DAUN, 30.08.2018 - 10:34 Uhr
Technik - Fernseher

TV-Markt profitiert von High-End-Geräten

Verkauf von Smart- und internetfähigen TV-Geräte wichtigste Wachstumstreiber

Laut GfK verzeichnete der globale TV-Markt* im ersten Halbjahr 2018 einen Umsatz von 45 Milliarden Euro. Diese Steigerung von rund einem Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum lässt sich auf die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft zurückführen. Für das Gesamtjahr 2018 erwartet GfK insgesamt 238 Millionen verkaufte TV-Geräte weltweit*, was einer Zunahme von zwei Prozent gegenüber 2017 entspricht.

Die wichtigsten Wachstumstreiber sind der Verkauf von Geräten mit hohen Durchschnittspreisen, Smart- und internetfähige TV-Geräte und eine Erholung der Schwellenländer. Das sind Ergebnisse von GfK zum globalen TV-Markt anlässlich der IFA 2018 in Berlin.

Auf regionaler Ebene trieben die Länder in der LATAM-Region das globale Wachstum stark voran. Sie trugen im ersten Halbjahr 2018 mit einem Umsatzwachstum von 25 Prozent zu einer globalen Umsatzsteigerung auf dem TV-Markt bei. Der Anteil der Region LATAM am globalen Umsatz mit Fernsehgeräten betrug elf Prozent. Die Region konnte sich damit erfolgreich von den hohen Verlusten der letzten Jahre erholen. Die Regionen Europa und APAC wiesen eine Entwicklung zwischen minus fünf Prozent und plus vier Prozent auf.

In Deutschland zeigt der TV-Markt im ersten Halbjahr 2018 trotz der Fußball-Weltmeisterschaft eine negative Entwicklung. Die verkauften Stückzahlen gingen um elf Prozent zurück, der Umsatz sank um vier Prozent.

Große Bildschirme mit High-End-Displaytechnologie

Im ersten Halbjahr 2018 entfiel die Hälfte der globalen TV-Umsätze auf Bildschirme mit einer Größe von 50 Zoll und größer. Diese TV-Geräte können Verkaufspreise von über 4.000 Euro erreichen. Markus Kick, GfK Experte für Consumer Electronics erläutert: „Diese Premiumgeräte sind mit HDR oder OLED-Technologie ausgestattet. Dies ist die führende Displaytechnologie im Premiumsegment und legt im Umsatz um mehr als 100 Prozent zu. Westeuropa war hauptsächlich für den Trend in Richtung OLED verantwortlich, es weisen aber fast alle Regionen dreistellige Wachstumsraten auf. Im zweiten Halbjahr 2018 werden zusätzliche Hersteller auf den Plan treten und für weitere Dynamik sorgen. Bei der Bildschirmauflösung ist 4K weiterhin auf dem Vormarsch und die ersten 8K-Modelle werden voraussichtlich bereits auf der diesjährigen IFA vorgestellt. Folglich konnten die Hersteller weltweit in fast allen Regionen höhere Durchschnittspreise erzielen.“

Die Kehrseite dieses Trends ist jedoch, dass Ultra-HD und größere Bildschirme den Energieverbrauch der Fernsehgeräte negativ beeinflussen. In den ersten sechs Monaten 2018 konnten lediglich 33 Prozent aller verkauften Fernseher in Europa der Energieklasse A+ zugeordnet werden – eine negative Tendenz. Der Verkauf von Geräten der Klasse A++ bleibt weiterhin unbedeutend.

In Deutschland verzeichnen Geräte ab 55 Zoll ein zweistelliges Wachstum und stehen mittlerweile für 57 Prozent des Gesamtumsatzes. Vor allem TV-Geräte ab 70 Zoll weisen überproportional hohe Wachstumsraten auf. Einen Beitrag leisten unter anderem OLED-Geräte, deren Umsätze in Deutschland im Zeitraum Januar bis Juni 2018 um 139 Prozent zulegten. Ähnlich positiv entwickeln sich UHD/4K-Geräte, deren Verkäufe ebenfalls im zweistelligen Bereich ansteigen.

Smart- und internetfähige TV-Geräte, mit denen man sprechen kann

Aufgrund des riesigen Erfolgs von Streaming-Plattformen und einer jüngeren Kundschaft, die zunehmend das Interesse an linearen TV-Sendungen verliert, sind Smart-TVs heutzutage beinahe Standard. Im ersten Halbjahr 2018 kommt diesen Geräten ein weltweiter Umsatzanteil von 85 Prozent zu, 2017 waren es noch 79 Prozent. Auf regionaler Ebene betrug der Umsatzanteil der smarten TV-Geräte in den LATAM-Ländern im ersten Halbjahr 2018 bereits 93 Prozent. In Deutschland lag der Umsatzanteil bei 91 Prozent. Nur der Nahe Osten und Afrika bleiben mit einem Umsatzanteil von 66 Prozent für smarte TV-Geräte hinter den anderen Regionen zurück.

Im nächsten Schritt werden sich mehr und mehr Hersteller der Sprachsteuerung von TV-Geräten zuwenden und somit die Ausbreitung der digitalen Assistenten vorantreiben. Bisher sind noch nicht alle sprachgesteuerten Assistenten in die TV-Geräte integriert und verlangen daher ein externes Smart-Gerät für eine indirekte Sprachsteuerung. Mit der Zeit wird sich zeigen, ob sich diese Lösung durchsetzen wird oder ob es nur eine Brückentechnologie war.

Online-Handel verändert globalen TV-Markt

In den ersten sechs Monaten 2018 wurden insgesamt 18 Prozent des globalen Umsatzes mit Fernsehgeräten über Online-Verkäufe erzielt. In der Vorjahresperiode lag der Anteil noch bei 15 Prozent. Der Online-Verkaufsanteil in Westeuropa und den asiatischen Schwellenländern lag bei 17 Prozent beziehungsweise 22 Prozent. Der Anteil des online generierten Umsatzes in Deutschland stieg von 20 Prozent auf 22 Prozent an und liegt somit über dem westeuropäischen Durchschnitt.

Neben der Änderung in den Verkaufszahlen ist auch eine Änderung in den saisonalen Spitzenzeiten zu beobachten: 2015 war das letzte Jahr mit echtem Weihnachtsgeschäft, ab 2016 verlagerte sich das Nachfragehoch auf November, als Folge von Online-Rabattaktionen wie z.B. „Black Friday“. Diese Entwicklung ist besonders deutlich ausgeprägt in Ländern mit großen Online-Händlern, die saisonale Rabattaktionen durchführen. Durch ein Fußballturnier wie die diesjährige FIFA Fußball-Weltmeisterschaft werden Umsatzspitzen noch drastischer verlagert, in diesem Fall auf Mai und Juni.

Hinweis: *Quelle: GfK Handelspanel (70 Länder) plus Schätzungen für Nordamerika.

Zur Methode

GfK erhebt im Rahmen des Handelspanels in mehr als 70 Ländern weltweit regelmäßig Daten zum Verkauf von Fernsehgeräten. Im GfK-Handelspanel berichten 425.000 Einzelgeschäfte in über 120 verschiedenen Verkaufskanälen. Alle Zahlen beziehen sich auf den Gesamtmarkt, das heißt auf sämtliche verkaufte TV-Geräte eines Landes.


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