DAUN, 21.09.2017 - 14:59 Uhr
Technik - Internet

Telekom startet Weltnetz-Angebot für Unternehmen

Die Deutsche Telekom bietet ihren Unternehmenskunden ab sofort schnell verfügbare internationale Netzverbindungen und –dienste, teilte das Unternehmen am 21. September mit. Basis für das neue Telekommunikationsangebot ist das das Netz von ngena – der Next Generation Enterprise Network Alliance (www.ngena.net). Über die globale Allianz, die die Telekom gemeinsam mit Partnern ins Leben gerufen hat, wurde ein bislang in der Branche weltweit einzigartiges Geschäftsmodell etabliert: denn alle ngena-Partner teilen ihre Netze und verbinden sie zu einem weltweiten hoch standardisierten Netz.

Da das Netz auf neuester Technologie basiert und von Software gesteuert wird, lassen sich gerade für global agierende Unternehmenskunden sehr viel schneller als bisher Unternehmensnetzwerke und Datenverbindungen als Virtuelle Private Netzwerke (VPN) einrichten. Der Vorteil liegt auf der Hand: Internationale Firmenkunden profitieren von schnell einzurichtenden Netzwerken entweder über das Internet oder über fest geschaltete Leitungen. Kunden der Deutschen Telekom können damit schneller auf veränderte Geschäftsbedingungen durch die Digitalisierung reagieren.

Patrick Molck-Ude, der das Großkunden-Netzgeschäft der Deutschen Telekom verantwortet, sagt: „Mit unserem Weltnetz-Angebot treffen wir den Nerv multinationaler Kunden. Schnell verfügbare, sicherere, leistungsfähigere und globale Netzdienste sind der Motor für die Industrieproduktion der Zukunft und ein Wachstumsfeld für die Deutsche Telekom. Der globale Markt für Netzzugang und Transportdienste für Unternehmensnetze hat bereits heute ein Volumen von 50 Mrd. Dollar und legt jährlich 3,5 % zu.“

Telekom erstes Allianz-Mitglied mit Netzangebot „powered by ngena“

Die Telekom-Tochter T-Systems ist der erste Allianzpartner, der ein Netzangebot auf Basis der ngena-Plattform an den Start bringt. Es trägt den Namen „Smart SD-WAN powered by ngena“ (Software gesteuertes Weitverkehrsnetz) und ist in den Zugangsvarianten XS, S oder M verfügbar – je nachdem, ob der Netzzugang einfach bzw. redundant angelegt ist und ob er über Internet, Ethernet oder einer Kombination beider erfolgt. Mit dem standardisierten und automatisierten Angebot „Smart SD-WAN“ ergänzt T-Systems ihr bestehendes klassisches IP-VPN-Angebot IntraSelect, das sich auf jeweils spezielle Kundenanforderungen maßschneidern lässt.

Über das neue Netzprodukt stehen ab sofort neben der sicheren weltweiten Vernetzung von Unternehmensstandorten als VPN auch weitere Dienste zur Verfügung. Etwa der sichere regionale Übergang aus dem Unternehmensnetzwerken ins Internet mittels Firewalls oder aber die intelligente Führung von Netzverkehr je nach Prioritätsklasse. Das Angebot richtet sich zunächst an Unternehmen mit deutschem Einkauf. Schrittweise folgen der Vertrieb in weiteren Ländern, weitere Zugangs-Varianten und Services sowie eine breitere Länderabdeckung.

ngena-Netz deckt bereits weite Teile des Erdballs ab

Smart SD-WAN basiert auf dem Partnermodell von ngena, der Next Generation Enterprise Network Alliance (www.ngena.net), zu der sich die Deutsche Telekom gemeinsam mit ihren Gründungspartnern CenturyLink, Reliance Jio und SK Telekom Anfang 2016 zusammengeschlossen hatte. Der Allianz gehören inzwischen zahlreiche weitere Telekommunikationsanbieter an, die ihre eigenen Netze über eine zentrale Plattform zu einer weltumspannenden Infrastruktur verbinden. Darunter Altice mit SFR und Portugal Telecom, Neutrona, PCCW Global sowie die Technologiepartner Cisco, Comarch und Equinix. Weitere Partner werden zeitnah folgen.

ngena-Geschäftsführer Marcus Hacke sagt: „Der Angebotsstart der Telekom ist ein wichtiger Meilenstein für unser junges Unternehmen. Wir sorgen dafür, dass ngena immer mehr Telekommunikationsanbieter weltweit miteinander verbindet. Dafür bauen wir unser eigenes Netzwerk und die Zugangsknoten weltweit aus. Die ersten Netzknoten in Deutschland, USA, China und Südkorea sind bereits aktiv. Bis Ende des Jahres sollen es dann etwa zehn sein, um die Regionen Nord- und Südamerika, Europa und Asien immer umfassender abzudecken.“

Neue Netzgeneration erleichtert weltweite Steuerung von Maschinen

Die Deutsche Telekom will mit dem Einsatz einer neuen Generation von Netzen Unternehmen auch die Steuerung von Industrieanlagen quer über den Erdball erleichtern. Bereits heute sind in Firmen Maschinen und Roboter intelligent vernetzt. Einkauf und Logistik, Vertrieb und Service – die gesamte Wertschöpfungskette von Unternehmen ist digital. In Industrie 4.0-Firmen organisiert die sogenannte Smart Factory Fertigung und Logistik ohne menschliche Steuerung selbst. 40 Milliarden Euro will die deutsche Industrie bis 2020 in Industrie 4.0 investieren, sagt eine Studie des Beratungsunternehmens PricewaterhouseCoopers.

Hintergrund: Software Defined Networks und Industrie 4.0

In der Industrie 4.0-Welt sind Maschinen, Einzelteile und Gegenstände mit Sensoren ausgestattet. Diese sammeln Daten, mit deren Hilfe der Weg des Produkts durch die Fertigungsanlagen und die einzelnen Arbeitsschritte ge-steuert wird. Immer mehr funkende Sensoren bedeuten aber auch immer mehr Datenverkehr, höhere Echtzeit-Anforderungen (Latenz) und erhöhten Bandbreitenbedarf. Hinzu kommen etwa angebundene ERP-Systeme (Enterprise Ressource Planning) mit Tausenden von Nutzern, Big Data-Analyseprogramme und Cloud-Dienste, die auf das Netz zugreifen.

Die historisch gewachsenen Netzwerke der Provider sind diesen Anforderun-gen schon heute kaum noch gewachsen. Ein Grund: Netzwerkressourcen werden teilweise noch manuell zugeteilt. Das ist teuer und langsam – es dauert Tage, Wochen oder sogar Monate, bis eine zuverlässige Verbindung für den unternehmenskritischen Einsatz steht. Kein Administrator kommt den Datenströmen der Zukunft noch hinterher. Software Defined Networks (SDN) automatisieren das Konfigurieren von Einzelsystemen, indem sie die Administrationsarbeiten auf eine zentrale Management-Konsole verlagern. Daher sind SDNs Basis für eine neue Generation industrieller Produktionsnetze wie das von ngena. Gleiches gilt für die gerade beginnende Entwicklung von Industrienetzen auf dem kommenden 5G-Standard.


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