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DAUN, 01.12.2021 - 08:57 Uhr
Technik - Audio/Video

Willkommen im Club: So bekommen Vinyl-Einsteiger den Dreh raus

Wer offizielles Mitglied im Club der Vinyl-Fans werden möchte, muss erst einmal den richtigen Plattenspieler finden. Davon werden pro Jahr hierzulande wieder 110 000 Stück verkauft. Damit man sich das neue Hobby Platten nicht gleich schon zum Start vermiest, gibt es ein paar Dinge zu beachten.

„Am Anfang sollte man sich ganz genau überlegen, ob man wirklich bereit ist, in einen Plattenspieler samt Zubehör zu investieren“, sagt Vinyl-Bloggerin Viktoria Gasteiger. „Denn abgesehen vom Plattenspieler und den Schallplatten kommen noch einige weitere Ausgaben hinzu, ohne die es aber nicht geht.“

Einen soliden (Einsteiger-)Plattenspieler könne man zwar bereits für unter 200 Euro bekommen, aber in den meisten Fällen sei es sinnvoll, gleich in ein qualitativ hochwertigeres Modell im Preisbereich von 300 bis 400 Euro zu investieren.

Impulskauf keine gute Idee

Auch wenn viele Zubehörprodukte heute schon recht günstig seien, bliebe es in der Summe trotzdem eine recht große Investition. Von Impulskäufen würde Gasteiger daher abraten. Zudem sollte man sich vor dem Kauf auch überlegen, ob in den eigenen vier Wänden überhaupt genug Platz für Plattenspieler und Zubehör vorhanden ist.

Roland Stehle vom Branchenverband gfu gibt ebenfalls zu bedenken, dass man am besten zu einem Fachhändler gehen sollte und nicht etwa zu einem Discounter. „Von No-Name-Plattenspielern würde ich abraten.

Mechanische Geräte haben nun einmal den Nachteil, dass eine gewisse Qualität auch einen gewissen Preis erfordert“, sagt Stehle.

Neben dem Plattenspieler selbst müsse man meistens auch noch das passende Zubehör besorgen: „Es gibt zwar auch Plattenspieler, die sowohl Verstärker als auch bereits Lautsprecher mit dabeihaben, aber bei so etwas wird jeder Hi-Fi-Fan die Hände über dem Kopf zusammenschlagen“, sagt Stehle. Besonders einsteigerfreundlich sind Plattenspieler mit integrierten Vorverstärkern, erklärt Gasteiger.

Steht auch der Neukauf von Verstärker und Boxen an, sollte sich der Preis des Verstärkers an den Lautsprechern orientieren, rät die Expertin. „Eine einfache Grundregel ist es, circa 60 Prozent des Budgets in die Lautsprecher und 40 Prozent in den Verstärker zu investieren.“

Der Zweck bestimmt die Mittel

Letztendlich sei es eine sehr individuelle Frage, welche Sorte Plattenspieler man wolle und für welchen Zweck. „Wenn jemand nur aus Spaß - etwa, weil er alte Platten gefunden hat, die mal anhören möchte, dann wird er keine 1000 Euro investieren“, so Stehle. „Aber wenn es jemand als Hobby betreibt und sich da in seinen Hörraum einschließt, um den Klang zu genießen, wird man deutlich mehr ausgeben.“

Bernd Theiss vom „Audio“-Fachmagazin erklärt, dass man für circa 300 Euro einen vernünftigen Plattenspieler bekommen kann: „Das bedeutet zum einen, dass die Wiedergabe vom Klang her neutral ist und verzerrungsfrei, ohne Jaulen durch Gleichlauf-Schwankungen und Ähnliches.“ Auch sollten die Platten schonend abgetastet werden. Eine ungenau geschliffene, raue Abtastnadel könne sie auf Dauer zerstören.

Zudem gibt es Plattenspieler mit USB-Ausgang oder Bluetooth, die man direkt an einen Computer anschließen kann, sagt Theiss. Das sei vorteilhaft für Menschen, die ihre Platten digitalisieren wollten.

„Dann kann man die Musik von der Platte auf einer Festplatte speichern und sie dann demnächst vom Handy aus spielen, ohne dass ich noch einmal zur Platte greifen muss.“

Automatik rettet Plattenleben

Sandra Schwarz von der Stiftung Warentest hält manuelle Geräte eher für etwas für erfahrene Platten-Nutzerinnen und -Nutzer, da hier der Tonarm mit der Nadel von Hand auf die Platte gesetzt wird. „Bei einer ungeschickten Bewegung kann die Platte zerkratzen“, sagt sie. „Für Anfänger eignen sich daher eher vollautomatische Plattenspieler, die die Platte per Knopfdruck abspielen.“ Weniger wichtig sei insgesamt gesehen die Antriebsart, so Schwarz.

„In unserem Test hatte dies kaum eine Auswirkung auf Klang oder Bedienung des Plattenspielers.“ Nutzer haben die Wahl zwischen Direkt- und Riemenantrieb. Beim Direktantrieb ist der Motor eben direkt mit dem Plattenteller verbunden, meist über Zahnräder. Und bei einem Riemenantrieb überträgt ein Riemen das Motordrehmoment auf den Plattenteller. Nur: Der Riemen verschleißt irgendwann, deshalb kann ein Direktantrieb zumindest in dieser Hinsicht praktischer sein.

Bernd Theiss berichtet zusätzlich, dass Plattenspieler mit Direktantrieb immer dann von Vorteil seien, wenn man beispielsweise einen Disco-Betrieb plant und der Plattenspieler sehr schnell starten soll. „Dabei will man ja auch gegebenenfalls scratchen, das heißt den Plattenteller selbst per Hand bewegen. Das geht bei Direktantrieben besser.“ Deswegen seien Direktantriebe für alle, die mal als DJane oder DJ arbeiten und etwa bei eine Feiern oder Partys auflegen wollen, die beliebteren Modelle.

Der böse Trittschall

Der Aufstellort ist wichtig „Trittschall ist ein Thema, wenn man den Plattenspieler nicht gut aufstellt“, sagt Sandra Schwarz. Ein geeigneter Ort ist zum Beispiel ein Regal, das an der Wand befestigt ist. Dann gebe es auch mit etwas empfindlicheren Plattenspielern kaum Probleme durch Erschütterungen.

Was das Zubehör betrifft, sollten Einsteiger vor allem an die Plattenpflege denken: „Nützlich sind zum Beispiel eine Carbon-Faserbürste zum Entstauben der Platte vor dem Abspielen, eine Nadelbürste zum Reinigen der Abtastnadel oder eine Auflage zum Schutz des Plattentellers“, sagt Viktoria Gasteiger. Ein alternatives Tonabnehmersystem sei dagegen eher etwas für Fortgeschrittene.

 

Von Eva Boller, dpa


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