bei Terrorangriffen, einen besonders zuverlässigen und komplett verschlüsselten Dienst.

Jeder, der über ein Galileo-fähiges Gerät verfügt, kann dessen Signale für die Positions- und Zeitbestimmung sowie die Navigation nutzen. Den Galileo-Diensten liegen hochpräzise Signale zugrunde, aber in der aktuellen Anfangsphase sind sie noch nicht jederzeit verfügbar, sodass sie mit jenen anderer Satellitennavigationssysteme wie GPS kombiniert werden müssen. Mit jeder Erweiterung der Konstellation verbessern sich Schritt für Schritt Galileos Verfügbarkeit und Leistung weltweit. Hat die Konstellation 2020 einmal die Zahl von 30 Satelliten erreicht, wird Galileo voll und ganz einsatzfähig und unabhängig sein; es wird mit anderen Worten ausschließlich mithilfe der Galileo-Satelliten möglich sein, eine Position jederzeit und überall autonom zu bestimmen.


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