DAUN, 06.09.2017 - 11:38 Uhr
Technik - Radio

VPRT fordert faire Umstiegs-Bedingungen in die digitale Radiozukunft

Privatradios brauchen Infrastrukturförderung / kein UKW-Abschaltdatum

Der Fachbereich Radio und Audiodienste im Verband Privater Rundfunk und Telemediendienste e.V. (VPRT) hat auf seiner Sitzung vom 5. September, im Rahmen der Mitgliederversammlung des Verbandes in Berlin die Anforderungen für einen Übergang auf die digital-terrestrische Radiozukunft einstimmig beschlossen und vorgestellt. In dem „Vier-Punkte-Plan“ bekennt sich der Verband zu einer Unterstützung des Digitalumstiegs auf DAB+, wenn er fair und den wirtschaftlichen Notwendigkeiten des Privatradios entsprechend ausgestaltet wird.

Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im VPRT und Geschäftsführer von Radio Regenbogen: „Bei der Diskussion um DAB+ scheint der politische Wille den Point-of-no-Return erreicht zu haben. Die Bedenken der privaten Radiounternehmen an einer digitalen Migration des terrestrischen Hörfunks wurden bis dato in der politischen Willensbildung nicht berücksichtigt: Fragen der Finanzierung des Umstiegs, des Erhalts der lokalen, regionalen und landesweiten Vielfalt bis hin zur medienpolitischen Gestaltung eines dualen Rundfunksystems mit gleichen Voraussetzungen für private und öffentlich-rechtliche Radioangebote sind nach wie vor unbeantwortet. Der VPRT nimmt die politisch intendierte Entwicklung zur Kenntnis. Im Interesse seiner Mitglieder trägt er konstruktiv dazu bei, dass in diesem Wandlungsprozess das duale Radiosystem erhalten bleibt – keine Expansion öffentlich-rechtlicher Radioprogramme unter dem Mantel der Digitalisierung – sowie eine solide Geschäftsgrundlage und eine Abbildung aller bestehenden privaten Hörfunkprogramme über DAB+ gewährleistet sind. Wir wollen damit eine digitale Medienzukunft mitgestalten, in der das Radio unverändert als Garant für Vielfalt, Information und Unterhaltung – gerade auch in den regionalen Versorgungsräumen – steht.“

Der Vier-Punkte-Plan zur Hörfunkmigration

  1. Motive der Migration - DAB+ ist kein einheitlicher europäischer Standard – Radio ist schon längst Multichannel. - Gleichwohl ist für DAB+ aber aus politischen Gründen der Point-of-no-Return überschritten. - Der private Hörfunk ist daher bereit, eine Migration aktiv zu unterstützen, sofern die Finanzierungsgrundlage dafür gewährleistet ist und faire Leitplanken definiert werden. - Dazu gehören die Sicherstellung eines ausgewogenen dualen Systems sowie die Abbildung aller bestehenden privaten UKW-Programme über DAB+.
  2. Faire Bedingungen für Umstieg - Der öffentlich-rechtliche Hörfunk benötigt für den Umstieg auf DAB+ bis 2025 schätzungsweise rund 600 Millionen Euro, die er aus dem Rundfunkbeitrag erhält. - Eine vergleichbare Summe – rund 500 Millionen Euro – muss der private Hörfunk aufbringen. - Dieser Zusatzaufwand ist über Werbung nicht zu finanzieren. Daher bedarf es auch für den privaten Hörfunk einer Infrastrukturförderung. - Diese Förderung ist zwingende Voraussetzung für die Migration.
  3. Einstiegsphase in die Migration - Ab dem Zeitpunkt der gesicherten Finanzierung und der Möglichkeit, alle bestehenden privaten UKW-Programme über DAB+ abzubilden, wird der private Hörfunk DAB+ aktiv bewerben. - Ein Abschaltdatum (auch nicht die Diskussion hierüber) darf es bis zum Absinken der tatsächlichen analogen Nutzung auf unter 10 % nicht geben. Maßgeblich für die Messung der Nutzung ist der Anteil der UKW-Verbreitung an der durchschnittlichen Stunden-Netto-Reichweite (Werbefunk Gesamt, 14-59 Jahre, Mo-Fr, 6-18 Uhr). - Da sich Privatradio maßgeblich durch Werbung finanziert, reicht die bloße Verbreitung von Endgeräten als Maßstab für den Einstieg in die Migration nicht aus.
  4. Dreijährige Übergangsphase - Erst wenn die tatsächliche analoge Restnutzung unter 10 % der Gesamtnutzung fällt, beginnt die dreijährige Übergangsphase von UKW zu DAB+. - Binnen der darauffolgenden drei Jahre wird die UKW-Verbreitung eingestellt.

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