- © Foto: ESA-CNES-ARIANESPACE 2017 -
DAUN, 20.11.2017 - 08:15 Uhr
Technik - Satellit

Vier weitere Galileo-Navigations-Satelliten startklar - Vorbereitungen abgeschlossen

Geplanter Start am 12. Dezember

Arianespace hat die ersten Vorbereitungen für den Start von vier weiteren Galileo-Navigations-Satelliten auf dem europäischem Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana) abgeschlossen, die mit der letzten Ariane-Mission in 2017, am 12. Dezember mit einer speziellen Rakete - der Ariane 5 ES - in den Weltraum befördert werden sollen. Das gab der Raketenbetreiber am 13. November bekannt. Gebaut wurde das Galileo-Quartett, wie viele der FOC-Modelle, vom Bremer Satellitenhersteller OHB SE.

Wie das Unternehmen mitteilte, durchlief die Schwergutlast für den Arianespace Flug VA240 den Montageprozess, bei dem zunächst die beiden Festtreibstoff-Booster mit der kyrogenen Hauptstufe kombiniert wurden. Im nächsten Schritt wurde die Fahrzeugausrüstungsbucht der Ariane 5, die als "Gehirn" der Trägerrakete fungiert und eine autonome Kontrolle während der verschiedenen Einsatzphasen bietet, integriert.

Unterschied zwischen Ariane 5 ES und der Ariane 5 ECA

Der Fahrzeugausrüstungsschacht der Ariane 5 wird für die Installation abgesenkt. Foto: ESA-CNES-ARIANESPACE Zur Vorbereitung folgten weitere Schritte, wie zum Beispiel die Installation der speicherbaren EPS-Treibstoffstufe, die von einem wiederzündbaren Motor angetrieben wird, der mit MMH- und N2O4-Treibmitteln arbeitet.

Dies unterscheidet die Ariane-5-ES-Konfiguration von Arianespaces Ariane-5-ECA-Version, die eine kryogene Oberstufe hat und typischerweise bei Arianespace-Missionen mit Telekommunikationssatelliten zu geostationären Transferorbits verwendet wird.

Bei der Raketenversion 5 ES kommt die wiederzündbare Oberstufe EPS und ihrem Aestus-Triebwerk zum Einsatz, die von Airbus Safran Launchers (ASL) in Ottobrunn gebaut wird. Die Wiederzündungen sind wichtig, da die Ariane 5ES - anders als bei der ECA - die Satelliten in einem kreisförmigen Orbit aussetzt und damit auch eine weitere Zündung am erdfernsten Punkt der Flugstrecke selbst vornimmt. Dazu wird nach der ersten elfminütigen Zündung und der anschließenden, mehr als dreistündigen antriebslosen Freiflugphase das Aestus-Triebwerk noch einmal für sechseinhalb Minuten eingeschaltet. Nach Ende dieser Flugphase werden die Satelliten dann in einer Höhe von 22.900 Kilometern ausgesetzt. Danach verwenden die vier Galileo-Satelliten ihren eigenen Antrieb, um ihren Zielorbit zu erreichen, während die EPS-Oberstufe nach Tankentleerung und Druckabbau in einem Friedhofsorbit kreist.

Nach Abschluss der Überprüfungen und der Systemüberprüfung durch die Ariane-Group wird die Trägerrakete Ariane 5 ES in das Endmontagegebäude des Weltraumbahnhofs zur Nutzlastintegration und Bereitschaft zur Startzone gebracht.

Die laufenden Nutzlastvorbereitungen der Mission - die bisher die Checkout- und Fit-Check-Verfahren für jeden der vier Galileo-Satelliten umfassten - fanden in der S1A-Verarbeitungsanlage des Weltraumbahnhofs statt. Dies beinhaltete eine eins-zu-eins-Überprüfung der Schnittstelle des Raumfahrzeugs mit dem Nutzlastdispenser, der sie während der Mission in eine kreisförmige Umlaufbahn bringen wird.

Satelliten überprüft ... und fit

Nach dem Fit-Check-Verfahren in der S1A-Anlage wurden die vier Satelliten zur Übergabe an das S3B-Nutzlast-Vorbereitungszentrum zum Betanken vorbereitet.

Start am 12. Dezember geplant

Das Galileo-Quartett, jeweils mit einem Eigengewicht von rund 715 kg, soll am 12. Dezember mit der Ariane 5 ES vom europäischem Weltraumbahnhof in Kourou (Französisch-Guayana), in den Weltraum befördert werden. Wie immer wird, der mit Spannung erwartete Launch, im Internet auf der Website von Arianespace weltweit übertragen. Arianespace hat bereits insgesamt 18 Galileo-Satelliten ins All befördert, darunter die vier von Ariane 5 im November 2016 gestarteten, plus den anderen Navigations-Satelliten, die in sieben vorhergehenden Sojus-Raketenmissionen mit je zwei der Navigations-Satelliten an Bord in den Orbit beförderten.

Über das Galileo-System

Das europäische globale Navigationssystem Galileo* geht auf einen Beschluss der Europäischen Union zurück und stellt eine neuartige Infrastruktur für Europa zur Verfügung. Es ermöglicht Menschen in Europa und auf der ganzen Welt eine Vielzahl verschiedener Dienste zur Positionsbestimmung, Navigation und Zeitbestimmung. Das System wird in der Endkonfiguration aus 24 in drei Ebenen angeordneten Navigationssatelliten sowie verschiedenen Bodenstationen zusammen mit einigen Reservesatelliten bestehen. Die Konstellation wird globale Positionsbestimmung und Navigation ermöglichen und einen internationalen Such- und Rettungsdienst (COSPAS-SARSAT) unterstützen. Die Navigationssignale sollen in zwei Frequenzbändern gesendet werden. Auf den offenen Dienst (Open Service OS) kann mit einem entsprechenden Receiver frei zugegriffen werden. Der verschlüsselte Commercial Service (CS) wird gegen Gebühr verfügbar sein und bietet eine gesteigerte Genauigkeit durch weitere Signale. Der verschlüsselte Public Regulated Service (PRS) verspricht erhöhte Integrität und größeren Schutz vor Störsendern und soll vorwiegend durch die Sicherheitsbehörden (Polizei, Militär) sowie für sicherheitskritische Transportaufgaben verwendet werden.

*) Die Phase bis zum Erreichen der vollen Einsatzkapazität (FOC – full operational capability) des Galileo-Programms wird von der Europäischen Union finanziert. Die Europäische Kommission und die Europäische Raumfahrtagentur ESA haben eine Übertragungsvereinbarung unterzeichnet, gemäß der die ESA im Auftrag der Kommission als die für die Entwicklung und die Beschaffung verantwortliche Stelle handelt. Die hier ausgedrückten Ansichten stellen nicht notwendigerweise die Position der Europäischen Union bzw. der ESA dar. Galileo ist ein eingetragenes Warenzeichen von EU und ESA gemäß HABM-Antrag Nr. 002742237.

Im Rahmen der dritten Ausschreibung wurden im Juni 2017 acht (InfoDigital berichtete) und Anfang Oktober weitere vier Satelliten an die OHB System AG vergeben, um die bisher gefertigten 26 Satelliten zu ergänzen.

Derzeit befinden sich insgesamt 18 Satelliten im Orbit. Erste Dienste des Galileo-Systems werden seit 15. Dezember 2016 angeboten – ein erster Schritt hin zum Gesamtbetrieb. Mit weiteren Satellitenstarts wird die Konstellation weiter ausgebaut. Dies erhöht schrittweise die Leistungsfähigkeit weltweite Verfügbarkeit des Systems. Die vollständige Konstellation, mit einer 99,8 prozentigen Abdeckung der gesamten Erdoberfläche, soll mit nochmals vier weiteren Galileo-Satelliten bis spätestens Mitte 2018 erreicht sein.

Viele Endgeräteseite bereit für europäische Navigationssystem

Smartphone-Hersteller wie Samsung, Apple und Huawei integrierten mittlerweile Galileo in den von ihnen eingesetzten Chipsets. Die aktuellen Top-Modelle der Apple iPhone 8- und iPhone X-Familie, das Samsung Galaxy Note 8  sowie das Huawei Mate 10 und Mate 10 Pro unterstützen Galileo bereits ab Werk. Auch der neue Broadcom Chip BCM47755 verarbeitet neben den Signalen der Satellitennavigationssysteme GPS, dem russischen Glonass, dem chinesischen Beidou und dem japanischen QZSS die das Europäische Galileo-System (InfoDigital berichtete).

www.arianespace.com

www.ohb.de

Weitere Infos zu Galileo auf der Website der Europäischen Weltraumagentur ESA.


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