DAUN, 21.09.2017 - 16:04 Uhr
Technik - Audio/Video

WDR erhält Smartproduction Regie von Ross Video

Mittendrin in Köln und in unmittelbarer Nachbarschaft zum Dom befindet sich das WDR Funkhaus, das mit dem Klaus von Bismarck Saal, dem kleinen Sendesaal und seinen circa 250 Veranstaltungen pro Jahr das zweithöchstfrequentierte Veranstaltungshaus in Nordrhein-Westfalen ist, direkt nach der Kölner Philharmonie. Hier werden vor allem Konzerte mit einer großen musikalischen Bandbreite produziert und live übertragen, unter anderem von den Klangkörpern WDR Rundfunkchor, WDR Big Band, WDR Sinfonieorchester und WDR Funkhausorchester. Außerdem kommen diverse Gesprächsrunden, Comedy-Veranstaltungen, Shows und sonstige Veranstaltungen aus dem WDR Funkhaus.

Um die beiden Sendesäle in der öffentlichen Wahrnehmung als crossmediale Spielstätte weiter bekannt zu machen, installierte der WDR kürzlich eine moderne, „smarte“ Multimediaregie incl. der dafür benötigten Infrastruktur. Ziel ist es, die Verfügbarkeit der hochkarätigen Veranstaltungen im Internet zu erhöhen und die Präsenz der Klangkörper in den sozialen Netzwerken zu steigern. Dabei soll zu der qualitativ hochwertigen Tonproduktion ein Videobild als Mehrwert hinzugefügt werden, das den anspruchsvollen Erwartungen der Zuschauer/-innen gerecht wird und mit geringem Aufwand hergestellt wird.

Durch die Einbeziehung des langjährigen Vertriebspartners Studio Hamburg MCI in die Planung der Smartproduction Regie, konnte in kürzester Zeit ein Testszenario für den WDR aufgebaut werden. MCI verfügt über die Expertise und die notwendigen Demosysteme der Firma ROSS Video, wie den Carbonite Bildmischer, das XPression Grafiksystem sowie das Ross Dashboard, sodass der WDR auch über die Planungsphase hinaus vollumfänglich unterstützt werden konnte. Die Entscheidung, zentrale Produktionstechnik der Firma Ross zu installieren, fiel nach einer ausführlichen Marktanalyse im Rahmen einer Bachelorarbeit. Die kompakten Bildmischer der Carbonite-Serie verfügen über sämtliche in der Broadcastwelt erforderlichen Features und stechen durch eine spezielle Vernetzbarkeit und eine anpassbare GUI hervor. Trotz ihres großen Funktionsumfangs sind sie sehr platzsparend und in der Handhabung sehr flexibel.

Die GUI realisiert Ross Video in Form der einfach und individuell anpassbaren Java-Applikation DashBoard. Darüber lassen sich gewünschte Funktionen des Bildmischers, aber auch andere in der neuen WDR Multimediaregie eingesetzten Geräte und Hersteller auf einer übersichtlichen Oberfläche intuitiv fernbedienen. So stehen dem Bediener wichtige Funktionen des Grafiksystems, der Zuspieler, der Video-Kreuzschiene, des 4-kanaligen Ingests sowie des Multiviewer-Setups auf einem Touch-Monitor zur Verfügung.

Genau diese Individualisierbarkeit ist sehr interessant für die neue Multimediaregie, denn es gilt, ein schmales skalierbares Personalkonzept zu ermöglichen. Bei kleinen Produktionen mit auf der Bühne festgelegten Positionen steuert ein(e) Bediener/-in alle Geräte der Multimediaregie für den Livestream, d.h. bis zu sechs fernsteuerbare Kameras, Bildmischer, Schriftgenerator, Aufzeichnung, Zuspielung, Kreuzschiene, Ausspielwege, etc. Bei den meisten Orchesterproduktionen realisieren zwei Bediener/-innen die Produktion. Und in der höchsten Kategorie, meist dynamische oder szenische Produktionen, führen max. drei Personen in der Regie Livestreams mit bis zu acht Kameras durch. Die individuelle Technik unterstützt sie bei der gestalterischen Arbeit. Man kann sagen, dass durch das Ross Video DashBoard eine Anpassung der Technik an das Produktionsteam erfolgt ist, um eine Fokussierung auf die wichtigsten Funktionen während der Liveproduktion zu ermöglichen und den meist langjährigen Mitarbeiter/-innen der Musikproduktion – mit hoher Affinität zur Tonproduktion – den Zugang zur Videotechnik zu erleichtern. Auf diese Weise ist aber auch die volle Produktionsbandbreite, von einfachen Internet-Streams bis hin zu anspruchsvollen Konzertübertragungen für den klassischen Fernseh-Verbreitungsweg zu realisieren.

Man muss sich einmal vorstellen, wie eine klassische Studioproduktion in der Regel funktioniert. Der Ablauf wird sehr detailliert geplant und mehrfach geprobt. Die Bedienung jedes Gerätes wird in der Regel durch einen eigenen Arbeitsplatz sichergestellt, z.B. Kamerasteuerung, Bildmischung, Einblendung von Schriften, Aufzeichnung der Signale am sog. „MAZ“-Platz, etc. Auf dem DashBoard werden nun an nur einem Arbeitsplatz die wichtigsten Funktionen aller Geräte abgebildet und durch nützliche Funktionalitäten ergänzt. Als Beispiel seien hier genannt: Bauchbinden können in Dashboard geschrieben, mit Farben optisch sortiert, mit Ein- und Ausblend-Timern automatisiert und mit „AutoCue“ auch einer Rundownliste unterzogen werden. Aufzeichnungen werden für bestimmte Uhrzeiten vorprogrammiert sowie die Steuerung und Kontrolle des Recorders sichergestellt – in der Hektik geht so keine Aufzeichnung mehr verloren. Zudem werden über das Dashboard Mischebenen des Bildmischers zur Verfügung gestellt, die sonst im Livebetrieb nur durch Umschalten verwendet werden konnten. Und auch dabei sind Logiken integriert, die sicherstellen, dass z.B. auf den Projektionsflächen der Bühne niemals die Totalen-Kamera geschnitten und so ein Feedback erzeugt wird. Darüber hinaus speichert die DashBoard-Oberfläche sämtliche Kreuzungspunkte und Produktions-Einstellungen und ermöglicht damit ein geräte- und herstellerübergreifendes „Total Recall“ der Multimediaregie.

Durch die Vereinfachung der Bedienung und die Verwendung von vorbereiteten Setups ist man in der Lage, ein Ergebnis zu liefern, welches den Qualitätsansprüchen einer klassischen Fernsehproduktion sehr nahe kommt. So werden neben der Bereitstellung im Internet (Livestream, Mediatheken von WDR, ARD und arte) auch die herkömmlichen Verbreitungswege, wie eben das klassische WDR Fernsehen, genutzt.

Im Fokus des neu erschaffenen Formates stand das ressourcenschonende Produzieren. Durch die intelligente Vernetzung von klassischer Broadcasttechnik und der Weiterentwicklung von Bedienschnittstellen, Arbeitsplätzen und Workflows hat man es geschafft, einen Produktionsweg zu finden, der ebenso außergewöhnlich wie smart ist. Somit lässt sich feststellen, dass der Bedarf hin zu einfacheren  oder smarteren Produktionsweisen  und die damit verbundenen veränderten Anforderungen an die Bedienung, Technik und das Personal, nicht im Gegensatz zu den hohen Qualitätsanforderungen moderner Produktionen steht.


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