DAUN, 05.07.2018 - 15:40 Uhr
Technik - Internet

Telekom überbaut bestehendes Glasfasernetz mit Vectoring

Für Bretten, eine Mittelstadt in der Nähe von Karlsruhe hatte sich lange niemand interessiert. Zumindest nicht, was die Versorgung mit leistungsfähigen Breitband-Anschlüssen angeht. Nachdem nun ein Investor seit Sommer 2017 eine flächendeckende FTTH/B Glasfasernetz-Infrastruktur bis in die Haushalte aufgebaut hat,  will die Telekom bis Ende des ersten Quartals 2019 rund 11.000 Haushalte massiv mit Vectoring ausbauen.

Die BBV Deutschland errichtet und betreibt über ihre Tochter Breitbandversorgung  Rhein-Neckar seit Juni 2017 in Bretten in fünf Stadtteilen ein flächendeckendes Glasfasernetz, das demnächst auch in der Kernstadt von Bretten bereitstehen soll. Das von Telekom CEO Timotheus Höttges vor rund sechs Monaten eingeleitete Kooperationsangebot in Form einer „Koalition der Willigen“ mit den in verschiedenen Breitbandverbänden organisierten Netzbetreibern beim Glasfaserausbau, das ein Eingreifen der Regulierer verhinderte, scheint hingegen vom Tisch. 

"In Zeiten, in denen die neue Bundesregierung zu 100 Prozent auf die Glasfaser setzt, versucht die Telekom mit ihrer nicht mehr zukunftsfähigen Vectoring-Technik ohne Rücksicht auf Verluste und sinnfrei möglichst rasch noch viele Wettbewerber entgegen aller wirtschaftlichen Vernunft aus dem Markt zu drängen“, wettert BBV-Deutschlandchef Manfred Maschek in einer Presseinformation zur Ankündigung der Telekom. Die Telekom mache sich im Bezug auf Glasfaserkooperationen völlig unglaubwürdig.

Sinnfrei ist das Engagement der Telekom selbstverständlich nicht. Mit ihrem überraschenden Überbau stehen auf der Seite des Breitband-Mitbewerbers nun Investitionen in Höhe rund 15 Millionen Euro, die BBV Deutschland im Verbund mit Finanzpartner Primevest Capital Partners investiert hat, auf dem Spiel  – und ein Geschäftsmodell, das der Telekom auch in anderen strukturschwachen Regionen  Ärger bereiten könnte.

„Wir schaffen seit rund einem Jahr eine hervorragende flächendeckende Glasfaserinfrastruktur in Bretten, die bei den Haushalten und Gewerbetreibenden sehr gut ankommt. Unsere Philosophie ist Open Access. Einer möglichen Mitnutzung unserer Netzinfrastrukturen durch die Telekom stehen wir positiv gegenüber, da diese für alle Beteiligten wirtschaftlich sehr viel Sinn macht", betont Maschek.

Tatsächlich könnte die Telekom, an der der Bund immerhin zu fast einem Drittel beteiligt ist, durch eine Kooperation im Sinne einer Mitnutzung oder gar eines Wholebuy-Aufkaufs der bestehenden Infrastruktur, der laut Maschek ebenfalls ausdrücklich zu den Möglichkeiten gehört, viel Geld sparen. Das bestätigte auch der Sprecher des BREKO Bundesverbands Breitbandkommunikation e.V, Marc Kessler: "Lokale und regionale Netzbetreiber haben ein hohes Interesse an (Open-Access-) Kooperationen, um die Auslastung ihrer Glasfasernetze und so deren Wirtschaftlichkeit zu erhöhen. Auf diese Weise können auch wieder Mittel in den weiteren Glasfaserausbau investiert werden. Der BREKO spricht sich klar dafür aus, dass vor einem Überbau ernsthafte Gespräche über eine Kooperation stattfinden. Denn es muss gelingen, Glasfaser in die Fläche zu bringen, anstelle punktuellen Überbau / Doppelausbau zu erzeugen. Ein solcher Doppelausbau ist volkswirtschaftlich unsinnig und schädlich für den zeitnahen Ausbau zukunftssicherer, reiner Glasfaser als bester digitaler Infrastruktur für Deutschland", erklärt Kessler.

Auch bei der Telekom haben wir um eine Stellungnahme zum Thema gebeten. Eine Antwort steht bislang aus. 

 

 

 


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