- © Foto: EADS Astrium -
DAUN, 01.03.2022 - 11:39 Uhr
Technik - Satellit

Störung des Satelliten Ka-Sat: Tausende Windkraftanlagen betroffen

Eine Störung des Satelliten Ka-Sat schränkt derzeit den Betrieb von tausenden Windenergieanlagen in Europa ein, berichtet der NDR am 28. Februar auf seiner Internetseite. Der Dienst fiel offenbar fast zeitgleich mit dem Beginn des Ukraine-Kriegs aus.

Laut NDR-Angaben seien allein beim Windenergieanlagen-Hersteller Enercon rund 5.800 Anlagen betroffen. Laut Angaben eines Enercon Firmensprechers gegenüber dem NDR, würden die Windräder zwar noch laufen und Strom liefern, allerdings seine sie für eine Überwachung und Steuerung aus der Ferne nicht mehr erreichbar.

Das Unternehmen greife normalerweise dort per Satellit auf Anlagen in entlegenen Gebieten zu, in denen es kein Breitband-Internet gibt. Das sei derzeit nicht möglich, hieß es. Grundsätzlich könnten sich die Anlagen autark und selbstständig regulieren.

Der Satellit befindet sich seit Ende 2010 auf der Orbitalposition 9° Ost im All und verrichtet seit gut zehn Jahren Breitbanddienste über Satellit, unter anderem schnelles Internet aus dem All für Kunden auch in Europa.

Die Störung des Satelliten-Netzwerks Ka-SAT trat den Angaben zufolge am 24. Februar auf. Die genaue Ursache sei noch unklar, hieß es weiter. Offenbar fielen die Kommunikationsdienste aber nahezu zeitgleich mit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine aus. Derzeit sei unklar, ob auch Anlagen anderer Anbieter betroffen sind. Weil die Anlagen zur kritischen Infrastruktur zählen, habe Enercon den Vorfall an das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gemeldet. Ein BSI-Sprecher sagte, dass das Amt im Austausch mit der Bundesnetzagentur stehe und versuche, den Vorfall zu bewerten.

Wie auf der Internetseite von Paxex berichtet, untersuche und analysiere der Satellitenbetreiber Viasat sein europäisches Netzwerk sowie dessen Systeme, um die Grundursache zu identifizieren. Man treffe zusätzliche Netzwerkvorkehrungen, um weitere Auswirkungen zu verhindern. Man werde versuchen den Service für betroffene Kunden wiederherzustellen.

Über den Satelliten:

Der Satellit wurde am 27. Dezember 2010 mit einer russischen Trägerrakete des Typs Proton Breeze M vom Weltraumbahnhof Baikonur in Kasachstan erfolgreich in den Weltraum befördert. Der Satellit gehörte ehemals dem Pariser Satellitenbetreiber Eutelsat. Viasat gründete ein Joint Venture mit Eutelsat, um den Satelliten zu betreiben und zu vermarkten, bevor es die Partnerschaft im April 2021 aufkaufte.

Der Satellit beruht auf der Astrium-Plattform Eurostar E3000 und kann dank seiner innovativen Bauweise mehr als 80 Spotbeams gleichzeitig erzeugen; zudem bietet Ka-Sat einen Datendurchsatz von 70 Gbits/s. Er verfügt über vier Multispot-Antennen mit entfaltbaren Reflektoren sowie über ein hochpräzises Peilsystem; dies ermöglicht eine optimierte Abdeckung und eine Mehrfachnutzung der Frequenzen zwischen nicht nebeneinander liegenden Zellen. Jede der vier Multispot-Antennen ist einer Farbe zugeordnet, welche bei einem Durchmesser von 2,6 Metern eine große Brennweite haben. Das geschickte Frequenzmanagement erlaubt es mit den vier Frequenzblöcken alle Beams zu generieren, ohne dass es zu Interferenzen kommt. Jeder Spotbeam stellt eine Kapazität von 900 MBit/s bereit, die sich in einen Vorwärts- und Rückkanal aufteilen. Ka-Sat hatte eine Startmasse von über sechs Tonnen und eine Nutzlastleistung von mehr als 11 kW; der Satellit soll laut EADS-Angaben voraussichtlich über 16 Jahre im Einsatz sein.


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